Klaus Karl Kraus im täglichen Beziehungskrieg

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DEHNBERG — In den vergangenen Jahren hatte sich Klaus Karl-Kraus rar gemacht im Dehnberger Hof Theater. Jetzt ist die alte Liebe offensichtlich neu entflammt, wie bei der restlos ausverkauften, recht unterhaltsamen und entsprechend kräftig beklatschten DHT-Premiere des Programms „Kirchturmspitzn“ deutlich wurde.

In den nächsten Wochen und Monaten wartet das DHT gleich mit mehreren Klaus Karl-Kraus Terminen auf, darunter auch ein spezielles Programm zur Fußball-EM im Juni zwischen Viertel- und Halbfinale, für das es direkt nach dem Auftritt erste Anfragen gab. KKK selbst war schon früh am Abend merklich angetan von der guten Stimmung in der alten Scheune und vom Publikum, das sich an einigen Stellen vor Lachen die Bäuche hielt.

Der 56-jährige hauptberufliche Sparkassen-Marketingleiter und Bühnen-Tausendsassa kalauert, treibt Faxen, gerät dabei schnell in Fahrt und hält das Tempo. Er polarisiert gekonnt, auch mit einer Hitler-Parodie, und schwadroniert über die guten alten Zeiten. Die Lacher provoziert er mit simplem Lästern über „Lodda Maddhäus, Dieder Bohlen und Margus Söder“ oder über das „Dschungelcamp“, wobei oftmals das geschickte Einschieben des bloßen Reiznamens dem Publikum bereits eine Reaktion entlockt. Das kommt an.

Besser ist er aber bei den Betrachtungen seines Lieblingsstudienobjektes, des gemeinen Frankens, des „Aboriginells“. Zu ihm kommt er immer wieder zurück von seinen flotten Stänkereien und Streifzügen durchs aktuelle Tagesgeschehen, wobei Angela Merkel und Günther Beckstein ebenso wie Eisbär-„Flocke“-Fans und Nordic Walker ihr Fett weg bekommen. „Mei is der böis“, entfährt es dabei dem einen oder anderen Zuschauer. Und schnoddrig: KKK spart absichtlich nicht an grenzwertigen Anzüglichkeiten („t’schuldigung“). Ein Thema, das immer ankommt, ist der Geschlechterkonflikt. Der Kabarettist zeigt einmal mehr mit Ganzkörpereinsatz, wie Männer ihre Gartenblumen wässern und unterstellt seinesgleichen dabei eine eindeutige Schlauchhaltung, wegen des tollen „Unterleibs-Gardena-Gefühls“. KKK schießt Pfeile ab im alltäglichen Beziehungskrieg, etwa in einer Partnerschaftsszene: Er: „Ich fahr in’ Baumarkt.“ – Sie: „Was machstn da?“ – Er: „Ich such Dübl.“ – Sie:„Do geh i net mit.“ – Er: „Na gottseidank!“ Und er versöhnt wenige Minuten später ebenso überzogen sein weibliches Publikum wieder mit einer Steinzeit-Szene: Damals hätten die Frauen — vor der Höhle — noch geweint, als ihre Männer zur gefährlichen Jagd aufbrachen. „Aber welche greintn heut no, wenn er morgens fortgeht? Sie weiner höchstns, wenn er abends wieder hamkommt“.

Letztlich kommt KKK immer wieder auf Franken, den Dialekt und auf Heimat zu sprechen, was er durchaus ernsthaft als seine Mission begreift. Er klärt auf über die sprachlichen Eigenheiten, die er pflegen hilft, was bei ihm freilich mit einigem Spaß verbunden ist und unweigerlich mit „Brunft“-Vokabular: Sätze wie „geh her dou, etz packerte Nackerte” lassen ihn mit der Zunge schnalzen und im Publikum zu diesem Zeitpunkt längst niemand mehr erröten. In jedem Fall wird gelacht.

Das fränkische Lästermaul tut bei aller Blödelei am Ende aber gut daran, sein Publikum mit einer inbrünstigen Liebesballade noch einmal ernst und nachdenklich zu stimmen. Auch das kann er. Michael Scholz

N-Land Pegnitz-Zeitung
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