Internationaler Volkswandertag

Leinburg wird zum Wander-Mekka

Horst Ring, Chef der Leinburger Wanderfreunde, freut sich immer, wenn Wanderer die Beschilderung der Routen loben – so wie Cornelia und Hans Broska aus Postbauer-Heng (r.). Mit ihem kleinen Hund bewältigte das Ehepaar die Zehn-Kilometer-Strecke. | Foto: Blinten2019/09/wandertag.jpg

LEINBURG – Es war die Großveranstaltung am Wochenende in Leinburg: Die Wanderfreunde organisierten wieder einmal den Internationalen Volkswandertag für über 1000 Teilnehmer. 

Horst Ring und seine Mitstreiter von den Leinburger Wanderfreunden können rundum zufrieden sein. Seit 33 Jahren veranstalten sie immer Ende August internationale Wandertage. Und an diesem Wochenende sind wieder 1000 Wanderer nach Leinburg gekommen und haben sich vom Schützenhaus aus auf den Weg gemacht.

Durch den Reichswald ging es nach Brunn und nach Netzstall, über fünf, zehn oder zwanzig Kilometer. Je nach Lust und Kondition. Unterwegs konnten sich die Wanderer an Verpflegungsstationen stärken, aufgebaut am Waldrand und bestückt mit kühlen Getränken, die die freundlichen Helfer von den Wanderfreunden mit batteriebetriebenen Kühlgeräten bei dem heißen Wetter auf Trinktemperatur hielten.

Früher waren es deutlich mehr Wanderer

1000 Wanderer also sind am Samstag unterwegs, aus der näheren Umgebung sind sie gekommen, einige aber auch von weiter her angereist, so wie die Wanderfreunde aus Strass im Zillertal, Wanderer aus der Schweiz und aus Frankreich. Viele Teilnehmer, das kann Horst Ring doch freuen. Aber der Chef der Wanderfreunde winkt ab. „Das waren früher viel mehr“, sagt er. „Wir hatten schon Wandertage mit 3000 Leuten.“

In den vergangenen Jahren, das beobachten die Leinburger, kommen immer weniger Wanderer zu der großen Veranstaltung. Was nach Rings Einschätzung damit zusammen hängt, dass junge Leute nicht mehr wandern. Oder genauer gesagt: Sie wandern woanders. In den Bergen. Aber nicht in ihrer Heimat. „Wir waren vor 33 Jahren ja noch jung, als wir mit den Wandertagen angefangen haben“, sagt Ring. „Jetzt sind wir älter, einige sind krank, andere können nicht mehr.“ Da hat er dann Absagen bekommen, als er den jetzigen Wandertag vorbereitet hat.

80 Kuchen selbst gebacken

Mit der Vorbereitung beginnen die Leinburger schon im Frühjahr. Für die Veranstaltung muss geworben werden. Dann muss mit dem Wander-Verband kooperiert werden, die Routen wollen festgelegt sein und werden dann in der heißen Vorbereitungsphase ausgeschildert.

Die Verpflegung wird organisiert – von den verschiedenen Getränken über das Mittagessen bis zu den 80 Kuchen, die die Frauen der Wanderfreunde im Vorfeld backen. Wer das über 33 Jahre gemacht hat, entwickelt eine Routine, mit der vieles leichter wird. „Wir sind wie eine große Familie“, freut sich Ring über die perfekte Organisation, die er mit dem harten Kern der Wanderfreunde stemmt. Seine eigene Familie ist natürlich auch mit eingespannt.

140 Mitglieder haben die Leinburger Wanderfreunde, ein Verein der zusammen mit dem Winkelhaider Wanderverein weit und breit der letzte seiner Art ist.

In der Region, erzählt Ring, gab es vor Jahren noch zahlreiche Wandervereine. Die haben nach und nach wegen Mitgliederschwunds alle aufgegeben. In Leinburg dagegen machen die Wanderer weiter. Wenn Horst Ring Helfer für die Verpflegungsstationen braucht, melden sich schnell genügend Freiwillige. Dabei ist es nicht damit getan, irgendwo am Waldrand herumzustehen und mal ein Bier oder ein Wasser auszuschenken. „Wir sind schon seit halb sechs in der Früh auf den Beinen und haben hier aufgebaut“, erzählt Detlev Meyer.

Der gebürtige Schweriner hat vor vielen Jahren die Wanderfreunde Lübeck gegründet und ist nach seinem Umzug nach Leinburg vor sieben Jahren in den hiesigen Verein eingetreten. Karl Heinz Hild dagegen, der mit Meyer an der Verpflegungsstation bei Brunn Getränke ausgibt, ist gar kein Vereinsmitglied. Er hilft einfach mit, weil es ihm Spaß macht. Meyer und Hild und die vielen anderen Helfer sind schon so früh aktiv, weil die ersten Wanderer am Samstag schon um sechs Uhr gestartet sind.

Auf der Strecke versackt

So früh sind Hans und Cornelia Broska aus Postbauer-Heng nicht losgezogen. Sie haben sich für die Zehn-Kilometer-Route entschieden und treffen mit ihrem kleinen Hund gegen 12 Uhr an der Verpflegungsstelle in Brunn ein. Mit der Beschilderung sind sie ebenso zufrieden wie mit der Streckenauswahl.

Ob sie später im Schützenhaus in Leinburg, dem Start und Zielpunkt des Wandertags, noch zu Mittag essen werden, wissen sie noch nicht. Wie viele andere Wanderer sind sie ja nicht darauf aus, eine Strecke in einer bestimmten Zeit zu bewältigen. Im Gegenteil: Gemütlich soll es sein.

Horst Ring kennt das und erzählt lachend, dass es in der Vergangenheit Wanderer immer mal wieder mit der Gemütlichkeit übertrieben haben. „Die haben für eine Zwei-Stunden-Strecke acht Stunden gebraucht, weil sie unterwegs versackt sind.“

Es gibt aber auch die sportlichen Wanderer. Etwa die Gruppe aus Schwarzenbach/Saale, die früh um sechs Uhr auf die 20-Kilometer-Strecke ging und anschließend mit dem Auto weiter an den Gardasee fuhr. Um dort zu wandern, was denn sonst. Apropos Auto. Wer keins hat, muss deshalb nicht auf die Teilnahme am Wandertag in Leinburg verzichten. Horst Ring und seine Mitstreiter haben schon seit Jahren immer einen Shuttle-Service vom Röthenbacher Bahnhof zum Schützenhaus organisiert.

Wenn die letzten Wanderer am Nachmittag im Ziel eingetroffen sind, wenn die Küche aufgeräumt und die Stationen abgebaut sind, dann setzen sich die Organisatoren der Wanderfreunde noch einmal zusammen, erzählen vom Tag, ziehen Bilanz und stoßen miteinander an. Auf einen gelungenen Internationalen Volkswandertag und darauf, dass man auch im kommenden Jahr wieder 1000 Wanderer nach Leinburg holen wird.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten