Haushaltsberatungen

Schnaittach schlachtet das Sparschwein

Eine neue Schulturnhalle ist teuer, das weiß auch Bürgermeister Frank Pitterlein (rechts, bei einer Stippvisite auf der Baustelle). Die Kosten betragen in diesem Jahr noch rund 1,4 Millionen Euro. | Foto: Schuster2020/02/Turnhalle-Grundschule-Schnaittach-Januar-2020-us.jpg

SCHNAITTACH — Vier Jahre in Folge ohne Neuverschuldung. Für Schnaittach ist das schon eine Nachricht. „Markt Schnaittach muss weiter haushalten“ titelte diese Zeitung bei der Verabschiedung des Haushalts im Januar 2016, dem bisher letzten mit Kreditaufnahme. „Wenn wir unseren Kindern nicht nur Schulden hinterlassen wollen, müssen wir jeden Cent umdrehen“, mahnte damals SPD-Fraktionssprecher Ulrich Weber.

Seitdem ist viel passiert, die Finanzlage im Markt hat sich merklich entspannt. So kann es sich die Kommune leisten, für dieses Jahr 5,3 Millionen Euro für Investitionen einzuplanen, ohne auf Fremdmittel zurückzugreifen, wie Kämmerin Marion Karg bei der Haushaltsverabschiedung am Donnerstagabend betonte. Statt dessen bedient sich Schnaittach an den Rücklagen, also sozusagen dem Sparschwein der Kommune. 2,28 Millionen Euro werden entnommen, rund 1,3 Millionen Euro bleiben übrig.

Über eineinhalb Millionen Euro fließen allein in den Bereich Schulen. Die neue Turnhalle der Grundschule wird in diesem Jahr fertig gestellt, dafür sind 1,4 Millionen Euro veranschlagt. Die Mittelschule erhält für 90.000 Euro neue Fenster.

Viel Geld für schnelles Netz

Auch den Breitbandausbau treibt Schnaittach voran, dafür sind rund 1,1 Millionen Euro eingeplant. Das „Siechenhaus“ an der Nürnberger Straße, in dem Obdachlose untergebracht werden sollen, wird für 440.000 Euro saniert.

300.000 Euro Planungskosten stehen für einen neuen Kindergarten zur Verfügung. Der Markt hat ein Grundstück in Aussicht, da der Bedarf weiter steigt.

Für den Bereich Bau- und Wohnungswesen stehen rund 929.000 Euro zur Verfügung, davon ein knappes Drittel für Straßen. Die Haidlinger Straße in Osternohe wird im Zug des Dorfentwicklungskonzepts erneuert. Die gesamte Maßnahme des Amts für ländliche Entwicklung in Ansbach kostet über zwei Millionen Euro, der Markt plant dafür heuer 200.000 Euro ein.

Für einen neuen Radweg zwischen Kleinbellhofen und dem Kernort stehen weitere 195.000 Euro zur Verfügung. 541.000 Euro fließen in den Abwasserbereich, das meiste davon in den Kanalbau. So viel Geld nimmt Schnaittach selten in die Hand, zusammen mit der Tilgung von knapp 730.000 Euro Schulden ergibt sich ein Vermögenshaushalt von etwas über sechs Millionen Euro.

Bei den Einnahmen machen die Zuweisungen und Zuschüsse, etwa für die Turnhalle und den Breitbandausbau, knapp 1,8 Millionen Euro aus.

Verwaltungshaushalt wächst weiter

Der Verwaltungshaushalt steigt zum elften Mal in Folge. In den 19 Millionen Euro, einem neuen Rekord, stecken die laufenden Kosten, ein Zehntel davon fließt aber auch als Zuführung in den Vermögenshaushalt. Insgesamt ergibt sich ein Haushaltsvolumen von 25 Millionen Euro, auch das ist ein neuer Rekord.

Größter Posten bei den Ausgaben ist die Kreisumlage, die aufgrund der höheren Umlagekraft des Marktes um 600.000 Euro auf knapp 4,4 Millionen Euro steigt. Der Landkreis nimmt kein Geld über Steuern ein, durch die Kreisumlage bedient er sich bei den Kommunen.

Gestiegen sind auch die Personalausgaben, die 3,3 Millionen Euro betragen. Der Markt muss über 3,2 Millionen Euro an Zuweisungen und Zuschüssen bezahlen, etwa an Kindergartenträger.

Bezahlt wird das durch gestiegene Steuereinnahmen, die den Löwenanteil des Verwaltungshaushalts ausmachen. 12,3 Millionen Euro erhält der Markt von seinen Bürgern und den heimischen Betrieben. Etwa 5,5 Millionen Euro landen als Anteil an der Einkommenssteuer im Geldbeutel der Kommune, rund 3,3 Millionen Euro sind es bei der Gewerbesteuer, jeweils etwas mehr als im Vorjahr.

Die Schlüsselzuweisungen sind hingegen auf etwa 1,7 Millionen Euro gesunken. Den Betrag erhalten Kommunen vom Freistaat als Finanzspritze, er richtet sich nach der Steuerkraft. Nachdem diese gestiegen ist, geht der Betrag heuer um fast 300 000 Euro zurück.

So richtig zufrieden wollten die SPD und die Bunte Liste bei der Verabschiedung des Haushalts nicht sein. Während sich Bürgermeister Frank Pitterlein (CSU) und der Fraktionssprecher seiner Partei, Johannes Merkel, über den ausgeglichenen Haushalt freuten, hatte Ulrich Weber diesmal gerade daran etwas auszusetzen (siehe Stimmen zum Haushalt rechts).

Und so zögerte sich die Verabschiedung des Zahlenwerks um wenigen Minuten hinaus, weil sich die SPD-Fraktion noch beraten wollte. Letztlich stimmten aber alle Marktgemeinderäte dem letzten Haushalt dieser Wahlperiode zu.

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