Kabel für die Ziege

Was beschäftigt uns wirklich, fragt Kabarettist Bernd Regenauer in seinem Programm „Alles eine Frage der Antwort - hier beim Auftritt in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle. Foto: Krätzer2011/10/regenauer0054_New_1318252202.jpg

SCHWARZENBRUCK – Es soll Regionen auf unserer Erde geben, in denen Menschen ganz ohne Flatrate, Vernetzung, Facebook, SMS, Twitter und was es sonst noch gibt leben. Für die Kabel eine praktische Alternative zum Strick ist, mit dem man die Ziegen festbindet. Toll, so ein einfaches Leben, solange man nach den „Abschaltwochen“ in der Sahelzone wieder zum Google-Online-Alltag mit dem Handy als sozialem Mutterkuchen zurück kehren kann.

„Alles eine Frage der Antwort“ heißt das Programm mit dem Bernd Regenauer versucht den Phänomenen unserer Zeit auf die Sprünge zu kommen und mit ihm die zahlreichen Gäste in der Schwarzenbrucker Bürgerhalle. Natürlich sind es Fragen-Antworten auf die ganz spezielle Regenauer-Art, mit viel Fränkisch, Situationskomik, gespielten Szenen und Hirn.

Da geht es im Wechsel zwischen Klavier und Barhocker um’s Älterwerden mit seinen Begleiterscheinungen, um große und kleine Politik, den omnipräsenten Alfons Schuhbeck, der kocht und Ingwer verkostet wo es nur geht – der Erlös geht dann an den Dalai Lama – und immer wieder um Alltagssituationen, die irgendwie bekannt vorkommen.

Nach seinen letzten Soloprogrammen „Selten so gedacht“ „Unter Freunden” und „MixTour“ ist dem Erfolgsautor Regenauer und „Metzgerei Boggensagg“-Erfinder hier wieder ein hervorragender Mix aus Unterhaltung, Politik und Gesellschaftspolitischem gelungen. Es macht Spaß ihm auf seinen Ausflügen zu folgen, beispielsweise in die Nürnberger City zu den „Im-Weg-Herumstehern“, die sich konsequent an den neuralgischen Engstellen zusammenballen.

Das Schlimme: Sie bemerken nicht einmal, dass sie andere behindern. Aber Rücksichtnahme gilt ja bekanntlich als Schwäche, hier wie im Verkehr und überall.Herrlich amüsant die intelligente und komische Tour durchs Zeitgeschehen von Griechenland mit Finanzunterstützung – „der Retsina ist schon bezahlt“ – bis zum Wartezimmerbiwak mit Schlafsack und Zelt. Bei den Wartezeiten „ist der Bänderriss verheilt bis der Arzt kommt“ und so therapieren sich Kassenpatienten in der Zwischenzeit gegenseitig munter drauf los.

Surrealistisch später der Besuch in der Oberpfalz, „so richtig urtümlich“ und „ganz authentisch“ mit zentimeterdicken Nikotinablagerungen aus der Zeit vor dem Volksentscheid, Gülleduft und Investorengruppe. Flächen zu Oberflächen – es lebe das Gewerbegebiet mit Einkaufstempeln. Auch zu Zölibat, sexuellem Missbrauch und dem von Weihbischof Hans-Jochen Jaschke propagierten „Sexalität-auf-eine-höhere-Ebene-heben“ („Bücken fällt schwer im Alter“) nimmt der Kabarettist kein Blatt vor den Mund.

Oberflächlichkeit, Desillusionierung, Ungerechtigkeit, Hormone, Sinnfrage – was beschäftigt uns wirklich? Warum da mitspielen und nicht mal ausbrechen, was riskieren? Fragen über Fragen, die Antworten weiß der Wind und mit dem Lied „Blowing in the Wind“ lässt Regenauer sein Programm ausklingen.

DorothéeKrätzer

N-Land Der Bote
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