Einwände möglich

Gewerbegebiet Diepersdorf-Süd: Bürger äußern Kritik am Standort

Zweiter Bürgermeister Christian Palm informiert in der Aula der Grundschule über das geplante neue Gewerbegebiet in Diepersdorf.
Zweiter Bürgermeister Christian Palm informiert in der Aula der Grundschule über das geplante neue Gewerbegebiet in Diepersdorf. | Foto: Christine Popp/Gemeinde Leinburg2026/05/diepersdorfgewerbegebiet__1.jpg

LEINBURG - Die Gemeinde Leinburg möchte im Ortsteil Diepersdorf ein neues Gewerbegebiet ausweisen. Das etwa drei Hektar große Gebiet Diepersdorf-Süd soll gegenüber der Scherauer Weiher entstehen.

Es grenzt an die dortige Reitsportanlage und soll über die Industriestraße erschlossen werden. Im Rahmen der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit hat vergangene Woche eine Infoveranstaltung für interessierte Bürger in der Aula der Grundschule stattgefunden. Ansprechpartner vor Ort waren unter anderem Zweiter Bürgermeister Christian Palm sowie Thomas Gerner. Er ist Geschäftsführer der Cito-System GmbH, die sich in Diepersdorf ansiedeln möchte.

Palm betonte gleich zu Beginn, dass bereits eine umfassende Abwägung stattgefunden habe, ehe man das Gelände als neues Gewerbegebiet ins Auge gefasst hat. Auch alternative Standorte seien geprüft worden. Dennoch kam mehrfach aus dem Publikum der Vorwurf, die Gemeinde habe es sich zu leicht gemacht und nicht intensiv nach Alternativen gesucht. „Der schonende Umgang mit Grund und Boden hat für uns grundsätzlich Priorität. Aber gleichzeitig dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass unsere Kommune auch zukünftig auf Gewerbesteuereinnahmen angewiesen ist, um laufende Kosten und zukünftige Investitionen für unsere Gemeinde zu ermöglichen“, argumentierte Palm. Deshalb würde er sich sehr freuen, wenn sich die Firma Cito wie geplant mit ihrem Firmenhauptsitz in Leinburg ansiedeln würde.

„Wir sorgen für den Knick im Karton“

Cito-Geschäftsführer Thomas Gerner nutzte den Infoabend, um den Besucherinnen und Besuchern seine Firma vorzustellen und ein Bekenntnis zur Region abzugeben. Die Firma Cito, die zum Schweizer Maschinenbaukonzern Bobst gehört, zählt laut einer Pressemitteilung aus dem Leinburger Rathaus zu den weltweit führenden Unternehmen im Bereich der Stanz- und Rilltechnik. Verpackungsdruckereien, Wellpappenwerke, Stanzformenbauer und Offsetdruckereien sind die Kunden von Cito. Ob Müsli-Verpackung, Schuhkarton, Tablettenschachtel oder Verkaufsdisplay: Damit ein Karton dreidimensional wird und sauber geknickt werden kann, muss er vorher gerillt, gestanzt oder perforiert werden. „Und wir von Cito sorgen quasi dafür, dass der Knick in den Karton kommt“, sagte Gerner. Bei seinen Ausführungen legte er großen Wert darauf, zu betonen, dass Cito kein lärmintensiver Betrieb sei, man vielfältige Umweltzertifikationen erfülle und in Diepersdorf keine Chemikalien hergestellt oder gelagert würden. Der Neubau soll bis Ende 2028 realisiert sein, 130 Mitarbeiter sollen hier einen Arbeitsplatz finden.

Im Anschluss erläuterten Sophia Lobinger und Bernhard Walk vom Planungsbüro Grosser-Seeger einige Details, zum Beispiel, dass eine Begrünung der Dachflächen in Kombination mit Photovoltaik-Anlagen geplant ist und dass die zukünftigen Cito-Gebäude eine Höhenbeschränkung haben werden und so unter der Firsthöhe der Reithalle bleiben werden. „Es werden sich außer Cito keine zusätzlichen Gewerbebetriebe dort ansiedeln, Cito möchte dort noch Pufferflächen für eventuelle zukünftige Erweiterungen vorhalten und wäre der alleinige Eigentümer des Geländes", heißt es aus dem Rathaus.

Kritik an Naturzerstörung

Viele der Rednerinnen und Redner im Diskussionsteil betonten, dass sie der Firma Cito positiv gegenüberstehen, sich aber einen anderen Standort wünschen würden, um die Natur zu schützen und das Areal als Naherholungsgebiet nicht zu verlieren. Bedenken wurden auch bezüglich einer höheren Verkehrsbelastung in der Industrie- und Kitzengasse geäußert. Hier erfuhren die Anwesenden, dass die Gemeinde darüber nachdenkt, eine 30er-Zone auszuweisen. Diese könne dafür sorgen, den Schwerlastverkehr auf die Vogelherdstraße zu verdrängen.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Palm den Anwesenden für den konstruktiven Austausch und bat die Bürgerinnen und Bürger darum, Einwände und Stellungnahmen schriftlich einzureichen, damit sie im weiteren Verfahren von Gemeinderat und Planungsbüro beraten und abgewogen werden können.

Gemeinderat gibt grünes Licht

Bereits ein paar Tage vor dem Infoabend wurde im Gemeinderat über das Gewerbegebiet beraten. Für dessen Ausweisung müssen nämlich der Flächennutzungs- und Landschaftsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dies geschieht in einem zweistufigen Verfahren, bei dem zunächst Vorentwürfe und später endgültige Entwürfe erarbeitet werden. Hierzu gehören verschiedene fachliche Untersuchungen wie Bestandsvermessung, Baugrunduntersuchung, verkehrstechnische und immissionsschutzfachliche Gutachten. Auch artenschutzrechtliche und naturschutzfachliche Untersuchungen wurden bereits begonnen und sollen im Sommer abgeschlossen werden. Dem vom Büro Grosser-Seeger vorgestellten Vorentwurf billigte das Gremium einstimmig. Alle Informationen dazu befinden sich auf der Homepage der Gemeinde in der Rubrik „Planen und Bauen - laufende Bauleitplanverfahren“ und sie liegen auch öffentlich im Rathaus aus.

Info: Bis Montag, 8. Juni, können Personen Stellungnahmen elektronisch per E-Mail an bauleitplanung@leinburg.de, aber auch schriftlich oder mündlich zur Niederschrift bei der Gemeinde Leinburg (Haidelbacher Straße 3, 91227 Leinburg, Telefon 09120/187714) abgegeben werden. 

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