Isabel Herttrich schafft Olympia-Quali

Isabel Herttrich aus Hersbruck wird im Badminton an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen. | Foto: Deutscher Badminton Verband2021/05/Isabel.jpg

HERSBRUCK – Für die 29-jährige Spielerin vom Badminton-Bundesligisten 1. BC Bischmisheim (Saarland) erfüllt sich ein Traum, den sie bereits als 15-Jährige in einem Aufsatz am Pauf-Pfinzing-Gymnasium Hersbruck formulierte – „an den Olympischen Spielen teilnehmen“. Das wird Isabel Herttrich in Tokio tun.

Die Qualifikation in der Mixed-Disziplin an der Seite von Partner Mark Lamsfuß ist bestätigt – ein hartes Stück Arbeit, nachdem beim olympischen Turnier in den Doppeldisziplinen nur 16 Startplätze vergeben werden; im Einzel werden 64 Teilnehmer zugelassen. Angesichts der Übermacht aus den führenden asiatischen Badmintonnationen China, Japan, Indonesien, Thailand und Indien sowie den europäischen Konkurrenten Dänemark, England, Frankreich und Russland gehört die Olympia-Teilnahme zu den größten Erfolgen von Isabel Herttrich, die in der Halle des TV Hersbruck im Jahr 2000 die ersten Schläge mit dem fünf Gramm schweren Federball machte.

Als im März 2020 aufgrund der Corona-Pandemie die Verschiebung der Olympischen Spiele auf das Jahr 2021 beschlossen wurde, war die Enttäuschung bei der 43-fachen Nationalspielerin zunächst groß. Zu diesem Zeitpunkt war das Mixed Lamsfuß/Herttrich im „Race to Tokio“ – ein von der Badminton World Federation festgelegter 12-monatiger Turnierzeitraum (ursprünglich Mai 2019 bis April 2020), in dem die Spieler international auf Punktejagd gehen – mit Platz 13 aussichtsreich gelegen. Der anfänglichen Enttäuschung wich schnell die Unsicherheit, wie es im Badminton-Zirkus weiter geht mit Training und Turnierteilnahmen. Insbesondere die Frage, wann die fünf fehlenden Turniere für die Olympia-Teilnahme nach dem Stopp im März 2020 nachgeholt werden.

Tests ohne Wert

Im Juni 2020 war Hallentraining für die Kaderspieler wieder möglich, im Oktober konnten die Denmark Open nach siebenmonatiger Pause durchgeführt werden, wobei Lamsfuß/Herttrich einen historischen Erfolg errangen. Nach einer erneuten Turnierpause im November und Dezember 2020 startete das internationale Badminton im Januar 2021 mit drei aufeinanderfolgenden Turnieren in Bangkok unter hohen Sicherheitsauflagen und strengen Hygienebestimmungen. Für das deutsche Duo waren die drei Wochen in Thailand ein hilfreicher Test zur Leistungsbestimmung im internationalen Vergleich und auch durchaus erfolgreich, allerdings waren es keine Wertungen für Tokio.

Dann gelang Isabel Herttrich im Februar EM-Bronze mit der Nationalmannschaft in Finnland, Anfang März brachte eine Viertelfinalteilnahme bei den Swiss-Open wichtige Wertungspunkte für Tokio. Einen Dämpfer erhielten die Olympia-Hoffnungen vor Beginn der French-Open Mitte März. Im gemeinsamen Trainingslager mit den Spielern aus Frankreich in Paris wurde ein Franzose positiv getestet, was zur Folge hatte, dass alle Trainingsteilnehmer vom Turnier ausgeschlossen wurden, auch Herttrich und ihr Partner – trotz eines negativen Tests.

Vier Turniere ausstehend

Die Konkurrenz konnte am Turnier teilnehmen und machte im „Race to Tokio“ Boden gut auf die beiden Deutschen. Anfang April standen immer noch vier Tokio-relevante Turniere auf dem Programm: die Individual-Europameisterschaften in Kiew, anschließend Wettkämpfe in Indien, Malaysia und Singapur.

Die Europameisterschaft entwickelte sich aus zweierlei Gründen zu einer nervlichen Zerreißprobe. Erst kassierten Lamsfuß/Herttrich eine denkbar knappe Dreisatz-Niederlage im Halbfinale gegen die späteren Europa-Meister aus Russland, und somit gab es „nur“ EM-Bronze. Dann wurde am gleichen Tag Mark Lamsfuß positiv auf Corona getestet, was zur Folge hatte, dass er und alle Personen, die mit ihm näher Kontakt hatten („close contact“), darunter auch die Hersbruckerin, vor Ort in Kiew in Quarantäne mussten. Die quälende Unsicherheit, wann man man nach Deutschland zurückreisen könnte und ob Lamsfuß, der nur leichte Symptome zeigte, rechtzeitig für die Asienturniere wieder einsatzfähig sein würde, war für alle Beteiligten eine enorme Belastung.

Noch in Kiew erreichte die beiden die Nachricht, dass Indien aufgrund der explodierenden Corona-Zahlen aus dem Tokio-Quali-Kalender herausgenommen wurde. Nach drei Tagen Quarantäne trat Herttrich die Heimreise an, ihr Partner dann eine Woche später.

Ausfall jagt Ausfall

Zurück in Deutschland traf die Mitteilung ein, dass auch Malaysia aufgrund verschärfter Quarantäne-Bestimmungen für Einreisende nicht durchgeführt werden kann. Am 12. Mai folgte die „erlösende“ Nachricht, dass auch Singapur gecancelt wurde. Das bedeutet, dass der aktuelle Stand im „Race to Tokio“ zählt: Platz 12 für Lamsfuß/Herttrich und damit die Teilnahme an den Olympischen Spielen. Eine über 13-monatige Hängepartie fand nach dem Stopp im März 2020 ein glückliches Ende.

Die Hersbruckerin hofft nun einerseits, dass die Spiele auch stattfinden, weiß andererseits aber auch, dass Tokio 2021 anders ablaufen wird als die Olympischen Spiele der letzten Jahrzehnte: Laufende Tests vor Abreise nach und während des Aufenthalts in Japan, Quarantäne für die ersten Tage vor Ort, keine oder nur wenige Zuschauer bei den Wettkämpfen, kein Besuch anderer Sportarten, kein Treffen mit anderen deutschen Olympioniken. Dennoch wird für Isabel Hertrrich ein Jugendtraum wahr, wenn auch anders als erwartet.

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