Elternbeirat beschwert sich in offenem Brief

Kritik am „Stillstand der Baumaßnahmen“ am Gymnasium Röthenbach

Das Gymnasium Röthenbach wird abgerissen und an gleicher Stelle neu errichtet. Dem Elternbeirat geht es nicht schnell genug. Er hat sich in einem offenen Brief an das Landratsamt gewandt (Archivfoto). | Foto: Kirchmayer2021/11/Gymnasium-Rothenbach-September-2020-kir-scaled.jpg

Röthenbach – Lange hat der Kreistag über eine Sanierung des Röthenbacher Gymnasiums nachgedacht, vor rund einem Jahr fiel stattdessen die Entscheidung für einen Abriss und Neubau (wir berichteten). Seitdem ist aus Sicht des Elternbeirats wenig passiert – viel zu wenig. Nun hat er sich in einem geharnischten offenen Brief an den Leiter der Abteilung 5 Finanzen und Liegenschaften des Landratsamts, Werner Rapp, und Landrat Armin Kroder gewandt.


Die Kritik ist vielfältig. Es seien „einige Monate ohne weitere Umbau- beziehungsweise Rückbaumaßnahmen am Geschwister- Scholl-Gymnasium Röthenbach vergangen“, es habe „keinerlei Auskunft des Landratsamts Nürnberger Land gegenüber der Schulgemeinschaft des GSG“ gegeben. Daher bitte man um eine zeitnahe Stellungnahme des Landratsamtes zu den geplanten Erneuerungsmaßnahmen.


„Die Nichtinformation sowie der absolute Stillstand der Baumaßnahmen erwecken den Eindruck, dass das Landratsamt diese so dringende und wichtige Schulerneuerung des Geschwister-Scholl-Gymnasiums hintanstellt und nicht die notwendige behördliche Aufmerksamkeit aufgebracht wird“, schreibt der Elternbeirat in dem Brief, der der Pegnitz-Zeitung vorliegt.


„Situation sehr unbefriedigend“


„Die Situation in der Schule ist für Schüler/innen, Lehrer/innen und Eltern des GSGs durch den Bau einerseits und durch die Vermischung von unterschiedlichsten Einrichtungen andererseits sehr unbefriedigend. Aufgrund der geänderten Baumaßnahmen (statt Umbau jetzt Rück- und Neubau) müssen nun schon seit Längerem und auf absehbare Zukunft viele verschiedene Kompromisse eingegangen werden. Deren Dauer sollte unbedingt so kurz wie möglich gehalten werden.“


Die mittlerweile bezogenen Container seien für die derzeitige Schülerschaft gerade ausreichend, würden aber in wenigen Jahren unter Beachtung des G9 nicht mehr genügend Platz für alle Schüler bieten. Auch aus diesem Grund sollte mit den Rück- und Neubaumaßnahmen unverzüglich begonnen werden.


Die MINT-Container hätten nach den Sommerferien 2021 aufgestellt und in den ersten Schulwochen bezogen werden sollen, heißt es in dem Schreiben. „Bis heute ist dies nicht geschehen. Vielmehr erfuhr der Elternbeirat am 23. Oktober durch ein Inserat des Landratsamtes in der Lokalzeitung, dass das Bauvorhaben der Schulcontaineranlage für die Fachklassen nunmehr erst öffentlich ausgeschrieben wird, mit geplanter Bauausführung Ende März/April 2022. Ein weiterer Verzug um über ein halbes Jahr.“


Zudem stehe auch eine Entscheidung bezüglich der benötigten Raumluftfilter für die Klassenzimmer aus. In den Containern des GSG gebe es keine Luftfilteranlagen.


Was passiert mit der Turnhalle?


Kritik gibt es auch an der unklaren Situation der Sportstätten. So will der Elternbeirat erfahren, ob und wann ein Neubau der Schwimmhalle kommt. Die Turnhalle befinde sich baulich in einem nachweislich schlechten Zustand. „Das Dach ist so undicht, dass bei Regen Eimer zum Wasserauffangen aufgestellt werden müssen und bereits Pflanzen in den Zwischenwänden wachsen.“


Der Elternbeirat formuliert abschließend folgende sechs Fragen, die das Landratsamt beantworten soll.
– „Wann erfolgt der Rückbau des alten Klassentrakts beziehungsweise welche Hinderungsgründe gibt es für die Verzögerung?
– Warum wurden die MINT-Container nicht nach den Sommerferien aufgestellt, sondern erst Ende Oktober öffentlich ausgeschrieben?
– Wie ist der detaillierte Zeitplan für den Neubau des Klassentrakts?
– Wie wird berücksichtigt, dass in naher Zukunft die Raumkapazitäten der Container ausgeschöpft sein werden? – – – Wann wird eine Entscheidung bezüglich der benötigten Luftfilteranlagen getroffen?
– Wie ist der Stand hinsichtlich der Neubaumaßnahmen der Turn- und Schwimmhalle? Stehen hierfür ausreichend Fördermittel des Landratsamtes zur Verfügung?


Neubau statt Sanierung


Zuletzt hatte sich die Kreispolitik im Herbst 2020 mit dem Thema befasst. Kreisausschuss, Bauausschuss und Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur hatten in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, dass das Gymnasium nicht saniert, sondern für rund 30 Millionen Euro neu gebaut werden soll. Das war auch im Interesse der Schulleitung.


Seinerzeit hatte der für die Kreisgebäude zuständige Werner Rapp die Hoffnung ausgedrückt, dass die Vergabe an eine Baufirma noch Ende 2020 abgeschlossen werden kann und im Frühjahr 2022 mit den Arbeiten begonnen werden kann. Spezielle Container für die naturwissenschaftlichen Fächer (sogenannte MINT-Fächer) hätten demnach bereits bis zum Frühjahr 2021 zur Verfügung gestellt werden sollen.


Heizung beschäftigt Behörde


Das Landratsamt äußerte sich gestern auf Nachfrage der Pegnitz-Zeitung zum Stand der Dinge. Das Landratsamt und die Stadt Röthenbach seien aktuell am Überlegen, wie man in Sachen Blockheizkraftwerk weiter verfährt. Dieses steht im Keller der Schule, heizt aber nicht nur sie, sondern das gesamte Viertel, so Behördensprecherin Iris Bitzigeio. Es soll erhalten bleiben.


„Den Punkt muss man klären und dann geht es mit den Planungen weiter“, so die Sprecherin. Das Landratsamt will für eine Antwort an den Elternbeirat darauf warten, dass Werner Rapp kommende Woche aus dem Urlaub zurückkehrt.

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