Premiere in Dehnberg

Holzhammer und Hintersinniges

Wo gehobelt wird, da fallen Späne: Klaus Karl Kraus und Winni Wittkopp waren im DHT nicht immer originell, aber zumindest musikalisch ein tolles Team. Foto: Berg2012/07/47962_hobelspaenepremiere1_New_1343579164.jpg

DEHNBERG — Die Erlanger Schauspieler, Musiker und Komiker Winni Wittkopp und Klaus Karl-Kraus (KKK) haben nach über 30 Jahren gemeinsam als die „Hobelspäne“ im ausverkauften Dehnberger Hoftheater zur neuen Premiere geladen. Zwischen leisen und poetischen Momenten dominierten die lauten und derb-fränkischen Töne, gepaart mit purer Spiellust.

Der Name ist Programm: Wo gehobelt wird, fallen Späne, warnen die fränkischen Altmeister ihr Publikum. Und so hobeln sie munter drauflos. Nett dekoriert ist die Bühne mit Grammophon, Holzkistchen, Hobeltisch und Spänen am Boden. Winni Wittkopp nimmt Platz zwischen mehreren Gitarren, Schlagzeug und Kleininstrumentarium und legt mit der Gitarre los. Dann betritt Klaus Karl-Kraus mit Hut und Jeans in Rockermanier die Bühne, singt und hobelt dabei ein paar Späne vom Handwerkertisch.

„Erstaunlich, dass die Lieder, die wir vor über 30 Jahren geschrieben haben, immer noch aktuell sind“, leitet KKK ein. Gemeint sind beispielsweise der „Märchenblues“ und „Disco, Baby“. Zwischen den Liedern erzählt Karl-Kraus kurze Geschichten, „Gschmarri“ und wie das eine oder andere entstanden ist.

Im „Badetag“ perlt die typische Mischung aus Fränkisch, derben bis vulgären Späßen und gutem Sound zunächst am besten. Zwischen den deftigen Zeilen kommt ein bisschen Lebensweisheit rüber. Da geht es um die Badegewohnheiten vor Jahrzehnten, als Vater, Mutter und Kind nacheinander ins Wasser stiegen: auf fränkisch „Metzelsubbm“. Es geht aber auch um die Lust an der Entspannung, beim Bade alles „fahren zu lassen“.

Ob so geprobt oder nicht, das Aus-, Um- und Einstecken der verschiedenen Instrumentenanschlüsse an den Verstärker durch Wittkopp und die Titelsucherei auf dem Zettel von Karl-Kraus werden für flapsige Dialoge genutzt. Das sorgt für Heiterkeit beim Publikum und für „Werkstatt-Atmosphäre“. Gerade scheint es, als würden da zwei Buben zusammen auf der Mauer sitzen, mit den Beinen baumeln und ein bisschen Blödsinn machen – nur eben mit einigen Jahrzehnten Lebenserfahrung. Mancher Blödsinn ist dann originell, mancher weniger.

Vor allem KKK liebt den verbalen Holzhammer. Winni Wittkopp lässt ihn gewähren. Beim Musizieren spielen sie sich die Bälle zu, harmonieren sie. So auch bei einem leiseren Titel, der von der tiefen Traurigkeit hinter der scheinbaren satten Zufriedenheit erzählt, weil man vielleicht doch das Wesentliche im eigenen Leben verpasst hat. „Wir beruhigen unsere Sorgen mit Büchern und Blumen umtopfen“, heißt eine solche Liedzeile.

Seine ansteckende, urige Lust an Rhythmus und Instrumenten lebt besonders Winni Wittkopp aus. Da wird zum Beispiel eine „immerhin kubanische“ Zigarrenkiste zum Klangkörper. „Das können Sie auch mal versuchen: einfach einen Tonabnehmer einbauen und loslegen“, lautet seine Empfehlung. Als Kostprobe brüllt er hinein, dass der Nachbar, dieser „Hundsgrrrübbel sofodd a Rouh gebn soll“ beim Rasenmähen am Sonntagmorgen. Weiter geht’s mit dem „Schweinegrippenblues“ und einem „Servus, alde Worschdhaut…“. Schön schräg und doch wieder ein bisschen wahr wird es, als Wittkopp als „Schamane“ mit grimmiger Miene auf eine Trommel einschlägt. Bedeutungsschwanger intonieren die fränkischen Barden schließlich „Bärbele bleib da und wart, wie des Wedder wird“.

Wohltuende Ernsthaftigkeit gelingt den Künstlern in einer Ballade, die von Verlust und einem Spaziergang am Weiher erzählt. Dabei zeigt Klaus Karl-Kraus seine poetischen und schlagzeugerischen Qualitäten. Zum Ende möchte KKK einen wohl fulminanten Schlusspunkt setzen. Er dreht die Lautstärke bis zum Anschlag, animiert das Publikum eindringlich mitzusingen, doch das mag nicht recht mitziehen. Den Bogen raus haben die beiden dann wieder bei den Zugaben, da ist das Publikum freiwillig begeistert. Also, liebe Hobelspäne: vielleicht noch mal an der einen oder anderen Stelle drüber hobeln, dann „basst’s nachherd scho…“.

N-Land Susanne Berg
Susanne Berg