Rentner in einem Jahr fünfmal angefahren

Haben Radler Narrenfreiheit?

Radler, die älter als zehn Jahre sind, dürfen Gehsteige nur dann nutzen, wenn diese dazu gekennzeichnet sind.
Radler, die älter als zehn Jahre sind, dürfen Gehsteige nur dann nutzen, wenn diese dazu gekennzeichnet sind. | Foto: Fotolia2017/03/Radler.jpg

FEUCHT – Anton Berthold hört nach mehreren Hörstürzen schlecht. Weil er an grauem Star leidet, ist auch sein Augenlicht beeinträchtigt. Radler auf Gehwegen bemerkt er oft erst viel zu spät. Seit April vergangenen Jahres ist der Senior fünfmal angefahren worden – im Eichenhain und auf Bürgersteigen.

Neben seinen Augen- und Ohrenleiden plagt Anton Berthold eine Osteoporose, die ihm Dauerschmerzen in der Hüfte bereitet. Deshalb ist der 70-jährige immer vorsichtig unterwegs, wenn er im Feuchter Eichenhain mit seinem Hund Jana Gassi geht oder sich von seiner Wohnung in der Bahnhofstraße auf den Weg ins Ortsinnere zum Einkaufen macht. Weil er nicht gut hört, bemerkt er dann die Radler, die verbotenerweise auf den Gehwegen fahren und sich von hinten nähern, viel zu spät.

Ich habe schon in vielen Orten gewohnt, aber nirgends ist man so aggressiv im Straßenverkehr wie hier“, sagt der Rentner. „Radfahrer halten sich in Feucht für die Könige des öffentlichen Raums.

Nachdem der Rentner mehrmals angefahren wurde – auch weil er wegen seiner Beeinträchtigungen nicht schnell genug ausweichen konnte -, lässt er sich jetzt nichts mehr gefallen. Immer wenn er einen Radler auf dem Gehsteig sieht, stellt er ihn zur Rede.

Polizei verständigt

Am 20. März traf Berthold im Eichenhain auf eine Fahrradfahrerin, die ihn in der Vergangenheit einmal angefahren hatte. Kurzentschlossen griff er an deren Fahrradkorb und stoppte sie. Woraufhin sich die Frau lautstark beschwerte und mit der Polizei drohte. „Die habe ich dann selbst verständigt“, erzählt Berthold, der die Frau dann bei der wenig später aus Altdorf eintreffenden Streife anzeigte.

Wer im Eichenhain mit dem Fahrrad fährt und erwischt wird, muss 20 Euro Verwarnungsgeld zahlen. Die Wege im Eichenhain sind Fußgängerwege, Radler müssen hier absteigen und ihre Fahrräder schieben. Allerdings sind nicht alle Zugänge als Wege für Fußgänger gekennzeichnet – Wasser auf die Mühlen der Radler, die sich hier freie Fahrt heraus nehmen. Im Rathaus ist das Problem zwischenzeitlich bekannt. Demnächst soll es einen Ortstermin mit der Polizei geben. Dann soll eine Entscheidung in Sachen Beschilderung fallen.

Die Gehsteige in der Hauptstraße sind zwar teilweise besonders breit ausgebaut, dürfen allerdings nur von kleinen Radlern bis zu einem Alter von zehn Jahren mit dem Fahrrad befahren werden. Erwachsene müssen auf der Straße fahren. Daran halten sich aber längst nicht alle Fahrradfahrer. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Konflikten mit Fußgängern, auch mit Ladenbesitzern. In der Friedrich-Ebert-Straße sind dortige Gehsteigbereiche für die Mitbenutzung durch Radler gekennzeichnet, nicht alle. So endet etwa der gemeinsame Fuß- und Radweg etwa 80 Meter vor dem Raiffeiskreisel. In der Bahnhofstraße  wiederum ist der Gehweg streckenweise so breit, dass hier Radler und Fußgänger problemlos nebeneinander Platz hätten, hier ist der Bürgersteig aber allein für die Fußgänger reserviert.

Im Eichenhain sind viele ältere Mitbürger unterwegs, auch gehbehinderte Menschen mit Rollatoren. Hier ist besondere Rücksicht gefordert. Deshalb ist seit geraumer Zeit auch der Feuchter Behindertenbeauftragte Dietmar Knorr über das Problem informiert.

Kontrollen nötig

Berthold hat seine Sorgen mehrmals bei Bürgermeister Konrad Rupprecht vorgetragen. Der kennt die Konflikte und rät, sich lautstark zu beschweren, wenn Radler wieder einmal rücksichtslos auf einem Gehweg unterwegs sind, wo sie nichts zu suchen haben. Könnten nicht die städtischen Mitarbeiter, die die Einhaltung der Parkregeln in Feucht überwachen, auch einmal ein Auge auf Fahrradfahrer werfen, die gegen Verkehrsregeln verstoßen? Berthold will beim Bürgermeister einmal nachfragen.

Den Techniker im Ruhestand ärgert, dass rücksichtslosen Radlern offenbar Narrenfreiheit zugestanden wird. „Wann nimmt man denen den Heiligenschein ab?“ fragt er in Richtung Politik.

Wenn er in der Öffentlichkeit auf dem Gehweg radelnde Mitbürger anspricht, ist er immer wieder entsetzt über die Reaktionen. „Was mir da an Hass und Unverständnis entgegenkommt, verschlägt mir die Sprache.

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