Podiumsdiskussion in der Südschule

Schwaiger Kandidaten auf dem Prüfstand

Die Moderatoren Hans Zeller und Ina Rösner von der lokalen Agenda-21-Gruppe befragten in der Aula der Südschule die Schwaiger Bürgermeisterkandidaten Petra Oberhäuser (49 Jahre, CSU), Claudia Hälter (51, SPD/Grüne) und Thomas Wittmann (43, Freie Wähler). | Foto: Buchner-Freiberger2020/02/podiumsdiskussion-schwaig-kandidaten-moderatoren.jpg

Schwaig – Das Rennen um den Schwai­ger Bürgermeistersessel ist spannend wie selten: Amtsinhaberin Ruth Thurner geht nach 14 Jahren in den Ruhestand. Ihre drei potenziellen Nachfolger, Claudia Hälter (SPD/Grüne), Petra Oberhäuser (CSU) und Thomas Wittmann (FW), stellten sich in der proppenvollen Aula der Südschule den Fragen der Agenda 21 und der Besucher. Einen klaren Favoriten gab es auch nach fast drei Stunden nicht.

Die Themengebiete, aber keine konkreten Fragen haben die Organisatoren von der örtlichen Agenda 21 den Kandidaten im Vorfeld übermittelt. Nicht nur vor diesem Hintergrund schlagen sich alle drei Bewerber wacker, haben Zahlen und Hintergrundwissen parat und machen eigene Vorschläge. Weit auseinander liegen sie in ihren maximal zweiminütigen Antworten allerdings nicht – im Gegenteil.

Die Moderatoren Hans Zeller und Ina Rösner konfrontieren die Kandidaten auf dem Podium in einer ersten Runde mit Fragen rund um Wohnen, Verkehr, Klimaschutz, Lärm und Kinderbetreuung. Wie man die Verkehrssituation in Schwaig entzerren könne, will Ina Rösner wissen („Ab morgens um sieben sind die Straßen verstopft“).

Claudia Hälter, die anders als ihre beiden Konkurrenten bisher nicht im Gemeinderat sitzt, plädiert für eine Ausweitung des ÖPNV, kürzere Taktungen, Fahrradabstellplätze und eventuell eine Aufstockung des P&R-Parkplatzes am S-Bahnhof. Petra Oberhäuser, Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat, möchte einen Carsharing-Anbieter in die Gemeinde holen oder über eine Internet-Plattform die Möglichkeit für Fahrgemeinschaften schaffen. Thomas Wittmann, Zweiter Bürgermeister und Schwaiger Feuerwehrkommandant, hebt die Bedeutung des Ortsbusses hervor, der zeitlich hervorragend an die S-Bahn und die „rechte“ Bahnlinie angebunden sei. Allerdings müsse man überlegen, diesen mittelfristig auf Elektro- oder Wasserstoffantrieb umzustellen.

Was tun gegen Fluglärm?

Gegen das eigentliche Problem, nämlich die Lage von Schwaig und Behringersdorf an Staats- und Bundesstraße beziehungsweise an der Autobahn, könne man freilich nichts tun, räumen die drei ein. Wenig Einfluss habe man auch auf den Fluglärm. Die Gemeinde fechte als Mitglied der Flug­lärmkommission quasi einen Kampf „David gegen Goliath(s)“ aus und stimme regelmäßig für ein Nachtflugverbot – ohne Erfolg. Es könne nicht sein, betont Thomas Wittmann, dass die sogenannte „Bonusliste“, auf der Flugzeugtypen aufgelistet sind, die nachts starten und landen dürfen, seit 1994 nicht verändert worden sei. Hier müsse man Druck über die Landes- und Bundespolitiker machen.

