Für rund 30 Millionen Euro

Gymnasium Röthenbach: Abriss und Neubau

Schon jetzt sind die meisten Klassenzimmer verwaist, die Schüler werden in Containern am anderen Ende des Pausenhofs unterrichtet. Bis zum Schuljahr 2024/2025 soll hier ein neues Gebäude stehen. | Foto: Kirchmayer2020/10/Gymnasium-Rothenbach-September-2020-kir.jpg

RÖTHENBACH – Die Röthenbacher Gymnasiasten bekommen eine nagelneue Bildungsanstalt. Kreisausschuss, Bauausschuss und Ausschuss für Bildung, Sport und Kultur des Landkreises Nürnberger Land haben sich am Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung einstimmig für einen Neubau des Geschwister-Scholl-Gymnasiums ausgesprochen.

Dabei war 2017 eine Sanierung des Gebäudes aus den 1970er Jahren beschlossen worden, sie hätte 2019 beginnen sollen und verzögerte sich nur wegen eines Fehlers im Vergabeverfahren (wir berichteten). Doch währenddessen zeichnete sich ab, dass sich die Kosten drastisch erhöhen würden: Von ursprünglich geplanten 14 Millionen Euro auf 25,5 Millionen Euro. Ein Grund: Zwischenzeitlich wurde die Rückkehr zum G9 beschlossen, die Schule braucht für zusätzliche Klassen also deutlich mehr Platz als zunächst eingeplant.

Der Neubau wird mit 30 Millionen Euro taxiert. Trotz der Differenz von rund fünf Millionen Euro ist der Unterschied zur Sanierung nicht mehr so drastisch wie vorher, sodass auch für einen Neubau Fördergelder fließen, wie mit der Regierung von Mittelfranken abgeklärt ist, wie Kreiskämmerer Werner Rapp bestätigte.

Drastische Kostensteigerung

Aufgrund der drastischen Kostensteigerung wäre es rechtlich auch bei einer Sanierung unvermeidbar gewesen, dass der Kreis die Architektenleistung neu ausschreibt, was wiederum Zeit kostet. Die Pläne, die das Ende Mai 2019 beauftragte Architekturbüro Dömges aus Regensburg in der Sitzung im Schnaittacher Badsaal vorstellte, waren also eh wieder vom Tisch.

Schulleiter Clemens Bertholt betonte in der Sitzung am Mittwoch und im Gespräch mit dieser Zeitung, der Entschluss der Kreisgremien sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen. „Bei einem Neubau kann man das Konzept, das die Schule ausgearbeitet hat, genau so umsetzen“ – anders als bei einer Sanierung.

„Cluster“ als neuer Standard

Denn die Art und Weise der Lehre hat sich seit den 1970er Jahren grundlegend geändert. Das Bestandsgebäude bezeichnet Berthold als „Flurschule“ mit langgezogenen Gängen, an denen sich die Klassenzimmer aneinanderreihen. Dabei ist der heutige Standard das sogenannte „Cluster“, also eine räumliche Schwerpunktsetzung nach Jahrgangsstufen und/oder Fachbereichen wie Sprachen und Naturwissenschaften. Ein Neubau biete „viel mehr Möglichkeiten“, so Berthold, auch wenn es weiterhin Klassenzimmer geben soll. Egal, welcher Architekt die neue europaweite Ausschreibung gewinnt, er wird sich mit dem Lehrerkollegium zusammensetzen und das neue Gebäude gemeinsam planen.

Vorteil eines Neubaus

Ein weiterer Vorteil, den Berthold anspricht, der aber auch in der Sitzung am Mittwoch genannt wurde: Sollte es mehr Platzbedarf geben, bietet ein Neubau Erweiterungsmöglichkeiten. Zwar waren die Schülerzahlen rückläufig, auch wegen der geplanten Sanierung und Containerlösung hatten sich viele Viertklässler für andere Gymnasien entschieden. Doch die Prognosen lassen erwarten, dass die Schülerzahlen wieder steigen werden, so der Schulleiter.

Probleme beim Zeitplan

Bis die nagelneue Bildungsanstalt bezogen werden kann, wird aber noch viel Wasser die Pegnitz herunterfließen. Die neue Ausschreibung werfe den Zeitplan „drei Monate nach hinten“, so Kreiskämmerer Werner Rapp. „Wir hoffen, dass wir die Vergabe in 2020 abschließen können“. Die räumliche Planung könnte im kommenden Jahr stehen und an die Regierung von Mittelfranken gehen. Dann muss die Bauleistung ausgeschrieben werden. Beginn der Arbeiten könnte im Frühjahr 2022 sein. Die Bauzeit dürfte zwei bis drei Jahre betragen. Parallel soll 2021 eine Schadstoffsanierung des Klassentrakts erfolgen, was vor dem Abbruch nötig ist, so Rapp. „Man kann da nicht einfach mit der Abrissbirne kommen.“

Bezugsfertig könnte das Gymnasium zum Schuljahresbeginn 2024/2025 sein – „wenn alles optimal läuft“, wie Rapp betont. Für Berthold und das Lehrerkollegium käme das gerade recht. Denn die Schule, Anfang der 1970er zunächst eine Filiale des Laufer Gymnasiums, ist seit 1974/1975 eigenständig, der Neubau stünde also genau zum 50-jährigen Bestehen bereit. Da könnte man „zwei Parties zusammenlegen“, scherzt Berthold. Auch durch die Rückkehr zum G9 sei es nötig, dass der Neubau bis dahin fertig ist.

Besser lüften in Containern

Dass er und seine Kollegen nun jahrelang in Containern unterrichten müssen, ist für den 49-Jährigen halb so wild. Aufgrund der Pandemie sei es sowieso von Vorteil, dass man in den „Ersatzklassenzimmern“, wie er sie nennt, die Fenster komplett öffnen kann. Im Bau aus den 70ern kann nur gekippt werden, einige der Fenster sind zudem defekt und gehen gar nicht mehr auf. Auch moderne Technik steht in den Containern zur Verfügung, nur für die naturwissenschaftlichen Fächer müssen die Schüler aktuell noch ins Bestandsgebäude. Bis zum Frühjahr sollen speziell ausgestattete Container für Biologie, Physik und Chemie aber zur Verfügung stehen.

Berthold fiebert gemeinsam mit dem Kollegium dem nagelneuen Gebäude entgegen: „Man freut sich, dass es wirklich losgeht. Die Zeit ist reif.“

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