Eckental hat Wilfried Glässer (FW) verabschiedet

Rathauschef mit Kanten

Wilfried Glässer musste eine deutliche Niederlage hinnehmen. Foto: EN-Archiv2014/05/81605_GlaesserErlangerNachrichten_New_1399104064.jpg

ECKENTAL — 23,1 Prozent. Die Stichwahl am 30. März beendete in Eckental zwar nicht eine Ära, wohl aber eine politisch prägende Zeit. Zwölf Jahre lang war Wilfried Glässer (FW) Bürgermeister der Marktgemeinde, zwölf Jahre zudem Bürgermeister-Stellvertreter. Das Ende seiner Amtszeit hatte sich der „Willi“, wie Parteifreunde ihn nennen, anders vorgestellt. „Ich mache es gerne, sehe mich am richtigen Platz“, hatte Glässer im Wahlkampf gegenüber der PZ gesagt. Die Bürger jedoch wollten ihn nicht mehr auf diesem Platz sehen. Die deutliche Niederlage gegen Ilse Dölle war eine persönliche Abwahl. Denn an der fachlichen Qualifikation des 64-jährigen Juristen hatten sich nie die Geister geschieden.

Als Glässer 2002 in einer Stichwahl ans Ruder kam, übernahm der gebürtige Gunzenhausener die Geschicke der Großgemeinde in schwierigen Zeiten. „Die Lage in Eckental ist zappenduster“, titelte die Pegnitz-Zeitung, als der Marktgemeinderat den Haushalt für 2003 verabschiedete. Elf Millionen Euro Schulden vor allem aus Grundstückskäufen plagten Eckental damals. Nur mit vielen Sparmaßnahmen konnte der Verwaltungshaushalt ausgeglichen werden. Der Vermögenshaushalt musste über Kredite finanziert werden. Zehn Jahre später, im Dezember 2013, verabschiedete der Marktgemeinderat ohne größere Mühen einen Rekord­etat mit Investitionen von über zehn Millionen Euro. Der Rathauschef und seine Verwaltung hatten gut gewirtschaftet.

Es waren wenig öffentlichkeitswirksame und vor allem wenig populäre Maßnahmen, die in die Glässers Amtszeit fielen. Kanalsanierung, Ausbau der Wasserversorgung, Hochwasserschutz: Viele Pflichtaufgaben, die in den Jahren zuvor geschoben worden waren und nun zum Teil von den Bürgern mitfinanziert werden mussten, ging er an. Und wurde nicht müde, deren Wert immer wieder in Bürgerversammlungen und Sitzungen zu betonen. Doch auch die Grundschulen wurden saniert, Kinderkrippen und der Jugendtreff „Gleis 3“ errichtet. Und 2008 die lang ersehnte Umgehung von Eschenau eingeweiht.

Doch das Ohr der Bürger erreichte Glässer in den vergangenen Jahren immer seltener. Vor allem seine häufig ablehnenden Stellungnahmen, wenn es um Ideen und Projekte außerhalb des gemeindlichen Pflichtprogramms und der Fördertöpfe ging, wie etwa den DSL-Ausbau, die Verbesserung der Kinderbetreuung oder die Belebung der Ortsteile, verärgerten die Eckentaler, von denen viele den Rathauschef zunehmend als unnahbar empfanden. In den vergangenen beiden Jahren überlagerten dann negative Schlagzeilen die Sacharbeit der Gemeindeverwaltung.

Eckentals „Prozessrathaus“

Das „Prozessrathaus“ erlangte in der Region Berühmtheit. Schlimm vor allem für diejenigen Mitarbeiter, die mit dem Rathauschef gut zusammenarbeiteten und sich stigmatisiert fühlten. Sie kenne ihn eben auch „anders“, gar nicht herrisch und launisch, sondern zugewandt und umgänglich, sagte damals eine enge Mitarbeiterin, als der juristische Kampf Glässers gegen drei ehemalige Mitarbeiter vors Bundesarbeitsgericht ging und mit Getöse an die Öffentlichkeit gelangte. Rauh, verbissen, rechthaberisch, lauteten andere Urteile. Es waren ebenfalls Rathausmitarbeiter, die die Vorgänge öffentlich gemacht hatten.

