Seit 26 Jahren nur ein Beamter

Polizeiwache Röthenbach schließt endgültig

Ein Polizeibeamter hält hier seit 25 Jahren in Röthenbach die Stellung. | Foto: Sichelstiel2021/06/polizei-wache-rothenbach-brk-haus-bahnhofstrasse-scaled.jpg

RÖTHENBACH – Die mit einer Person und nur stundenweise besetzte Polizeistation in der Bahnhofsstraße in Röthenbach wurde von den Bürgern kaum mehr angenommen. Nun wird sie entdgültig schließen.

Nur von Montag bis Donnerstag und auch nur für einige Stunden sitzt seit 26 Jahren noch ein Polizeibeamter in einem Büro in Röthenbach. In dem Gebäude in der Röthenbacher Bahnhofstraße ist seit Auflösung der Polizeiinspektion Röthenbach 1995 eine Außenstelle der Polizei Lauf eingerichtet. Nun gehen in dieser kleinen Wache endgültig die Lichter aus, wie das Polizeipräsidium Mittelfranken gegenüber der PZ bestätigt.

Ein Polizist vor Ort

Vermutlich schließt das Büro in der Bahnhofsstraße schon in den nächsten Monaten. Grund ist die geringe Frequenz an Besuchern auf der Wache. Nur wenige Menschen nutzten zuletzt das Angebot eines Polizisten vor Ort, sagt Pressesprecherin Elke Schönwald vom Nürnberger Polizeipräsidium. Die meisten Bürger wendeten sich gleich an die Polizei Lauf, die das Gebiet der Inspektion Röthenbach, zu dem unter anderem die Gemeinde Schwaig zählte, übernommen hatte.

„Die Erhebung der Arbeitsbelastung und die Evaluierung der tatsächlich polizeirelevanten Sachbearbeitungen ergaben, dass die Ansprechstelle durch die ortsansässigen Bürger in nur sehr wenigen Fällen angenommen wurde. Eine Einbindung des Beamten in Außen­einsätze war aus Eigensicherungsgründen (alleine darf ein Polizeibeamter nicht Streife fahren; Anm. d. Red.) nicht möglich. Die Aufrechterhaltung des Dienstzimmers mit entsprechender Arbeitskapazität erwies sich daher als nicht mehr sachgerecht und zeitgemäß“, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei.

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Röthenbacher in der Unterzahl

Konkret bedeutet dies beispielsweise, dass im Durchschnitt in Röthenbach nur noch zwei Anrufe pro Tag eingingen und dass pro Tag kaum mehr als ein Besucher auftauchte. Und dabei waren die Röthenbachr oft noch in der Unterzahl. Die Wache wurde oft nur von Durchfahrenden genutzt, die das Schild Polizei sahen und ein Anliegen loswerden wollten, sagt Schönwald und ist mit dieser Betrachtung nicht alleine:

„Die Wache war zuletzt eher eine optische Geschichte. Es war klar, dass sie irgendwann geschlossen wird“, sagt Klaus Hacker, der Röthenbacher Bürgermeister. Der Wache haltende Polizist hätte keine sinnvollen Aufgaben mehr gehabt, sondern habe während der Sprechstunden in der Laufer Inspektion gefehlt. „Selbst zu einem Einsatz in Röthenbach konnte der anwesende Polizist nicht fahren.“ Denn die Beamten müssen immer zu zweit unterwegs sein, weiß auch Hacker.

Während der Urlaubszeit/Freizeit des Beamten in Röthenbach wurden die Aufgaben bereits zurückliegend durch die PI Lauf übernommen, ohne dass Auswirkungen feststellbar waren, so die Meldung der Polizei.

Verständnis für die Auflösung

Das Ende der Röthenbacher Wache stößt aus diesem Grund auf wenig Widerstand, ganz anders als die Auflösung der Polizeiinspektion 1995, der zuletzt 27 Beamte zugeteilt waren. Sowohl die Polizisten als auch die Bevölkerung reagierten damals mit Entsetzen auf die Nachricht des Innenministeriums. „Die Anwohner sammelten 1500 Unterschriften, um die Schließung zu verhindern“, sagt der damalige Dienststellenleiter in Röthenbach, Georg Wittmann.

Der heute 74-Jährige, der von 2001 bis 2007 Chef der Polizei Lauf war, erinnert sich noch genau an die Auflösung. „Der Grund war damals der Personalmangel bei der Polizei. Die Röthenbacher Beamten sollten Dienststellen wie Lauf zugewiesen werden, um diese zu stärken.“

„Es flossen einige Tränen“

Erst sei der Plan von der Regierung geleugnet, dann doch veröffentlicht und nach langwierigen Diskussionen auf den 1. Juni 1995 festgelegt worden.
„Röthenbach war damals eine der wenigen bayerischen Dienststellen, die mit anderen Inspektionen zusammengelegt wurden. Manche konnten sich dagegen wehren, andere wie Röthenbach nicht.“ Die ungeklärten Fragen und das mehrmalige Aufschieben der Auflösung hätten damals für Unsicherheit unter seinen Angestellten gesorgt. „Es flossen schon einige Tränen. Keiner wusste, wo er als Nächstes hinkommt.“

Den Anwohnern wurde damals eine Polizeiwache zugesagt, die Bestand haben sollte. Nach 26 Jahren fällt nun in Sachen Polizei in Röthenbach auch der letzte Vorhang.


Mit der Zusammenlegung der beiden Inspektionen (Röthenbach und Lauf 1995) konnte der Streifen- bzw. Außendienst deutlich erhöht werden, sagt heute das Präsidium, da die Arbeitskapazitäten der Führungs- und Funktionsbeamten dem Streifendienst zugeführt werden konnten.

Unmittelbar für den Streifendienst

Gleiches gelte nun für die frei werdenden Arbeitskapazitäten, die zur Betreuung des Dienstzimmers in Röthenbach eingesetzt waren, „auch sie kommen dem Streifendienst unmittelbar zugute“, heißt es in der Pressemitteilung.

Und weiter: „Zusammen mit dem allgemeinen Stellenaufwuchs der Bayerischen Polizei bis zum Jahr 2025 und den damit verbundenen halbjährlichen Personalzuteilungen ist mit einer personellen Stärkung des Streifendienstes bei der PI Lauf zu rechnen.“

Die Polizeiinspektion Lauf betreut heute ein Gebiet mit einer Gesamtfläche von 225 Quadratkilometern und etwa 74 000 Einwohnern. Der Zuständigkeitsbereich erstreckt sich auf die Städte Lauf und Röthenbach, den Markt Schnaittach und die Gemeinden Neunkirchen am Sand, Ottensoos, Simmelsdorf, Rückersdorf und ­Schwaig.

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