Vom Zeidelgericht auf Bühnen des Landes

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FEUCHT — Pavel Sandorf leitet eine der gefragtesten Big Bands Deutschlands. Sandorf bezeichnet sich selber als „bunten Hund“, der in Feucht ganze Generationen von Musikern ausbildete. Aus Prag kam er im Alter von 15 Jahren nach Deutschland. Die Liebe zur Musik hat er mitgebracht. Eine Gitarre war das erste Instrument, das er als Junge in der Hand hatte. Klarinette und Saxophon waren dann die Instrumente, die er am Nürnberger Konservatorium studierte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Musiker verschiedener Bands und als Musiklehrer in der Realschule Feucht.

Eine Zeit lang leitete er das Blasorchester, bis heute steht er der Jugendbigband der Musikschule Musikbund Feucht und der Big Band der städtischen Musikschule Schwabach vor. 1987 begann er mit acht Musikern im Zeidelgericht zu proben. Er war Gründungsmitglied des Musikbundes Feucht. MBF steht bis heute als Abkürzung auf den Schildern, hinter denen mittwochs die Pavel Sandorf Big Band probt. Das tut sie in einem eigentlich viel zu engen Raum im ersten Stock des Zeidelgerichtes.

Inzwischen hat die rund 20-köpfige Band aus Profimusikern, erfahrenen Musiklehrern und engagierten Hobbymusikern einen Namen, der über Deutschland hinaus bekannt ist. „Mit dem Üben haben wir die Qualität gesteigert“, sagt Sandorf. 60 bis 70 Auftritte im Jahr sprechen für eine Qualität, die wenige vergleichbare Bigbands zu bieten haben.

Alle, das schließt auch die in Feucht probenden Musiker ein, haben mit dem Vorurteil zu kämpfen, Bigbands würden vor allem Jazz spielen und auch ein bisschen Dixieland. „Dabei sind wir eine sehr flexible Band“, erklärt der 54-Jährige. Stücke aus Country, Soul, Musical, Operette, Pop und Rock gehören genauso selbstverständlich zum Repertoire wie böhmische Musik oder Stücke von den Beatles. Diese Vielfältigkeit ist es, die die Band zur gefragten Begleitung macht. Unvergesslich bleiben die Auftritte mit der Jazzsängerin Sandy Lomax auf dem Nürnberger Hauptmarkt, mit Karen Caroll in der Reichswaldhalle Feucht und Jean Caroll im Jazzstudio Nürnberg. 1996 fand ein inzwischen legendäres Frank-Sinatra-Konzert mit Volker Heißmann in der Kleinen Komödie Nürnberg statt.

Seitdem begleitet die Band das Comedy-Duo Volker Heißmann und Martin Rassau bei gemeinsamen Fernsehauftritten sowie auf ausgedehnten Tourneen durch Deutschland und Österreich. „Heißmann ist kometenhaft aufgestiegen, wir haben ihn bei jeder Station begleitet“, freut sich Sandorf. Und beweist auch damit sein Talent für Begeisterung und Konstanz.

Denn er ist es, der die Musikstücke so arrangiert, dass jeder Musiker der Bigband die richtigen Noten vorfindet und alle zusammen ein klangvolles Ganzes schaffen. Daran wird momentan intensiv geprobt, denn ab Dezember schlüpfen sie in die Rolle einer Zirkusband bei „Rondoldi“. „Das haben wir schon mal vor zwei Jahren gemacht, da waren achtzehntausend Leute bei sechs Veranstaltungen in der Arena dabei“, freut sich Sandorf wie ein Kind. Um sofort wieder in die Rolle des konzentrierten Dirigenten zu schlüpfen. Aus 50 Kilometern im Umkreis kommen die Musiker mittwochs in den kleinen Saal des Zeidelgerichtes, um von 19 bis 22 Uhr intensiv zu proben für Auftritte in der großen weiten Musikwelt. Ich denke, der Spaß am Musizieren ist unser Kapital“, hatte der Bandleader gerade noch erklärt. Und man glaubt ihm, dass seine Band wie eine Familie ist, sich Woche für Woche aufeinander und die gemeinsamen Proben freut. Und auch eine gewachsene und keine „Telefonband“ ist, die sich kurz erst vor gemeinsamen Auftritten verabredet.

Das hätten Roberto Blanco, Uwe Kröger, Susanne Bettag, Kay Schubart, Michl Müller, Klaus Karl Kraus, Marita Kral oder Susanne Schönewiese nicht so gut gefunden – mit ihnen zusammen hat die Band mit den Wurzeln im Nürnberger Land bereits erfolgreich Auftritte absolviert.

Darüber hinaus gestaltet das Orchester den musikalischen Rahmen der populären Sendung des Bayerischen Fernsehens „Fastnacht in Franken“ und spielt bei großen Galas, Firmenjubiläen, Festakten und Bällen.

Nach dem erfolgreichen Auftakt im September wird es am 6. November um 21.45 Uhr mit „Das ist Heiss-Mann“ erneut eine Sendung im Bayerischen Fernsehen geben, für die im kommenden Jahr weitere Folgen geplant sind. „Wichtig ist dabei, dass wir weiterhin wie eine Familie agieren und uns die Freude am gemeinsamen Spielen bewahren“, sagt der in Schwarzenbruck lebende Sandorf. Und hängt sich das Saxophon um, weil gleich sein Einsatz kommt.

N-Land ANTJE SEILKOPF
ANTJE SEILKOPF