Lange Wartezeiten

Das Gastgewerbe und die Corona-Hilfen

In der Hotel- und Gastronomiebranche wird das Geld langsam knapp. | Foto: J. Gurguta2021/01/DSC03013.jpg

HERSBRUCK (jg) – Die Corona-Pandemie mit den einhergehenden Lockdowns hat Deutschland aus dem Gleichgewicht gebracht. Die von der Bundesregierung durchgesetzten Maßnahmen zur Infektionseindämmung treffen auch das hiesige Hotel- und Gastronomiegewerbe hart. Im vergangenen Jahr wurden November- und Dezemberhilfen für betroffene Unternehmen versprochen.

„Das ist alles nur Augenwischerei“, erklärt Peter Bauer, Senior-Chef vom Gasthof Restaurant Café Bauer und Kreisvorsitzender des Bayrischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) für das Nürnberger Land. Laut Gesetz könne jeder und jede Betroffene einen Antrag für diese Hilfen stellen. Dabei sollen Unternehmen mit unter 50 Beschäftigten 75 Prozent des Umsatzes des jeweiligen Vorjahresmonats erstattet bekommen. Bei Betrieben mit mehr Angestellten belaufe sich die Umsatzentschädigung auf 70 Prozent.

„So heißt es zumindest in der Theorie“, erzählt er. In der Praxis würden allerdings teilweise Beträge vom Umsatz des Vorjahres abgezogen oder das Geld komme gar nicht erst an. Außerdem müsse diese Hilfe trotzdem durch Umsatz- und Gewerbesteuer zurückgezahlt werden. Vor allem kleineren Gaststätten und Hotels stehe „das Wasser bis zum Hals“.

Enorme Kosten

Während für manche Gastronomiebetreibende die gesetzlichen Lockerungen im Sommer ein kleiner Segen waren, sei der Aufwand für andere Betriebe schlicht zu groß gewesen. Vor allem für Restaurants, Hotels, Kneipen und Cafés, die ein Hygienekonzept entwickelten, habe die erneute Schließung im November 2020 für Ernüchterung gesorgt. „Trennwände, Desinfektionsmittel und Besucherregistrierungen waren weder umsonst noch leicht durchzusetzen“, erzählt Bauer.

Hinzu kommen noch Betriebskosten und laufende Kosten wie beispielsweise Miete, Gema und Instandhaltung. Leidtragende seien dabei die jeweiligen Betreiber. Außerdem reiche vielen Mitarbeitern das Kurzarbeitergeld nicht aus. Frustration und Perspektivlosigkeit seien in dieser Zeit in der Branche allgegenwärtig.

Ein weiteres Problem sei, dass die versprochenen Hilfszahlungen bei vielen Gastronomen noch nicht beziehungsweise nur teilweise umgesetzt wurden. Bis jetzt habe Bauer nur bruchteilhafte Abschlagszahlungen erhalten. Dieses Problem kennt auch Anita Eberhard vom Landhotel Grüner Baum in Kühnhofen. „Wir haben den Antrag für die Novemberhilfe gestellt, bis jetzt kamen aber nur zwei Abschlagszahlungen kurz vor Weihnachten und Mitte Januar an“, erzählt sie. Das genüge jedoch nicht ansatzweise zur Deckung aller Kosten.

Ran ans Sparschwein

Auch Hans Heberlein vom Hotel Zum Alten Schloss in Kleedorf stecke in derselben Situation. „Diese kleinen staatlichen Hilfen reichen nicht aus, da müssen auch meine Ersparnisse angezapft werden“, erzählt er.

Noch härter trifft es diejenigen, die auf keine Rücklagen zugreifen können. Andreas Anser von der „Rumpelkammer“ in Hersbruck habe deswegen einen weiteren Job annehmen müssen. Sein Burgerrestaurant öffne nur noch an Wochenenden für das Außer-Haus-Geschäft und während der Woche fahre er Lkw, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. „Ich gehöre mit diesem Nebenjob noch zu den wenigen Glücklichen, andere haben gar nichts“, erzählt er.

Obwohl er im November einen Antrag für Hilfszahlungen gestellt hat, sei bis jetzt nur ein Abschlag von etwa 1700 Euro bei ihm angekommen. Ein Betrag, der sich weder auf den ersten Blick erschließt, noch nachvollziehbar sei. „Die Versprechungen waren groß und jetzt heißt es nur noch abwarten und durchhalten“, erklärt Anser.

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„Riesiger Rattenschwanz“

Peter Bauer hat absolutes Verständnis für diese tiefsitzende Unzufriedenheit. Die Schließungen der gastronomischen Betriebe und Hotels habe auch direkte Auswirkungen auf Händler und Lieferanten. Die derzeitige Planungsunsicherheit ziehe einen „riesigen Rattenschwanz“ hinter sich her, der viele Existenzen betreffe. „Wir brauchen klare Ansagen von der Politik“, fordert der Dehoga-Vorsitzende. Er selbst kenne mehrere Gastronomiebetriebe, denen die Insolvenz droht. „Sie werden den Februar ohne finanzielle Hilfe nicht überleben.“

Neben der unzureichenden finanziellen Unterstützung gibt es für Anita Eberhard auch ein schwerwiegendes emotionales Problem: Die Unsicherheit und das ewige Warten auf bessere Tage zermürbe sie. „Uns wird einfach nicht genug Verständnis von staatlicher Seite gezeigt“, erklärt sie. Trotz der Schließung von Lokalen und Hotels seien die Corona-Fallzahlen weiterhin gestiegen. Deswegen fordert sie neue und logische Lösungsansätze. „Wenigstens ist die Gastronomie dadurch nicht der Buhmann“, ergänzt Andreas Anser. Die Einhaltung der Versprechen durch die Bundesregierung sei dabei der erste Schritt in Richtung Gerechtigkeit.

Bauers Ansicht nach sei das ungerechte Verhalten des Staates ein Vertrauensbruch. Dabei stellt er sich immer wieder die Frage, wie es weitergeht. „Der kleine Mann glaubt einfach nicht mehr daran“, erklärt er. Die größte Hilfe sehe er in einer zukünftigen Senkung der Umsatzsteuer für das Gastgewerbe von 19 auf sieben Prozent. „Das ist der einzige Weg, dem kommenden Wirtshaussterben ein Ende zu setzen.“

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