Artenschutz-Gutachten gibt grünes Licht

Enttäuschung für Windradgegner

Rotmilan, Feldlerche oder Uhus flattern rund um Großviehberg nicht so oft herum, als dass dadurch Windkraftanlagen ausgeschlossen wären. Foto: J. Ruppert2014/06/5_2_1_2_20140627_WINDRAD.jpg

HERSBRUCK – „Aus artenschutzrechtlicher Sicht spricht nichts gegen eine Windkraftanlage auf dem Großviehberg“, brachte Harald Kiesl vom Versorger Hewa das Gutachten auf einen kurzen Nenner. Das im Stadtrat vorgestellte Ergebnis dürfte die in letzter Zeit etwas eingeschlafene Diskussion über „Energie aus Wind“ auf der Hochfläche neu aufflammen lassen.

Wie vielfach berichtet, prüft die Hewa in Zusammenarbeit mit der Stadt, ob sich Windräder bei Großviehberg lohnen. „Wir haben immer wieder deutlich gemacht, dass wir so eine Anlage nicht mit brachialer Gewalt durchsetzen wollen“, sagte Bürgermeister Robert Ilg. Ein wesentlicher Baustein in dem Konzept war die Rücksichtnahme auf die Natur und insbesondere seltene Tiere.

Deshalb hatte die Hewa eine „spezielle artenschutzrechtliche Prüfung“ (abgekürzt SAP) in Auftrag gegeben. Von März bis Oktober letzten Jahres hat die Ökologisch-Faunistische Arbeitsgemeinschaft, ein anerkanntes Unternehmen aus Schwabach, an vier ausgewählten Punkten insgesamt 13.000 Minuten Beobachtungen durchgeführt, berichtete Harald Kiesl.

Ergebnis: Verbotstatbestände sind nicht erfüllt. Harald Kiesl nannte ein konkretes Beispiel. Der Rotmilan wurde innerhalb der 13.000 Minuten insgesamt 0,02 Prozent gesehen.

Robert Ilg sagte, dass nun der Planungsverband Region Nürnberg am Zug ist. Der wird voraussichtlich am 14. Juli entscheiden, ab am Großviehberg ein Vorbehaltsgebiet für Windkraft ausgewiesen wird.

Die SAP wird in diesen Beschluss ebenso einfließen wie die vielen negativen Einwendungen von Bürgern, Stellungnahmen der Naturschutzbehörden und Naturschutzverbänden.

Für die Hersbrucker Bürgerinitiative Gegenwind, die sich vehement gegen die Anlagen auf dem Großviehberg ausgesprochen hat, ist die SAP eine kleine Enttäuschung. Robert Ilg machte noch einmal klar, dass der Antrag auf ein Vorbehaltsgebiet zurückgezogen worden wäre, wenn die Gutachter eine Gefährdung von Tierarten befürchtet hätten.

Dr. Thomas Rogoz, einer der führenden Köpfe von Gegenwind, hatte wohl mit einem anderen Ergebnis des Gutachtens gerechnet. Er forderte zu Beginn der Sitzung eine Abstimmung über das Projekt. Im offiziellen Tagesordnungspunkt stand nämlich als Beschlussvorschlag nur, dass die Stadträte das Ergebnis der SAP zur Kenntnis nehmen sollen, was dann auch ohne weitere Aussprache geschah.

Robert Ilg und Harald Kiesl machten beide den Gegenwind-Verantwortlichen das Angebot, Einsicht in die Expertise zu nehmen.

Das Gutachten selbst ist wiederum nur ein kleiner Schritt in Richtung Windkraftanlagen. Selbst wenn der Planungsverband sein „Okay“ zum Vorbehaltsgebiet gibt, bleiben Probleme wie die Änderung der Strom-Einspeisevergütung (Stichwort „Erneuerbare-Energien-Gesetz“) und die größeren Abstandsregelungen zur Wohnbebauung (Stichwort „10H“).

Außerdem muss eine Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgen, ob sich Windkraftanlagen auf dem Großviehberg überhaupt lohnen. „Dies machen wir erst dann, wenn eine Vorbehaltsfläche ausgewiesen würde“, sagte Robert Ilg unter Hinweis, dass eben noch nichts entschieden ist, und betonte den Konjunktiv in seinem Satz. Zu guter letzt wären bei der Baugenehmigung einige Einschränkungen zu beachten. Größere Maßnahmen dürfen aus Rücksicht auf die Vogelwelt nur im Zeitraum November bis März geschehen.

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