FabLab und PPG

Gesichtsschild als Alternative zur Maske

Ein Schild – keine Maske: Der Gesichtsschild von Ulf Geer ermöglicht es, das ganze Gesicht des Gegenüber zu sehen. | Foto: Schoberfoto2020/04/redwebDSC-2070.jpg

NEUNKIRCHEN – Anmutig und stolz präsentiert die Büste im Titelbild ihren Gesichtsschild. Das neueste Accessoire der modernen Haute-Couture? Wohl kaum, dennoch kann es gut sein, dass dieser Modeerscheinung in den nächsten Wochen noch einige folgen werden.

Diese Gesichtsschilde stammen aus dem FabLab Nürnberger Land in Neunkirchen am Sand. Der Name „FabLab“ ist ein Wortspiel aus „fabulous“ (dt. fabelhaft), „Fabrikation“ und „Laboratorium“ und verbildlicht den kreativen Schaffensprozess in der Werkstatt. Die Mitglieder des Vereins experimentieren mit neuen Techniken und Maschinen, wie 3 D-Druckern oder Lasern, und tüfteln an Neuerungen. Mitmachen kann jeder, der Spaß an Technik und Innovation hat.

FabLabs sind weltweit bekannt und besonders bei Studenten wegen ihrer schöpferischen Freiheit geschätzt. Doch in der Werkstatt sind alle Altersgruppen willkommen und sie profitiert vom lebendigen Austausch der Generationen. Die Labs sind untereinander gut miteinander vernetzt. So präsentierte das FabLab in Veitsbronn schon vor einigen Wochen seine Version eines Gesichtsschilds seinem Kollegen im Nürnberger Land, Ulf Geer. Das Gerüst für den Schild wurde mit einem 3 D-Drucker hergestellt.

Kunstvoll falten

Doch Geer tüftelte weiter am Gesichtsschutz und suchte nach einer Vorgehensweise, wie er aus flachen, zweidimensionalen Materialien einen Schild formen könnte. „Die Corona-Krise hat uns vor neue, bis dahin ungekannte Probleme gestellt – jetzt müssen wir offen für Änderungen sein und flexibel reagieren.“ Diese Experimentierphase dauerte rund drei Wochen, in der er notierte, skizzierte – bei neuen Geistesblitzen auch nachts – und Prototypen aus Pappe faltete.

„Ich arbeite schon mein ganzes Leben lang auf eine kreative Weise. Ich bleibe an einem Projekt dran, bis es nichts mehr daran zu verbessern gibt“, sagt Geer, der eigentlich am Paul-Pfinzing-Gymnasium Kunst unterrichtet. „Solch ein Vorgehen braucht Geduld, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, sich durch einen Berg von Irrtümern und Fehlern hindurchzuarbeiten. Und es braucht Partner, die aufmerksam mitdenken und freundlich den Kopf schütteln, wenn man sich verrannt hat.“

Doch die Tüftelei zahlte sich aus: Für seinen Schild benutzt er Linoleumstreifen als u-förmige Halterung, eine PET-Folienscheibe für den Schild, Gummizüge und Kunststoffklammern. „Die Schilde sind für alle, die berufsbedingt mit Menschen in nahem Kontakt stehen, wie Lehrer, Pfleger oder Ärzte.“

Und um die auch mit ausreichend Masken versorgen zu können, stellte der Verein vergangenes Wochenende 108 Schilder her – doch dafür brauchte es zweieinhalb Tage.

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Mehr als nur eine Maske

„Für Berufe, in denen es schön ist, das Gesicht zu sehen und es nicht hinter einer Maske zu verstecken, ist so ein Schild ideal. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Wochen die Stückzahl ansteigen wird“, so Geer. Doch ein Vielfaches an Schildern kann das Fab-Lab in Neunkirchen nicht herstellen, dafür fehlen Kapazitäten und Zeit. Deshalb ist der Verein bereits mit lokalen Handwerksbetrieben und Material-Sponsoren im Gespräch.

Finanziert wird das Projekt durch Spenden: Nicht nur für den Erwerb einzelner Masken, sondern auch Sachspenden wie zusätzliche PET-Folienscheiben und Linoleum hat der Verein bereits erhalten. Nur die benötigten Gummizüge seien in ganz Deutschland aktuell Mangelware, lacht Geer. Wer also Gummizüge ungenutzt zur Verfügung hat: Das FabLab in Neunkirchen freut sich über Materialnachschub.

Die Gesichtsschilder sind auf der Spendenplattform www.betterplace.org/de/projects/78974-a-mund-nasen-masken-fur-wechselfilter-b-gesichtsschilde erhältlich. Mehr Informationen unter www.fablab.nueland.de.

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