Weder Verwaltung noch Anwohner wussten Bescheid

Kahlschlag sorgt in Rückersdorf für Aufsehen

Ein Chaos aus Holzresten liegt nun am Ausgang der Rückersdorfer Laufer Straße gegenüber dem Strengenberg. Vor der Abholzung war die Sicht auf den Hügel verdeckt. | Foto: Andrea Beck2022/01/DSC0856-scaled.jpg

RÜCKERDORF – Anwohnern der Laufer Straße in Rückersdorf, die sich am vergangenen Wochenende auf einen Spaziergang über den Strengenberg aufmachten, bot sich am Ende der Straße Richtung Lauf ein überraschend kahles Bild. Auf den rund 5500 Quadratmetern gegenüber der Strengenbergwiese und südlich der Laufer Straße fehlten auf einmal die Bäume. Besser gesagt, lagen ihre Stämme und Äste in Stapeln über die Fläche verteilt. Die Anwohnner beschäftiten bei diesem Anblick zwei Fragen: war die Aktion überhaupt erlaubt und wer wusste davon?

Die Abholzung des „Engelhardts-Wäldchens“, von der die Anwohner zuvor nichts wussten, sorgte bei diesen und den Rückersdorfer Grünen für große Empörung, insbesondere da es im Rückersdorfer Landschaftsschutzgebiet liegt. Das Ganze sei „eine Riesensauerei“, schrieb eine Leserin der Pegnitz-Zeitung.

Im Büro des Bürgermeisters Johannes Ballas stand das Telefon nicht mehr still. „Bei mir haben Anwohner, der Bund Naturschutz und noch viele mehr angerufen und ich habe jedem erklärt: Weder ich noch die Verwaltung noch einzelne Gemeinderäte waren von den Besitzern des Waldstücks zuvor informiert worden.“ Darüber hinaus befänden sich die Flächen im Privatbesitz und ihre Abholzung liege damit nicht in der Zuständigkeit der Gemeinde.

Vor Ort traf sich Ballas mit Anwohnern und machte sich selbst ein Bild von den zerkleinerten Bäumen und den tiefen Furchen im Boden, die der Harvester hinterlassen hat. „Es sieht leider nicht danach aus, als ob bei der Abholzung Rücksicht auf junges Holz oder angesiedelte Tiere genommen wurde“, so Ballas. Aber auch das liege in der Hand der Besitzer, die die Abholzung innerhalb eines Tages von der Forstbetriebsgemeinschaft Nürnberger Land durchführen ließen. An Gerüchten, die aktuell in Rückersdorf umgehen, wie etwa, dass auf der Fläche eine Eigentumswohnanlage entstehen soll, sei nichts dran.

Die Fläche soll Wald bleiben

„Im Flächennutzungsplan ist die Fläche als Wald, im Regionalplan der Regierung Mittelfranken als Trenngrün ausgewiesen, dass das Zusammenwachsen der Kommunen Lauf und Rückersdorf verhindert.“ In der Gemeindeverwaltung gibt es laut Ballas auch unabhängig von diesen Fakten keinerlei Bestrebungen, das Grundstück anderweitig zu nutzen.

Der Eingang in die Laufer Straße aus Richtung Lauf. Zu beiden Seiten wurden die Bäume, hauptsächlich alte Kiefern, gefällt. Anschließend lagen sie eine Woche in Stapeln neben der Straße. Foto: Beck2022/01/DSC0849-scaled.jpg

Der zuständige Förster für den Bereich Ludwigshöhe ist Michael Bayerer. Im Gespräch mit der Pegnitz-Zeitung erklärte er, dass er bereits vor rund drei Jahren mit der Eigentümergemeinschaft des Grundstücks über die zunehmend morschen Kiefern gesprochen habe.

„Es bestand die Gefahr, dass diese abbrechen und auf die Straße oder den Gehweg fallen.“ Und im Falle der Sicherheit von Menschen ständen die Regeln eines Landschaftsschutzgebiets hinten an.
„Wir haben den Besitzern von einer Fällung einzelner Bäume abgeraten, da die Lücken den übrigen Bestand weiter destabilisieren würden. Die Kronen der Bäume waren bereits geneigt.“ Letztendlich hätten sich die Besitzer für die vollständige Abholzung in kurzer Zeit entschieden, was in ihrer Zuständigkeit lag. Rechtlich sei alles korrekt.

Förster riet Besitzern, die Gemeinde zu informieren

„Ich habe den Eigentümern zuvor dazu geraten, die Gemeinde und die Untere Naturschutzbehörde zu informieren“, sagt Bayerer. Doch dem kamen die Besitzer offensichtlich nicht nach. Auch auf den Tierschutz und die bereits einsetzende Verjüngung des Waldes wurden die Besitzer laut Bayerer hingewiesen.

Nun hat die Eigentümergemeinschaft ihre gesetzliche Auflage vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Roth-Weißenburg schriftlich erhalten, dass sie verpflichtet ist, den Wald innerhalb von drei Jahren wieder aufzuforsten. „Gut wäre die Bepflanzung mit Laubholz wie Kirsche, Ahorn und Linde, das wäre auch bienenfreundlich“, sagt Bayerer.

Dass die Abholzung des Grundstücks aus finanziellem Anreiz geschah, kann der Förster ausschließen. „Das morsche Kiefernholz ist von schlechter Qualität und die Fällung der Bäume nach innen teuer. Die Besitzer haben, schätze ich, keinen Gewinn durch die Abholzung gemacht.“
Dass die Anwohner nun Angst vor einer Bebauung hätten, sei klar, dies sei aber zurzeit nicht geplant.

Kreistag verhinderte Bebauung

Dass die Fläche in den Bebauungsplan aufgenommen wird, war allerdings bereits einmal geplant. 2013 hatte der Gemeinderat dies auf Antrag der Eigentümer beschlossen. Der Kreistag revidierte den Beschluss jedoch.

Die Rückersdorfer Fraktion der Grünen beanstandet nach der jetzigen Abholzung sowohl die fehlende Information der Gemeinde als auch das Vorgehen der Besitzer. „Es wäre wünschenswert gewesen, wenn bei der Baumfällung weniger invasiv vorgegangen worden wäre, um den ansässigen Tierarten die Möglichkeit zur Abwanderung zu geben“, schreiben die Grünen in einer Pressemitteilung.

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