Neu in Feucht: Gerd Steuer (UCS) wird 3. Bürgermeister

Unterstützung für den Ersten

Machten das Rennen als Stellvertreter für Ersten Bürgermeister Konrad Rupprecht (links): Zweite Bürgrmeisterin Katharina von Kleinsorgen und dritter Bürgermeister Gerd Steuer (Mitte) bei der Vereidigung. Foto: Spandler2014/05/weiterebuergermeisterfeucht.jpg

FEUCHT – Zum ersten Mal hat der Marktgemeinderat einen dritten Bürgermeister für die nun neue Sitzungsperiode gewählt. Die Notwendigkeit eines weiteren Bürgervertreters war im Rat allerdings nicht unumstritten. Mehrheitlich folgten die Marktgemeinderäte dem Vorschlag Karin Reiwes (CSU), Gerd Steuer (UCS) als dritten Bürgermeister zu installieren. Zweite Bürgermeisterin wurde wie in der vergangenen Periode Katharina von Kleinsorgen (CSU).

Bürgermeister Konrad Rupprecht argumentierte, ein dritter Bürgermeister würde dringend gebraucht, weil es in jüngster Zeit immer mehr repräsentative Aufgaben gebe und es immer wieder auch vorkomme, dass man Einladungen zu Besuchen ablehnen müsste, weil keiner der beiden Bürgermeister Zeit dafür hätte. In einem solchen Fall hatte man bisher Marktgemeinderäte gebeten, als Bürgermeister-Vertreter zu fungieren, was aber nicht überall gut ankam. „Ein Bürgermeister ist bei vielen willkommener als ein einfacher Gemeinderat“, so Konrad Rupprecht, der sich unter anderem auf die gestiegene Zahl von Altengeburtstagen bezog. Außerdem sei es auch so manches Mal passiert, dass man nicht einmal einen Gemeinderat gefunden habe, der sich die Zeit für diesen Job nehmen konnte. Ein/e dritte/r Bürgermeister/in könnte hier helfen, andere Kommunen hielten es ebenso.

Inge Jabs (SPD) sah das anders. Sie hätte sich erkundigt nach den Einsätzen in den vergangenen Jahren und fände, die seien nicht so dramatisch gestiegen, dass ein weiterer Bürgermeister gerechtfertigt sei. Dem schloss sich Hermann Hagel (Grüne) an, der auch, wie seine Fraktionskollegin Rita Bogner, an die aufzuwendenden Kosten erinnerte. Außerdem seien von Marktgemeinderäten, die die Bürgermeister vertreten haben, in den vergangenen Jahren gar nicht so häufig Einsätze bei der Verwaltung gemeldet worden, wie das der Bürgermeister darstelle.

Dies liegt daran, so Gerd Steuer (UCS), dass viele Räte sich nach ihren Jobs nicht bei der Verwaltung meldeten, um die Entschädigung zu kassieren, so wie er das auch oft handhabt. Dann würden sie ja auch nicht registriert.

Der Bürgermeister und Karin Reiwe vertraten außerdem die Ansicht, ein ausdrücklich installierter dritter Bürgermeister nehme sich mehr Zeit für diese Aufgaben, ansonsten dürfe er dieses Amt gar nicht annehmen. Dem widersprach Sabine Meindl (Grüne): „Wenn ich keine Zeit dazu habe, dann spielt es keine Rolle, ob ich Bürgermeister oder Marktgemeinderätin bin.“

Bei der Abstimmung pro oder kontra dritter Bürgermeister fand die Variante mit einem weiteren BM eine Mehrheit ohne SPD und Grüne. Bei der folgenden Wahl des ersten Stellvertreters des Gemeindeoberhaupts schlug Reiwe Katharina von Kleinsorgen (CSU) vor, Inge Jabs ihre Fraktionskollegin Petra Fischer. Von Kleinsorgen hatte mit einer Stimme Mehrheit die Nase vorn und wurde wieder zweite Bürgermeisterin. Für die Wahl des dritten Bürgermeisters schlug CSU-Fraktionschefin Karin Reiwe den Unabhängigen Gerd Steuer vor. Der machte mit 13 Stimmen das Rennen gegen ein Votum für Petra Fischer. Elf Stimmzettel waren ungültig.

Kommentar

Irgendwie ging der Schuss nach hinten los. Warum SPD und Grüne im Marktgemeinderat tatsächlich gegen die Installierung eines dritten Bürgermeisters gestimmt haben, wurde in der konstituierenden Sitzung nicht ganz einsichtig. Das Argument, das Ganze koste zu viel, wirkte irgendwie vorgeschoben und greift nicht, zumal sich bei den Beschlüssen zur Aufwandsentschädigung herausstellte, dass dieser Posten fast kostenneutral mitlaufen kann. Sollten die Roten darauf spekuliert haben, dass man einvernehmlich eine/n sozialdemokratische/n zweite/n BM wählt, so dass ein dritter gar nicht nötig sein würde, um endlich wieder ein Pöstchen im Gremium zu ergattern? In diesem Fall hatten sie und die Grünen-Vertreter sich gründlich verrechnet. Selbstverständlich wurde die bisherige zweite Bürgermeisterin mit den Stimmen der CSU, des Bürgermeisters und wohl zweier Vertreter der Ausschussgemeinschaft wiedergewählt. So ist Politik. Wer ein Amt für überflüssig hält, darf nicht erwarten, dass ihm die politischen Gegner das hinterher aufdrängen.

Und deshalb mochte man das der zweiten Bürgermeisterin nicht so ganz abnehmen, als sie nach ihrer Wiederwahl, die sie mit nur einer Stimme Mehrheit gegen die SPD-Kandidatin gewann, behauptete: „Das tut mir ja jetzt fast leid." Natürlich, es war als nette, verbale Geste von Katharina von Kleinsorgen (CSU) ihrer SPD-Mitbewerberin Petra Fischer gegenüber gedacht, und wurde auch so verstanden. Eine wirklich nette Geste allerdings wäre es gewesen, die knapp Unterlegene, die immerhin auch bei der Kommunalwahl gegen den Bürgermeister-Amtsinhaber Rupprecht nicht schlecht abschnitt, wenigstens zur dritten Bürgermeisterin zu wählen. Der Demokratie und dem Bürgerwillen wäre damit ein Stück mehr Rechnung getragen worden als durch den Schachzug von Seiten der CSU, den UCSler Gerd Steuer als dritten Bürgermeister vorzuschlagen. Damit wurde Fischer verhindert und der Unabhängige, der ohnehin gern mal mit den Schwarzen stimmt, noch ein wenig fester an die stärkste Fraktion im Rat gebunden.

Wäre der CSU wirklich ein Zacken aus der Krone gebrochen, der beliebten SPD-Frau hier einen kleinen Schritt entgegenzukommen und ihr wenigstens den Job der Repräsentantin zu gönnen? Die Gefahr, dass man sich mit einem solchen symbolischen Akt die eigene politische Mehrheit abgräbt, ist schließlich gleich Null.

Gisa Spandler

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