Ermittler suchen Ursache für Bruchlandung

Polizisten untersuchen das in eine Schlucht bei Oedhof abgestürzte Segelflugzeug. Schwierig war angesichts des unwegsamen Geländes vor allem die Rettung des verletzten Piloten. Foto: News5/Grundmann2012/05/43537_segelfliegerabsturzoedhof_New_1337414464.jpg

LILLINGHOF/OEDHOF — Polizei und Flugunfallermittler untersuchen die Bruchlandung eines Segelflugzeugs am Donnerstagmittag in der Nähe des Lillinghofer Flugplatzes. Der 76-jährige Pilot ist wohl nicht schwerer verletzt – obwohl er mit seiner Maschine zunächst mehrere Bäume touchiert hat und dann in eine kleine Schlucht gestürzt ist.

Der Unfall ereignete sich kurz nach dem Start des Segelflugzeugs in Lillinghof gegen 11.30 Uhr. Die Maschine, in deren Cockpit ein 76-jähriger Laufer saß, wurde von einem motorisierten Schleppflugzeug in die Höhe gezogen. Über Oedhof löste sich das Kunststoffseil, das die beiden Flugzeuge verband.

Der 76-Jährige versuchte eine sogenannte Außenlandung – ein Manöver,auf das Segelflieger in ihrer Ausbildung vorbereitet werden. Allerdings war seine Flughöhe nach Polizeiangaben so gering, dass er ein naheliegendes Feld nicht mehr erreichte. Das Segelflugzeug setzte auf mehreren Bäumen auf und stürzte schließlich in die Schlucht.

Von dort mussten Feuerwehrleute aus Forth und Benzendorf zusammen mit dem Technischen Hilfswerk aus Baiersdorf und Sanitätern den Mann retten, der sich noch aus eigener Kraft aus seinem Cockpit befreit hatte. Das Schleppflugzeug kreiste derweil über dem Absturzort, um ihnen den Weg zu weisen.

Mathias Sperl, der Vorsitzende des Segelflugclubs Lauf, der den Lillinghofer Flugplatz betreibt, war einer der ersten Helfer, die den Unfallort erreichten. Der Pilot sei mit bleichem Gesicht auf der Tragfläche gesessen, beschreibt er. Ein Radfahrer, zufällig Zeuge des Geschehens, habe sich um ihn gekümmert. Der 76-Jährige wurde schließlich mit einer speziellen Trage aus dem unwegsamen Gelände gebracht. Inzwischen steht fest: Er hat keine inneren Verletzungen davongetragen.

Dies führt Robert Sandmann, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken, auf die geringe Geschwindigkeit zurück, mit der das Flugzeug unterwegs gewesen sei. Zudem habe der Waldboden den Aufprall gedämpft. Der Sachschaden allerdings beträgt rund 15 000 Euro.

Die Polizei, die über eigens ausgebildete Beamte – sogenannte Luftfahrtsachbearbeiter – verfügt, hat die Ermittlungen aufgenommen. Außerdem waren Experten der Braunschweiger Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vor Ort. Deren Expertise, so Sandmann, sei maßgeblich. Ob eine Straftat wie etwa fahrlässige Körperverletzung vorliege, sei derzeit nicht abzuschätzen: „Wem welcher Vorwurf gemacht wird, steht noch nicht fest.“

Der Flugschreiber wurde sichergestellt. Vom Schleppseil allerdings fehlt jede Spur. Es habe sich von beiden Flugzeugen gelöst und sei wohl im Wald gelandet, so Sperl vom Segelflugclub. Nach seinen Beobachtungen ist der Kunststoff nicht gerissen. Befestigt war das Seil über Kupplungen, also Metallringe, die durch Haken an den Maschinen gehalten werden. Die Kupplung des Segelflugzeugs sei so konstruiert, dass sie das Seil freigebe, wenn der Zug nachlasse, sagt der Vereinsvorsitzende. Trifft all dies zu, ist eine plausible Erklärung: Die Kupplung des Schleppflugzeugs hat sich geöffnet. Die Ermittler müssen jetzt klären, wie es dazu kommen konnte.

„Entscheidung unter Zeitdruck“

Die Experten sprechen ausdrücklich nicht von einem Absturz. Zu einem solchen, sagt Sperl, gehöre eine „unkontrollierbare Fluglage“. Der 76-jährige Pilot habe seine Maschine aber noch steuern können. Er habe eine „Entscheidung unter Zeitdruck“ fällen müssen: Wo aufsetzen?Außenlandungen sind zwar nicht alltäglich, kommen laut Mitgliedern des Segelflugclubs jedoch vor. Ihre Flugzeuge verfügen über keinen eigenen Antrieb und Aufwinde können auch nachlassen.

Den Verein trifft der Unfall hart, er kämpft noch immer mit den Folgen des Flugunglücks vor eineinhalb Jahren. Damals war ein historischer Doppeldecker beim Flugtag in die Zuschauermenge gerast und hatte eine 46-Jährige getötet. 38 Menschen wurden verletzt. Inzwischen erinnert ein Gedenkstein auf dem Flugplatz an das Ereignis. Sperl angesichts des aktuellen Unfalls: „Das hätte es nicht gebraucht.“

Andreas Sichelstiel

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren