Kommentar

Corona in Asylunterkünften: Zeit zum Handeln

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LAUF — Die Lage in der Asylbewerber­unterkunft in der Laufer Waldluststraße hat sich entspannt, sagt das Landratsamt. Nun seien mit dem Coronavirus Infizierte und bis dato negativ Getestete getrennt untergebracht. Ein Armutszeugnis ist allerdings, dass es dafür erst eine Demo der aufgebrachten Bewohner brauchte.

Die Demonstranten fühlten sich als Menschen zweiter Klasse behandelt. Ein Vorwurf, dem man nicht widersprechen kann.

Man muss sich das nur am eigenen Leib vorstellen: Zwei Wochen Quarantäne werden zu vier Wochen, weil man auf eine gemeinsame Küche, auf gemeinsame Sanitäreinrichtungen angewiesen ist, weil die Gänge eng sind. Es gibt in der zweiten betroffenen Unterkunft in der Altdorfer Straße keinen Garten, keine Außenfläche, um Luft zu schnappen. Schlecht, wenn man sich aus dem Weg gehen muss.


Spontan demonstrierten Asylbewerber am Donnerstag in der Laufer Waldluststraße gegen ihre Unterbringung gemeinsam mit positiv auf das Coronavirus Getesteten. Foto: Sichelstiel2020/10/demo-asyl-waldluststrasse.jpg

Bekannt ist das Thema spätestens seit Juni. Damals stellten Bielefelder Forscher eine Studie vor: In 42 untersuchten Gemeinschaftsunterkünften war das Ansteckungsrisiko so hoch wie auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess. Die Forscher plädierten dafür, Asylbewerber so unterzubringen, dass sie geltende Schutzmaßnahmen auch effektiv umsetzen können.

Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Nun sind wir in schon der zweiten Welle – und müssen immer noch darüber debattieren. Wie lange noch?

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