Gipfeltreffen der fränkischen Kabarettisten

Kritische Beobachter des täglichen Wahnsinns: Klaus Karl-Kraus ...2011/10/31304_kabarettgipfelkkkroethenbach_New_1318433763.jpg

RÖTHENBACH — 25 Jahre Röthenbacher Stadthalle: Wer hätte gedacht, dass der Bau schon so alt ist! Zum Geburtstag hat die Volkshochschule einen fränkischen Kabarett-Gipfel organisiert. Vier Stars lästerten vor gut 300 Zuschauern: Klaus Karl-Kraus, Mäc Härder, Bernd Regenauer und Lizzy Aumeier. Sie sind zwar selbst schon in die Jahre gekommen – aber immer noch amüsant-kritische Beobachter des täglichen Wahnsinns.

„Die Welt wird immer blöder. Ich brauch gar kein Kabarett-Programm mehr schreiben, ein Blick in die Zeitung reicht“, befand Klaus Karl-Kraus, Jahrgang 1951. Dann erzählte er, was ihn wurmt und wundert. Zum Beispiel neulich in einem feinen Restaurant, ein Abend voller Missverständnisse und Absonderlichkeiten: „Teller so groß wie ein Lkw-Lenkrad, und in der Mitte, wo die Hupe wäre, ganz klein das Essen.“ Der Kellner war komisch, aber nicht zum Lachen. Der Wein war teuer und schien sich auf merkwürdige Weise zu verflüchtigen, sobald der Bedienungs-Pinguin die Flasche in seine Obhut genommen hatte.

Ja, die Welt ist furchtbar im Wandel. Und es wird wahrscheinlich nicht besser, wenn man sieht, wie der Nachwuchs unter einer erdrückenden Flut von Persönlichkeitsbildungs-Events aufwächst: „Wir erziehen nur noch Häuptlinge, keine Indianer mehr.“ Gut, ältere Menschen neigen zu solchen Sichtweisen. Aber sie haben auch praktische Lebenserfahrung, etwa wie man taktisch raffiniert mit einer „Muggn“ (hochdeutsch: Fliege) im Bierkrug umgeht. Einzelheiten sollen hier erspart bleiben. Das gilt auch für KKK’s anschaulichen Bericht von einer Darmspiegelung, die damit endete, dass der Auspuffdoktor sein Opfer per Linienbus heimschickte – mit dreieinhalb Litern Luft im Bauch. Das konnte nicht gutgehen.

Noch härter war Mäc Härder. Der 51-Jährige Bamberger servierte Weltpolitik mit Lokalkolorit, etwa die Pleite Griechenlands: „Dort wäre neben der Akropolis die Karl-Diehl-Halle das zweitschönste Gebäude.“ Er bedauert, dass immer mehr Talente Deutschland den Rücken kehren: „Guttenberg hätte doch in Bayreuth einen Copy-Shop aufmachen können!“

Ach, waren das Zeiten, als unsere Sprache noch erkennen ließ, was gemeint ist. Die Frage des Doktors „Was fehlt uns denn?“ habe er allerdings noch nie richtig verstanden. „Ich weiß nicht, was Ihnen fehlt. Mir selbst fehlt nichts, sondern ich habe was. Und dagegen bräuchte ich was.“ Oder die ewige Frage im Modegeschäft: Kommen Sie allein zurecht? „ Mittlerweile bleibe ich ruhig und sage: Ja, tu ich seit über 30 Jahren.“

Fränkisch, meint Mäc Härder, ist eine wunderschöne Sprache, nicht nur wegen bezaubernder Mädchennamen wie Bedra, Danja oder Garmen. Es erleichtert auch den Zugang zur internationalen Küche, etwa mit „Dschabadda“, das dem Franken leicht von den Lippen geht, obwohl er es nie korrekt schreiben könnte.

Am Freitag öffnet die „Metzgerei Boggnsagg“ wieder, kündigte Bernd Regenauer an. Er hatte den kürzesten Weg nach Röthenbach: Seit Jahren wohnt er in Rückersdorf, zieht aber bald nach Schwaig. Mit grantigem Gesicht kam er auf die Bühne. Das gehört sich so, meint der 55-Jährige. „Franken ist die einzige Gegend Deutschlands, wo Google die Gesichter freiwillig rausretuschiert – weil sie griesgrämig sind.“ Hinter der rauen Schale stecke ein guter Kern – „aber den zeigen wir nicht“.

Regenauer macht sich Sorgen um den Fortschritt in diesem Land: „Bei der Bahn kannst du mittlerweile dankbar sein, wenn du den verspäteten Zug vom Vortag kriegst. Und bei der Post soll es bald so laufen, dass Briefe von den Adressaten selbst aus dem Kasten geholt werden, in den sie der Absender gesteckt hat.“

Da hat es Lizzy Aumeier leichter. Die Oberpfälzerin ohne Alter („Danke, dass ich in Franken auftreten darf!“) betreibt Körperkult. Und da hat sie quantitativ viel zu bieten. „Ich bin eine Sexgöttin“, sagt sie. Ihre Show ist rasant, witzig, und klärt über wesentliche Unterschiede von Mann und Frau, Franken und Oberpfälzern auf. „Kennen Sie die drei nervendsten Fragen einer Frau an ihren Mann? Sie lauten: Was denkst du? Was würdest du machen wenn ich sterbe? Liebst du mich? Auf die letzte Frage ist die typische fränkische Antwort: Machd des an Unterschied? Der Oberpfälzer fasst sich kürzer: Scho.“ Tosender Applaus.

Thomas Kohl

N-Land Pegnitz-Zeitung
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