Neunkirchen setzt auf „Mitfahrbänke“

Per Anhalter zum Einkaufen

Neunkirchens Bürgermeisterin Martina Baumann und der Speikerner Erwin Schlosser nehmen auf der Kersbacher Mitfahrbank Platz. Im Hintergrund Bauhofleiter Hartmut Barth. | Foto: Kirchmayer2019/04/Mitfahrbanke-x-Neunkirchen-Kersbach-Baumann-und-Co-kir.jpg

NEUNKIRCHEN – Als erste Kommune im Landkreis hat Neunkirchen sogenannte Mitfahrbänke aufgestellt. Wer kein Auto hat, kann sich daraufsetzen und beispielsweise zum Einkaufen mitnehmen lassen. Die Gemeinde hofft, dass sich die Bürger gegenseitig helfen.

Die Bevölkerung auf dem Land wird immer älter, gleichzeitig gibt es in vielen Orten keine Einkaufsmöglichkeiten mehr, Busse und Bahnen fahren oft nur unregelmäßig. Wer kein Auto hat, schaut in die Röhre.
Auf dieses Problem hat die Gemeinde Neunkirchen nun reagiert.Per Anhalter sollen ansonsten auf Bus oder Taxi angewiesene Menschen aus den Ortsteilen beispielsweise ins Gewerbegebiet am Bräunleinsberg gelangen. Dort steht eine der drei Bänke nahe des Discounters Aldi. Die anderen beiden finden sich in Kersbach nahe der Ortseinfahrt am südwestlichen Ende der Dorfstraße und in Rollhofen am Kreisverkehr.

Das Angebot richtet sich an alle, vor allem aber an Senioren, erklärt Baumann. Diese seien oft weniger mobil, weil sie kein Auto mehr hätten, so die SPD-Politikerin. Sie setzt darauf, dass sich die Bürger auf dem Land gegenseitig unterstützen. Wer jemanden auf einer der Bänke sitzen sieht, kann anhalten und fragen, wohin derjenige möchte.

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Der Standort für die Bank in Kersbach basiert auf einem Vorschlag von Bürgern aus dem Ortsteil. Diese hatten sich bei der Ortswerkstätte dafür stark gemacht, dass die Mitfahrbank am südwestlichen Orts­ende steht. Wer zum Einkaufen fährt, muss dort nämlich so oder so vorbeifahren.
Eine Einkaufstour ins Gewerbegebiet am Bräunleinsberg bietet sich wegen der dortigen Mitfahrbank zwar an. Man müsse aber nicht zwingend von Bank zu Bank fahren, betont Bürgermeisterin Martina Baumann. Nicht nur zum Einkaufen können die Mitfahrbänke genutzt werden, auch ein Besuch bei Bekannten kommt infrage.

Dass es sich bei den auffällig lila Bänken nicht um Sitzgelegenheiten handelt, verdeutlicht das Schild im Hintergrund, das stilistisch an die altbekannten Schilder von Bushaltestellen angelehnt ist und vom Speikerner Erwin Schlosser angefertigt wurde. „Neunkirchner Mitfahrbänkle“ steht darauf, statt des „H“ an Bushaltestellen ist ein großes „M“ abgebildet.

Die Gemeinde möchte nun ein Jahr lang testen, ob sich die Bänke bewähren und ob sie überhaupt genutzt werden. Sie bittet um Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Wer Lob, Anregungen oder Kritik äußern möchte, kann sich entweder im Rathaus telefonisch unter der Nummer 09123/97170 melden oder eine E-Mail an [email protected] schreiben.

Sollte sich das Projekt als Erfolg herausstellen, sind weitere Bänke im Gespräch. Baumann verriet, dass sie sich dann auch dafür stark machen wolle, dass weitere Gemeinden die Idee aufgreifen, beispielsweise der nördliche Nachbar Schnaittach oder die Kreisstadt Lauf. So seien auch Touren in andere Orte einfacher umsetzbar. Aktuell plant im Landkreis auch Schwarzenbruck den Einsatz von Mitfahrbänken.

Die Kosten für Neunkirchen halten sich bisher in Grenzen. Etwas mehr als 400 Euro hat die Gemeinde für die Bänke samt Materialkosten für die Schilder ausgegeben

Die Idee für die Mitfahrbänke kam ursprünglich aus der SPD-Fraktion im Neunkirchener Gemeinderat. Das Gremium hat die Umsetzung im November 2018 beschlossen.

N-Land Andreas Kirchmayer
Andreas Kirchmayer