Die Folgen der Pandemie

„Von der Krise sind alle Branchen betroffen“

Sieglinde Mahnel (links) leitet die Laufer Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit. | Foto: Beck2020/05/Sieglinde-Mahnel-Leiterin-Agentur-fur-Arbeit-Lauf-300420-Beck.jpg

LAUF — Mit der Entscheidung für den Corona-Lockdown war eines klar: Die Konsequenzen des Stillstands für Wirtschaft und Arbeitsmarkt werden immens sein. Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit bestätigt die Befürchtungen. Rekordzahlen in den Bereichen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit und ein Rückgang der Stellenausschreibungen sind laut der Agentur direkte Folgen. Im Nürnberger Land sind aktuell 2742 Menschen (Quote: 2,9 Prozent) arbeitslos. Kurzarbeit hat jeder dritte Betrieb angemeldet. Sieglinde Mahnel, Geschäftsstellenleiterin der Agentur für Arbeit in Lauf, ordnet die neuen Zahlen im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung ein.

Frau Mahnel, haben Sie gehofft, dass die Betriebe des Nürnberger Lands die Krise locker wegstecken?
Nein, bereits seit Mitte März habe ich befürchtet, dass die Region sehr unter den Maßnahmen leiden wird, vor allem weil besonders betroffene Branchen wie die Gastronomie, der Handel und das verarbeitende Gewerbe, zum Beispiel Autozulieferer, im Nürnberger Land stark vertreten sind. Im Vergleich zu anderen Regionen ist die Arbeitslosenquote von 2,9 Prozent recht niedrig, doch für die Menschen, die nun plötzlich ihren Arbeitsplatz verloren haben, ist das ein schwerer Schicksalsschlag.

Betroffen sind unter anderem Kellner, Händler und Handwerker. Wie versucht die Agentur, ihnen zu helfen?
Zu Beginn der Krise hat der Agenturbezirk Nürnberg eine Hotline mit 165 Mitarbeitern eingerichtet, die alle Fragen beantworten, die Arbeitnehmern und -gebern auf den Nägeln brennen. Mit den Arbeitslosen wird als erstes ihre finanzielle Absicherung geregelt. Außerdem stellen viele Bildungsträger ihr Angebot auf Webinare und ähnliches um. Damit kann mit Unterstützung der Agentur digitale Fortbildung ermöglicht und der Wechsel in Branchen gefördert werden, die trotz der Krise wachsen. Dazu zählen zum Beispiel IT-Firmen und das Gesundheitswesen.

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Sie arbeiten seit 42 Jahren für die Agentur für Arbeit, haben Sie eine ähnliche Situation schon einmal erlebt?
Nein, zur Zeit der Wirtschaftskrise 2009 gab es auch einen Anstieg von Arbeitslosen und Kurzarbeit, aber der war nicht mit der jetzigen Situation vergleichbar. Damals traf es vor allem die Industriefirmen wie Autozulieferer, also das verarbeitende Gewerbe. Von der Coronakrise sind leider alle Branchen betroffen.

Die Region hat die Wirtschaftskrise recht gut weg gesteckt, vor allem durch Konjunkturprogramme. Kann auch die Coronakrise schnell überwunden werden?
Wenn noch diesen Sommer alle Betriebe wieder aufmachen dürfen und Investitionen gefördert werden, erholen sich die Branchen schnell. Doch damit rechnet wohl keiner, also werden wir das Jahr 2020 wahrscheinlich mit einer gestiegenen Arbeitslosenzahl abschließen. Die Kurzarbeit verhindert Schlimmeres.

Jeder dritte Betrieb im Nürnberger Land hat inzwischen Kurzarbeit angemeldet.
Wie viele Arbeitnehmer das direkt betrifft, wird erst in den kommenden Monaten klar. Um die Flut an Anträgen zu bewältigen, sind zurzeit 200 Mitarbeiter mit der Prüfung beschäftigt. Vor Corona waren es 21 Mitarbeiter. Die große Anzahl der Anträge zeigt aber, dass die Betriebe im Nürnberger Land an ihren Angestellten festhalten, statt Stellen zu streichen.

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