Blinder Radler mit Pilot

Die beiden Sportler mit den Sponsoren: (von links) Walter Fleischmann, Jeffrey Norris, Matthias Reitenspieß, Christian und Florian FischerFoto: Hungershausen2012/06/reitenspiess_New_1340712602.jpg

ALTDORF – Jeffrey Norris und Matthias Reitenspieß starten bei den bevorstehenden Triathlons in Roth und Erlangen zu Gunsten der Elterninitiative krebskranker Kinder Nürnberg e.V.Das Besondere daran ist, dass der Altdorfer Radsportler Matthias Reitenspieß Tandempilot für den blinden Jeffrey Norris ist. Schwimmlotse für den 52-jährigen bekannten Nürnberger Extremsportler ist Michael Dotzauer, und auf der Laufstrecke begleitet ihn Tony Gohr.

Jeffrey Norris und Reitenspieß hatten sich über einen Radsportler mit Beinprothesekennen gelernt und sind durch ihre gleichgesinnte Einstellung in Sachen Sport und Charity auf Anhieb sehr gut miteinander aus gekommen.

Jeffrey Norris hat sein Augenlicht verloren, aber dafür seine Liebe zum Ausdauersport entdeckt. Seitdem sucht er immer wieder die Herausforderung bei Ultraläufen und Mountainbikerennen. Beim Challenge in Roth tritt er nun zum zweiten Mal an.

Am vergangenen Wochenende gabs eine „Generalprobe“ am Rothsee, über 1,5 km Schwimmen, 45 km Rad und 10 km laufen. Jeffrey Norris hat bei der Generalprobe für die Langdistanz3:11 Std. benötigt.

Der Radpart mit Matthias Reitenspieß war mit 1:19 Std. auf einer für das Tandem extrem schwierigen Strecke mitviel Wind, engen Kurven und etlichen Steigungen sehr gut. „Nur am Wechsel zwischen den einzelnen Disziplinen müssen wir noch etwas arbeiten“, so Reitenspieß.

Jeffrey Norris ist immer in Bewegung – für ihn ist Extremsport kein Hobby, sondern ein neues, zweites Leben. Er ist in Texas aufgewachsen, mit zehn Jahren kam er nach Nürnberg, der Heimatstadt seiner Mutter. Dort bekam er Kontakt zur Drogenszene, schwänzte die Schule und verlor den Bezug zur Familie. Mit 19 hatte er einen schweren Motorradunfall, der ihn ein Auge kostete. Er bekam seine Sucht nicht in den Griff und wurde nach einem mehrtägigen Drogentrip brutal zusammengeschlagen. Die Kopfverletzungen waren sehr schlimm, bald darauf erblindete Jeffrey.

Aber Jeffrey Norris gab nicht auf. Er schaffte den Entzug und wurde Masseur. Und erentdeckte den Laufsport. Er startete bei zahlreichen Ultraläufen, von Göteborg bis Monaco war er unterwegs, sogar beim Arctic Ultra auf dem zugefrorenen Yukon in Kanada oder mit dem Abenteurer Hubert Schwarz in Namibia.

Das Erlebnis eines abenteuerlichen Wettkampfes an der Grenze des Menschenmöglichen, wird für ihn zu einem neuen Lebensinhalt. In der Extremsportszene ist er bald eine feste Größe.

Wenn Jeffrey nicht sportlich unterwegs ist, dann hält er häufig Vorträge an Nürnberger Schulen. „Ich erzähle den Jugendlichen, von dem Weg den ich gegangen bin, und wie ich nach der Erblindung mein Leben neu organisiert habe. Ich sage immer: Egal welche Barriere es gibt, versuche dein Potenzial zu spüren.“

Um sein Trainingspensum für Challenge Roth zu ergänzen, hat er Trainingspartner von Dr. Heiko Ziehmains, vom Institut für Sportwissenschaften an der Uni Erlangen, vermittelt bekommen.

Der Weg von Matthias Reitenspieß zum CharityCycling war zwar oft aufregend, aber bei weitem nicht so spektakulär. Er kaufte sich mit 14 sein erstes Rennrad und nahm an den Touren des Altdorfer Radfahrerclubs „MW“ (Machen wir) teil. Sein erstes Rennen fuhr er bei der RV Union 1886 Nürnberg. Zahlreiche Rennerfolge in ganz Deutschland können auf seiner homepage nachgelesen werden. Seit einiger Zeitkonzentriert sich Matthias Reitenspieß auf die Arbeit mit Kindern im Radsport. Er möchte versuchen, die Ausbildung, die er von seinen Mentoren – seinen Eltern, Rudi Arzberger, Eberhard Tzscheuschner und Manfred Wolf – genossen hat, an die Jüngsten weiter zu geben.

Matthias Reitenspieß hat sein sportliches Leben seit dem 24. Juni 2007 zum größten Teil dem Charity Charakter gewidmet. Beeinflusst hat ihn dabei der Tod von Eberhard Tzscheuschner (Präsident des RadlExpress) im Januar 2007.

Matthias lief zusammen mit seiner Staffel beim Challenge in Roth zu Ehren von Eberhard ins Ziel. Ein eigens dafür angefertigtes Zieleinlaufshirt unterstrich diese Aktion und war gleichzeitig zumindest in seinen Gedanken die Geburtsstunde von CharityCycling.

Um Mittel für einen guten Zweck zusammenzubringen, ist nicht nur eine gute sportliche Leistung wichtig, sondern es werden vor allem Sponsoren gebraucht, die das Team und das Projekt unterstützen.

In Altdorf helfen beim derzeitigen Projekt die Firmen „Fischer GmbH“ und „Der Ofenladen Fischer“. Auto Fleischmann stellt dem sportlichen Team ein Fahrzeug zur Verfügung, in das auch das große Tandem verladen werden kann. Ob es in Roth klappt? Jeffrey ist zuversichtlich: „Meine Stärke ist eigentlich, dass ich meine Ziele umsetze. Mir geht es darum, zu zeigen, dass auch eine scheinbar ganz schwere Sache möglich ist“.

Wer Jeffrey Norris und Matthias Reitenspieß kennenlernen möchte, hat auch beim Wallensteinhalbmarathon in Altdorf Gelegenheit. Da wollen beide starten.

Wer das CharityProjekt zugunsten der „Elterninitiative krebskranker Kinder“ unterstützen möchte, kann über die E-Mailadresse [email protected] Kontakt aufnehmen und über www.CharityCycling.de weitere Informationen erhalten.

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