Wer in all den Jahren die Sitzungen des Marktgemeinderats und der Ausschüsse verfolgte, erlebte beides: einen stets gut vorbereiteten und fachlich versierten Rathauschef, der seine Meinung ohne Umschweife darlegte, häufiger aber einen zur Ungeduld neigenden Menschen, der Ausführungen von Gemeinderäten gerne mit einem „Sind‘s jetzt fertig?“ niederbügelte und wenig Verständnis für andere Sichtweisen oder Nachfragen zeigte. Auch sein Verhältnis zu den Medien war angespannt, nicht erst seit dem Prozess. Unterlagen zu Sitzungen, Informationen zu Details von Vorgängen der Verwaltung – meist Fehlanzeige. Das beklagten auch viele Ratsmitglieder, die immer wieder eine transparentere Kommunikation anmahnten.

Im Marktgemeinderat hakte es. Gab es in den ersten Jahren unter Glässers Führung oft noch hitzige Diskussionen, war in den letzten Jahren oft eine kalte und lähmende Stimmung zu spüren. Manch einer, dem die Demütigungen und Machtkämpfe zu viel geworden waren, kam nur noch, wenn es sein musste. Eine der wenigen Sternstunden frei von Animositäten war die Entscheidung für den Windkraft­standort bei Herpersdorf 2011. Nach der mehrstündigen Sitzung hatten Marktgemeinderäte wie auch Beobachter das Gefühl, dass an diesem Abend einmal alle Fehden beiseite gelegt worden waren.

Die Abspaltung der UBE von den Freien Wählern, in deren Folge sich die Wählergruppierung in zwei Lager spaltete, besiegelte dann endgültig das Schicksal Glässers. Die Zeichen standen ab dem Zeitpunkt, als die neue UBE-Chefin Dölle ihre Kandidatur verkündete, auf Wechsel, und zwar bei allen Fraktionen mit Ausnahme der Freien Wähler und der SPD, die bis zuletzt dem Rathauschef die Treue hielten. Auch wenn CSU und Grüne eigene Kandidaten benannten, so war doch früh klar, auf wen man sich im Zweifel einigen würde. Davon zeugte dann auch die gemeinsame Anzeige, in der UBE, Grüne und CSU vor der Wahl gemeinsam für einen Neuanfang in Eckental plädierten. Man wolle mehr Zusammenarbeit im Rat, die belastete Stimmung endlich hinter sich lassen, sagte damals eine Markträtin: „Es ist ein wirklich schlimmer Zustand“.

Glässer indes sagt im Gespräch mit der PZ auf die Frage nach seinem Führungsstil, er sei „Bürgermeister und kein Pfarrer“. Er zeigte allerdings auch Einsicht: „Ich bin nicht immer leicht, habe sicher meine Eigenarten.“ Dass zum Job eines Bürgermeisters aber nicht nur rationale und sachliche Entscheidungen gehören, sondern auch der Mut und der Wunsch, auf Menschen zuzugehen, ihnen zuzuhören und Gräben zu schließen, statt zu öffnen, verstand er bis zuletzt nicht. „Hallo geht’s noch“: Unter dieser Überschrift erschien kurz vor der Stichwahl eine Anzeige des Rathauschefs, in der er die Wahlthemen der anderen Parteien als „Show“ abqualifizierte.

Am Ende zollten die Marktgemeinderäte dem Rathauschef dennoch Respekt. In der letzten Sitzung Mitte dieser Woche, in der Glässer mit der Bürgermedaille der Gemeinde ausgezeichnet wurde, standen zum Schluss alle Räte auf und applaudierten. Zweiter Bürgermeister Konrad Gubo lobte die Verdienste des Rathauschefs und nannte ihn einen „überzeugten Verfechter der kommunalen Selbstverwaltung“ und engagierten Vorsitzenden, der um das Wohl des Markts Eckental gekämpft und sich kaum Auszeiten gegönnt habe. Doch dann leerte sich der Sitzungssaal schnell. Am vorbereiteten Umtrunk nahmen nur wenige teil.

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