Reisen sind wieder möglich

Mit dem Bus nach Österreich und an die Ostsee

Reisebusse können ab Montag wieder vollbesetzt fahren. Mundschutz ist für Gäste allerdings Pflicht. | Foto: Meidenbauer2020/06/Meidenbauer-reisebus_Foto-von-website.jpg

NÜRNBERGER LAND – Die Ungleichbehandlung von Busunternehmen gegenüber Anbietern von Bahn- und Flug­reisen hat ab Montag, 22. Juni, ein Ende. Denn auch Busreisen und Ausflugsfahrten sind dann wieder möglich, ohne dass Gäste den Mindestabstand einhalten müssen – eine Regelung, die für Züge und Flugzeuge schon länger galt.

„Die Flugzeuge dürfen zu 100 Prozent besetzt sein und die Reisebusse hätten nur mit zehn oder 14 Leuten fahren können, statt sonst mit 30 oder 45“, kritisiert Freimuth Widera, Disponent der Firma Meidenbauer. Die Linienbusse des Unternehmens verkehren in Lauf und Röthenbach, aber vor allem im Oberen Pegnitztal. Sie durften bisher vollbesetzt fahren, Reisebusse aber nicht.

Kein Abstand, aber Mundschutz

Dass der Mindestabstand in Reisebussen nun gekippt wurde, freut die Busunternehmer. „Wir nehmen unser Programm wieder auf. Erstmal müssen wir aber kräftig Werbung machen“, sagt Widera. Mitte Juli soll ein Meidenbauer-Bus erste Gäste nach Österreich fahren.

Ab August will auch Kraus-Reisen aus Schnaittach wieder durchstarten – mit einer ersten Reise an die Ostsee. „Es gab sogar eine Zeit lang ein Verbot für Busreisen. Später wurde es gelockert, aber wir hätten dann nur mit neun bis zwölf Personen fahren können, und das ist wirtschaftlich nicht rentabel“, erklärt Renate Kraus, Geschäftsführerin des Unternehmens, das neben Fernreisen auch mit Linienbussen im Schnaittachtal verkehrt.

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Hygienekonzept im Bus

Bis die erste Fernreise wieder mit voller Besetzung starten kann, muss Kraus allerdings viel organisieren. Handdesinfektion für die Ein- und Ausgänge hat sie schon besorgt. Auch ein Ozon-Desinfektionsgerät für die Busse ist bestellt. „Außerdem müssen wir auf den Fahrten alle zwei Stunden für 15 Minuten Pause machen. Alle Gäste müssen aussteigen und dann wird der Bus komplett durchgelüftet“, erklärt die Chefin.

Weil diese Corona-Lockerung nur für Bayern gilt, müssen die Unternehmen außerdem das geltende Recht in ihren Reisezielen im Auge behalten. Kraus zählt zwei Beispiele auf: So gelte in Rheinland-Pfalz bislang noch der Mindestabstand in Bussen und in Dänemark könne man sich aktuell nur aufhalten, wenn man mindestens sechs Tage am gleichen Ort verbringe.

Große Verluste

Die großen und nicht mehr aufzuholenden Einnahmeverluste der vergangenen Monate sprechen sowohl Chefin Kraus als auch Disponent Widera an. „Der Reiseverkehr ist ein Vierteljahr komplett weggebrochen und die Reisebusse kosten Geld, auch wenn sie nur rumstehen“, sagt der Meidenbauer-Disponent. Von einem „wahnsinnig großen Umsatzverlust“ spricht auch Kraus, die selbst mit der Linie 344 Fahrgäste von Schnaittach nach Lauf kutschiert.

Gerettet hat ihre Firma eben dieser Linienverkehr, für den das Unternehmen einen festen Betrag vom Landkreis beziehungsweise dem VGN bekommt. Fern- und Gruppenreisen stellen dennoch die Haupteinnahmequelle der Busunternehmen dar.

Wie werden die Gäste reagieren?

Deswegen hofft Freimuth Widera auf viele Buchungen für die geplanten Reisen. Eine Sache bereitet ihm aber Kopfzerbrechen: „Die Frage ist auch, ob die Leute die Maßnahmen akzeptieren und stundenlang mit Maske im Bus sitzen möchten“, merkt er an. „Wer sich nicht
daran hält, kann eben nicht mitfahren“
, meint Renate Kraus pragmatisch zur Maskenpflicht in den Bussen. Bedenken hat sie allerdings keine: „Viele Leute haben schon gefragt, wann es wieder losgeht, und gesagt, sie möchten mit uns mitfahren – egal wohin die Reise geht.“

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