Serum fehlt: Im Landkreis könnten deutlich mehr Menschen geimpft werden

Nur 200 Dosen am Tag

Ilse Nestler aus Schwarzenbruck ist mit ihren 92 Jahren eine der ältesten Patientinnen von Dr. Claudia Aschenbrenner im Röthenbacher Impfzentrum. Fotos: Alex Blinten | Foto: Blinten2021/01/Scharzenbruck-Nestler-1-scaled.jpg

RÖTHENBACH / SCHWARZENBRUCK – Samstagnachmittag, 14.30 Uhr. Auf dem Parkplatz vor dem Impfzentrum in der Sulzbacher Straße 47 in Röthenbach stehen drei Pkw und der Kleinbus der Gemeinde Schwarzenbruck. Ein Security-Mann und ein Mitarbeiter der Malteser unterhalten sich am Eingang. Ruhig geht es zu, als Ilse Nestler aus Schwarzenbruck in Begleitung von Jenny Nyenhuis eintrifft.

Eigentlich hatte die 92-Jährige sich in ihren Opel Vectra setzen und selbst von Schwarzenbruck aus zum Impftermin nach Röthenbach fahren wollen. Bekannte haben sie aber gewarnt: „Und was machst du, wenn dir nach der Impfung schwindlig wird?“ Deshalb hat Ilse Nestler es sich anders überlegt und bei der Schwarzenbrucker Seniorenbeauftragten Edeltraud Meyer nachgefragt, ob die denn eine Idee habe, wer sie verlässlich nach Röthenbach chauffieren könnte. Edeltraud Meyer hat der Seniorin den Tipp gegeben, sich an Jenny Nyenhuis von der Nachbarschaftshilfe zu wenden.

Jetzt stehen die beiden vor der Tür der ehemaligen Gewerbehalle in Röthenbach, die die Malteser im Auftrag des Landkreises in ein medizinisches Zentrum umfunktioniert haben.

Als die Schwarzenbrucker Seniorin zur Anamnese gebeten wird, telefoniert Herbert Zinßler in einem benachbarten Büro. Der Verwaltungsleiter des Impfzentrums hält den Kontakt zu seinen drei Impfteams, die im Landkreis unterwegs sind. Seit Anfang Dezember ist Zinßler im Dauerstress und Dauereinsatz. Sieben Tage die Woche. Er hofft, dass er an diesem Sonntag endlich einen freien Tag bekommt. Sicher ist das jetzt, am Samstagnachmittag um 14.30 Uhr, aber noch nicht.

Schwierige Planungen

Dabei geht es doch eigentlich ganz gemächlich zu im Impfzentrum, kein großer Andrang, die Abläufe sind hervorragend organisiert, die Zeitpläne exakt aufeinander abgestimmt. Zinßler hat nach seinen Telefonaten kurz Zeit für ein Gespräch. Tatsächlich klappt die Organisation im Impfzentrum sehr gut, sagt er, die Planungen sind aber sehr schwierig. „Weil wir immer nur sehr kurzfristig erfahren, wieviel Impfstoff wir erhalten“, beklagt der Verwaltungschef, räumt aber ein, dass auch die zentralen Zuteiler wegen der Impfstoffknappheit keine längerfristigen Planungen haben.

Angeliefert wird das Biontech-Se-rum zweimal in der Woche aus einem zentralen Tiefkühlzentrum und muss dann nach Ankunft innerhalb von 120 Stunden verabreicht werden. Das Impfmittel von Moderna kommt im Landkreis noch nicht zum Einsatz.

Derzeit verimpfen die Ärzte im Impfzentrum in Röthenbach täglich rund 50 Dosen, mal ein wenig mehr, mal ein bisschen weniger. Am Samstag sind es genau 47 Patienten, die in Röthenbach geimpft werden. Die mobilen Teams sind mit weiteren jeweils 50 Impfdosen unterwegs. 200 Menschen haben also allein am Samstag im Landkreis ihre erste Impfung erhalten.

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Wie Ilse Nestler, die nach ihrer Anamnese in das Behandlungszimmer geht, in dem Dr. Claudia Aschenbrenner aus Velden bereits mit der Spritze wartet. „Wie geht es Ihnen?“ fragt die Medizinerin, tupft die Impfstelle ab, piekst, und schon ist alles erledigt. Eine Minute dauert das. 15 Minuten muss die Seniorin dann in einem Nebenraum warten und plaudert mit Jenny Nyenhuis. Wie fühlt sie sich nach dem Pieks? „Mir geht es gut“, sagt die Seniorin, nimmt ihre Handtasche und sucht nach Unterlagen, die sie gleich für ihre Abmeldung braucht. Eine Mitarbeiterin der Malteser, die das Impfzentrum betreiben, hat Ilse Nestlers Daten bereit und gibt ihr den Termin für ihre 2. Impfung im Februar. Im Bus wartet schon Jenny Nyenhuis‘ Mann Karl, der bei der Nachbarschaftshilfe als Chauffeur einspringt. Klar, wenn Ilse Nestler im Februar den zweiten Impftermin hat, fährt er wieder. Schon eine ganze Reihe Menschen haben im Nürnberger Land zwei Impfungen erhalten, Herbert Zinßler hat am Samstag aber die exakten Zahlen nicht parat. Nur soviel: Rund 3000 Impfungen sind seit dem 27. Dezember im Landkreis durchgeführt worden. Zunächst nur von mobilen Teams in Alten- und Pflegeheimen, seit dem 8. Januar dann auch im Röthenbacher Impfzentrum. „Wir könnten aber deutlich mehr Menschen impfen, wenn wir genügend Impfstoff hätten“, sagt Zinßler.

Auch was die Anmeldung und Planung der Termine angeht, gibt es noch Verbesserungsbedarf. Wie aber sollen die Malteser verlässlich planen und Termine vergeben, wenn die zugeteilten Mengen an Impfdosen ständig schwanken? gibt Zinßler zu bedenken. Es ist schon vorgekommen, dass Leute heimgeschickt werden mussten, obwohl sie einen festen Impftermin hatten. Als sie an der Reihe waren, hatten die Ärzte bereits alle zur Verfügung stehenden Dosen verimpft. Wenn die Produktionskapazitäten bei den Impfstoffherstellern nicht schnell ausgeweitet werden, sieht Zinßler ein Problem. Rund 200 Menschen können im Nürnberger Land bei der aktuellen Impfstoffzuteilung täglich geimpft werden. Bis zum Samstag waren aber auf der Anmeldeseite des Freistaats für das Impfzentrum in Röthenbach laut Zinßler 12 000 Menschen in der Warteschlange.

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