Hörbuch für Regenauer-Fans

„Alles eine Frage der Antwort“ heißt die neue CD des Kabarettisten Bernd Regenauer aus Rückersdorf.2011/02/15482_New_1296581173.jpg

Wenn die Deutschen sich mehr bewegen würden, stünden sie schon nicht dauernd im Weg herum. Gerade fröhlich geht es nicht zu auf Bernd Regenauers neuer CD „Alles eine Frage der Antwort“ nach dem gleichnamigen Bühnenprogramm. Auf Rachefeldzug gegen die dynamische Digitalgesellschaft brüllt Regenauer: „Ist das eine Scheiße hier!“ Deftige Kost für eingefleischte Fans.

Überempfindliche Künstler, die dennoch erfolgreich für 38 Euro Eintritt das Publikum – Zitat – „verarschen“: Solche Menschen sind es, die Regenauer neidisch machen. Um sich zu trösten, stellt er sich den Rivalen nackig vor – was seine Frau mit einem „gern“ goutiert. Er selbst habe ja mit George Clooney nur die Schuhgröße gemeinsam.

Während der Zuhörer noch überlegt, ob er mitfühlen soll, hat der Kabarettist aus Rückersdorf schon ein neues Objekt der Aggression: Klaus-Dieter, der sich selbst „Kei-Die“ nennt, bei Facebook 2156 Freunde hat und die Geburt seines ersten Kindes per Public Viewing in den Golfclub überträgt, ehe er seine Blutdruckwerte während eines Saunaganges gleich twittert.

Neben einer Welt, in der junge Menschen statt Tennisarm einen Handydaumen haben und in der das Mobiltelefon als „sozialer Mutterkuchen“ fungiert, lobt sich Regenauer doch die Dritte Welt: Hier werde man nicht nervös, wenn das Ladekabel den Geist aufgebe. Man habe es ohnehin nur verwendet, um die Ziege anzubinden.

Dass Gleichbehandlung auch in Gesundheitsminister Röslers neuem Eckpunktepapier nicht bedeutet, dass er als Kassenpatient gleich behandelt wird, ist Regenauer ebenso eine Erwähnung wert wie die Tatsache, dass Alfons Schubeck über alles Ingwer hobelt, was nicht bei drei im Backofen ist. Auch eine akustische Reise in die Welt der blutigen Afterfurunkel erspart er seinen Zuhörern nicht.

Auf dem Land, genauer in der Oberpfalz, hofft Regenauer und mit ihm der Hörer, hier sei die Welt noch in Ordnung. Doch: weit gefehlt. Die Ausdrücke, mit denen er um sich wirft, werden hier nur mit einem anderen Akzent ausgesprochen und wirken daher irgendwie ehrlicher. Dort, in der Oberpfalz, merkt er, was dem Hörer an dieser Stelle längst klar ist: Sein Humor kommt nicht überall gleich gut an. Julia Ziegler

N-Land Pegnitz-Zeitung
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