Förderprogramme ausweiten

Beim Thema Energie schlägt Claudia Hälter vor, einen Rathaus-Mitarbeiter zum „Energiefachwirt“ auszubilden und regelmäßige Coachings mit externen Fachleuten anzubieten. Thomas Wittmann möchte das Energieeinsparprogramm der Gemeinde, mit dem bisher lediglich der Einbau von neuen Heizungspumpen finanziell gefördert wird, ausweiten auf Solaranlagen, häusliche E-Ladestationen oder Zisternen. Petra Oberhäuser verweist auf die energetisch sanierten 120 gemeindlichen Wohnungen sowie auf bestehende Photovoltaikanlagen oder die neue Hackschnitzelheizung im Bad „Pegnitzaue“. Aktuell werde auf Antrag der Grünen-Fraktion zudem geprüft, ob weitere Dächer von Gemeinde-Gebäuden für Photovoltaikanlagen infrage kommen.

Erzieher fehlen

Schwer tun sich alle drei mit dem brennenden Problem der Kinderbetreuung, das auch in der Fragerunde mit dem Publikum großen Raum einnimmt. Fast 40 Kindergartenplätze, so heißt es, fehlen in Schwaig ab September. Die Raumfrage lasse sich durch die Nutzung von leeren Immobilien vielleicht noch kurzfristig lösen, meinen die Kandidaten. Schon länger sind deshalb beispielsweise im Fachmarktzentrum Kinder untergebracht. Hauptproblem sei aber das fehlende Personal. Der Markt sei leer gefegt. Die Gemeinde müsse eventuell stärker als bisher versuchen, sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren, meint Thomas Wittmann (43). Claudia Hälter (51) plädiert für den Einsatz von Tagesmüttern.

Definitiv weiterhin werde es die Ganztagsklasse geben, betont Petra Oberhäuser (49) auf Nachfrage einer Mutter energisch. Sie verweist auf das Beispiel der Nürnberger Michael-Ende-Schule, wo das Problem der fehlenden Ferienbetreuung, das auch in Schwaig besteht, gut gelöst wurde. Eine Betreuung der Kinder im Rahmen des Ferienprogramms, wie sie Claudia Hälter ins Spiel bringt, hält Thomas Wittmann für unrealistisch. Das könnten die Vereine nicht leisten.

Über 350 Besucher

Auch die Senioren und in diesem Zusammenhang Barrierefreiheit und Wohnraum sind an diesem Abend, an dem sich mehr als 350 Besucher in der Aula drängen, Themen. Hälter und Oberhäuser plädieren für einen hauptamtlichen Seniorenbeauftragten im Rathaus. Die CSU-Frau kann sich ein Konzept „Wohnen gegen Hilfe“ vorstellen, bei dem Senioren mit großen Häusern Zimmer vermieten. Claudia Hälter, SPD-Ortsvereinsvorsitzende, die auch von den Grünen unterstützt wird, ist froh über die geförderten Wohnungen, die auf dem Nordschul­areal entstehen. Anders als ihre beiden Mitbewerber lehnt sie ein größeres Mehrgenerationen-Wohnprojekt in der Schwaiger Mitte aber ab. FW-Vertreter Wittmann spricht den geplanten barrierefreien Ausbau des Rathauses samt Aufzug an.

Noch viele weitere Themen (Orts­entwicklungskonzept, Jugend oder die geplante Schießanlage der Polizei) werden „abgearbeitet“, die – durchaus interessanten – knapp drei Stunden verlangen Kandidaten und Publikum einiges ab. Bleibt am Ende die Frage einer Besucherin nach dem Profil der einzelnen Bewerber, wofür sie konkret stehen. Für Bürgernähe und Jugend, sagt Oberhäuser. Nachhaltigkeit und Klimaschutz reklamiert Claudia Hälter für sich. Generationenübergreifende Projekte, einen Neubürgertag und Aktionen fürs Hallenbad will Thomas Wittmann als Bürgermeister einführen. Es wird spannend in Schwaig.

N-Land Stefanie Buchner-Freiberger
Stefanie Buchner-Freiberger