14. Jahrestag der Feldgeschworenen-Vereinigung

Grenzen kennen und achten

Die wieder gewählte Vorstandschaft der Feldgeschworenen (v.li.): Schriftführer Dieter Halm, 2. Vorsitzender Jürgen Fleischmann, Andreas Roth (als einziger neu im Gremium), 1. Vorsitzender Günther Hupfer, Kassier Markus Thäter, Herbert Reich, Walter Rupprecht, Werner Himmler und Erich Hörner, es fehlt: Michael Förthner. | Foto: Keilholz2017/03/DSC06625-1.jpg

ENGELTHAL – Beim Jahrtag der Feldgeschworenen-Vereinigung platzte der Saal des Tagungslokals Landgasthof „Weißes Lamm“ in Engelthal fast aus allen Nähten. Die Anzahl der Ehrengäste, die der Einladung gefolgt waren, zeigt die hohe gesellschaftliche Wertschätzung, die die „Siebener“, die das älteste kommunale Ehrenamt in Bayern ausüben, genießen.

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen wurden 1. Vorsitzender Günther Hupfer (Oberrieden), ebenso wie 2. Vorsitzender Jürgen Fleischmann (Happurg), Kassier Markus Thäter (Henfenfeld) und Schriftführer Dieter Halm (Altdorf) einstimmig in ihren Ämtern bestätigt.

Bei den drei regionalen paritätisch mit zwei Personen besetzten Ausschüssen gab es eine einzige Veränderung. Aus dem Bereich Hersbruck rückt Andreas Roth anstelle des ausgeschiedenen Ralf Höfler ins Gremium; Herbert Himmler wurde bestätigt. Der Bereich Altdorf wird weiter von Erich Hörner und Michael Förthner vertreten, der Bereich Lauf von Herbert Reich und Walter Rupprecht.

Mit Landrat Armin Kroder, MdL Norbert Dünkel, Leitendem Vermessungsdirektor Ernst Grünbeck, Direktor Klaus Vetter und Oberrat Konrad Sperber vom Amt für Digitalisierung, Breitband und Vermessung (ADBV), Stellvertretendem Abteilungsleiter Wolfgang Neukirchner vom Amt für Ländliche Entwicklung in Ansbach und dem Leitenden Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf vom Amt für Landwirtschaft Roth/Hersbruck gaben sich die führenden politischen und Repräsentanten staatlicher Institutionen beim „Siebenertag“ die Ehre.

Der 1. Vorsitzende Günther Hupfer, der seit 1989 an der Spitze der Feldgeschworenen-Vereinigung Nürnberger Land steht, konnte unter den fast 200 Gästen weiterhin die Bürgermeister oder Vertreter aus den meisten der 27 Städte und Gemeinden des Landkreises begrüßen.

Günther Rögner, 1. Bürgermeister der Gemeinde Engelthal, würdigte das Feldgeschworenenwesen als „Ehrenamt, auf das wir alle stolz sein können“.

Mittler zwischen Nachbarn

Landrat Armin Kroder spannte in seinen Gedanken zum Siebenerwesen einen weiten Bogen, mehr als 3000 Jahre zurück in die Vergangenheit. So lange sei es nämlich belegt, so der Landrat, dass sich Menschen beim Thema Grenzen mit einbringen. „Damals wie heute ging und geht es um Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit“, getragen vom Bemühen, den „richtigen Weg“ zu gehen und vor allem auch um den Schutz von Schwächeren“, sagte Kroder. Die Funktion des Feldgeschworenen sei deshalb auch heute als Mittler zwischen Nachbarn und Ämtern sowie Unterstützung der staatlichen Vermessungsämter unverzichtbar.

MdL Norbert Dünkel würdigte die Arbeit und Verdienste der Feldgeschworenen. In ganz Bayern gebe es 20.000 ehrenamtlich tätige „Siebener“, was ein „großer Beweis für Ehrenamt in Zeiten einer modernen Dienstleistungsgesellschaft“ sei. Dünkel: „Die Feldgeschworenen sind trotz aller Technisierung und hochmoderner Technik aus dem Bereich der Eigentumssicherung nicht wegzudenken“.

Grenzen setzen

Leitender Landwirtschaftsdirekter Werner Wolf sprach in seinem Grußwort vom Dreiklang: „Grenzen setzen, Grenzen kennen und Grenzen achten“. Es sei wichtig, so Wolf, dass man Grenzen hat und Grenzen setzt durch äußere Zeichen. Wichtig sei darüber hinaus – im übertragenen Sinn –, seine eigenen Grenzen zu kennen. Wolf: „Grenzen sind wichtig für unser ganzes Leben und für ein gelingendes Zusammenleben von Nachbarn und Völkern das Allerwichtigste“.


Weitere Grußworte sprachen Wolfgang Neukirchner, Stellvertretender Abteilungsleiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) in Ansbach, der einen umfassenden Überblick über die laufenden Maßnahmen und Förderprogramme zur Ländlichen Entwicklung im Nürnberger Land gab, und Leitender Vermessungsdirekter Ernst Grünbeck vom ADBV.

Grünbeck ging kurz auf die neuen Aufgaben seines Amtes Digitalisierung und Breitbandausbau ein. „Wir müssen den ländlichen Raum weiterbringen, damit wir eine Landflucht verhindern.“ Er würdigte das umfangreiche finanzielle Förderprogramm von 1,5 Milliarden Euro des Freistaats Bayern zum zügigen Ausbau eines hochleistungsfähigen Breitbandnetzes. Was die Zusammenarbeit seines Amtes mit den Feldgeschworenen betrifft, verwies Grünbeck darauf, dass es 2016 im Bezirk des Vermessungsamtes Nürnberg rund 1100 Grenzvermessungen gegeben habe.

Rainschlag und Weinleite

Pfarrer Matthias Binder befasste sich in seinem Festvortrag mit der Deutung von Flurnamen aus der Gemarkung um das ehemalige Klosterdorf („Engelthaler Hutgrenze“).  In akribischer Arbeit hat der Hobby-Historiker versucht, unbekannten oder auch mehrfachen Bezeichnungen prägender Landschaften, Wälder, Äcker, Wiesen („Rainschlag“ und „Rainwiesen“), Wege („Sauweg“), Berge und Gewässer rund um Engelthal auf den Grund zu kommen und dies in einem kleinen Büchlein aufgelegt. Als eines der Beispiele nannte er den Flurnamen „Weinleite“. Historisch sei dort, wo heute die Frankenalb-Klinik steht, zu Klosterzeiten Wein angebaut worden. Für die Bezeichnung „Reschenberg“ des Bergrückens oberhalb der Frankenalb-Klinik fand Pfarrer Binder dagegen bislang keinen historischen Beleg.

„Die Vergangenheit hat Interessantes zu bieten“, zeigte sich nicht nur Vorsitzender Hupfer vom Vortrag beeindruckt. „Die Vergangenheit ist das Fundament, das unsere Vorfahren gelegt haben und auf das wir bauen können.“

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