Gerontopsychiatrische Station

„Werdenfelser Weg“ in der Frankenalb-Klinik

Die Frankenalb-Klinik macht sich auf den „Werdenfelser Weg“. | Foto: oloures-Pic - stock.adobe.com2020/08/AdobeStock-97779088.jpeg

ENGELTHAL – Als eines der größten Klinikunternehmen in der Region gehen die Bezirkskliniken Mittelfranken den sogenannten „Werdenfelser Weg“. Auch das Team der gerontopsychiatrischen Station der Frankenalb-Klinik Engelthal hat sich dafür entschieden.

„Mit der Etablierung des Werdenfelsers Wegs hat sich die Frankenalb-Klinik klar positioniert, vermeidbare Freiheitsbeschränkungen konsequent zu unterbinden“, betont Katharina Kopiecny, kaufmännische Leiterin der Frankenalb-Klinik Engelthal.

Verzicht auf Bettgitter

Der „Werdenfelser Weg“ wurde 2007 in Garmisch-Partenkirchen gegründet. Grundgedanke ist es, Fixierungen und freiheitsentziehende Maßnahmen wie Bauchgurte, Bettgitter oder Vorsatztische in stationären Einrichtungen der Altenpflege und für Menschen mit Behinderungen sowie in somatischen und psychiatrischen Krankenhäusern weitestgehend zu vermeiden.

Bereits 2017 haben Landrat Armin Kroder sowie etliche Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen im Nürnberger Land eine freiwillige Selbstverpflichtung unterzeichnet, den „Werdenfelser Weg“ einzuschlagen. Jetzt ist auch das Team der gerontopsychiatrischen Station der Frankenalb-Klinik Engelthal mit an Bord. „Für uns ist es ein sinnvoller und nachhaltiger Weg der modernen und sanften psychiatrischen Versorgung“, erklärt Katharina Kopiecny.

Verfahrenspfleger Gerd Kaiser hat sich für den „Werdenfelser Weg“ schulen und zertifizieren lassen. Gleichzeitig absolvierte sein Kollege Andreas Kopp die sogenannte P.A.I.R.-Weiterbildung. Hinter P.A.I.R. steht ein Programm zur Prävention und Deeskalation. „Wie erkenne ich Aggression und Gewalt und was kann ich tun, um diese zu verhindern? Das sind die zentralen Fragen im beruflichen Alltag“, erklärt er.

Warnzeichen erkennen

Im gerontopsychiatrischen Bereich arbeiten wir mit Menschen, die zum Beispiel an Demenz leiden. Aggressives Verhalten ist hier meist nicht gezielt gegen die Pflegekräfte gerichtet, sondern ein Zeichen von Überforderung oder Angst. Solchen Reaktionen gehen Frühwarnzeichen voraus. Lernen wir diese zu erkennen, können wir schnell deeskalieren“, so Kopp weiter.

So kommen zum Beispiel statt Bettgittern, die verhindern sollen, dass Patienten aus dem Bett fallen und sich verletzen, sogenannte Niederflurbetten zum Einsatz. Diese Betten sind deutlich niedriger, so dass zusammen mit Sensor- und normalen Sturzmatten, die vor den Betten platziert werden, die Sturz- und Verletzungsgefahr deutlich verringert ist. Easywalker geben den Patienten wieder Bewegungsfreiheit. Mit den Gehhilfen können sie sich ohne Gefahr und vor allem ohne fremde Hilfe frei auf den Stationen bewegen. Der Einsatz von Sturzprotektoren sorgt gleichzeitig dafür, eventuelle Sturzfolgen zu minimieren.

Sanfte Psychiatrie

„Der Werdenfelser Weg ist ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit und Philosophie der Klinik, die sich einer sanften Psychiatrie und Psychosomatik verschrieben hat“, erklärt Chefarzt Prof. Dr. Thomas Kraus. In der Frankenalb-Klinik Engelthal werden pro Jahr etwa 2680 Patientinnen und Patienten teilstationär oder stationär versorgt. Im gerontopsychiatrischen Bereich versorgt das multiprofessionelle Team, bestehend aus Medizinern, Pflegekräften und Therapeuten, Menschen des höheren Lebensalters, die beispielsweise an beginnender Demenz, Depressionen oder Ängsten leiden.

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