Neue Heimat am Alten Kanal

Echsil im Faberwald

Die Zauneidechsen werden umgesiedelt. | Foto: Ian Kirk2019/03/Schwarzenbruck-Eidechse.jpg

SCHWARZENBRUCK/NÜRNBERG – Auf einer rund 100 Hektar großen Fläche im Bereich des ehemaligen Nürnberger Güterbahnhofs entsteht der neue Stadtteil Lichtenreuth. Hier wird auch die neue Technische Universität Nürnberg angesiedelt. Umgesiedelt dagegen werden die auf dem Gelände lebenden Tierarten. Unter anderem die Zauneidechsen, deren Bestand in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück gegangen ist. Die Tiere sollen von erfahrenen Zoologen eingefangen und im Wald bei Schwarzenbruck ausgesetzt werden.

Zauneidechsen brauchen einen ganz bestimmten Lebensraum – offene Waldflächen mit vielen Sonnenplätzen, sandige Bereiche und Böden, die nicht von Vegetation bedeckt sind. Der Wald zwischen Altem Kanal und B 8 mit seinem dichten Bodenbewuchs bietet diese Voraussetzungen nicht überall. Deshalb haben Waldarbeiter im Auftrag der Faber-Castell‘schen Forstverwaltung nun auf einer rund 20 Hektar großen Waldfläche einen Lebensraum geschaffen, in dem sich die in Nürnberg gefangenen Zauneidechsen wohl fühlen sollen. Sie haben kleine Lichtungen geschaffen und Dünenstrukturen freigelegt sowie Böden teilweise von Vegetation befreit.

Sieht wüst aus, macht aber Sinn: Waldarbeiter haben die Bodenvegetation im Faberwald stellenweise abgetragen und so offene Sandflächen für die Zauneidechsen geschaffen.2019/03/Scharzenbruck-Eidechsen-Wald.jpg

Der Projektentwickler Aurelis plant in Nürnberg auf dem ehemaligen Bahngelände den neuen Stadtteil Lichtenreuth. In diesem Zug hat er mit dem Wald-Eigentümer Faber-Castell einen Vertrag über die Umsiedelung der Zauneidechsen in den Wald am Alten Kanal geschlossen. Die Faber-Castell‘sche Forstverwaltung muss demnach über mindestens 20 Jahre gewährleisten, dass der Dürrenhembacher Wald seine Funktion als Eidechsen-Habitat behält. Dazu müssen die Forstleute regelmäßige Pflegemaßnahmen durchführen, damit die Flächen nicht mehr zuwachsen.

Mehr Populationen im Kreis

Sandboden und offene Flächen gibt es schon jetzt im Dürrenhembacher Wald und damit auch Zauneidechsen-Populationen. Welchen Nachweis will man führen, dass sich der ganze Aufwand überhaupt gelohnt hat? Und wie will man die Bestände kontrollieren? Dafür ist ein aufwändiges Kontrollverfahren über einen Zeitraum von 20 Jahren vorgesehen. Zum einen wird regelmäßig geprüft, wie sich die für die Eidechsen hergerichteten Flächen entwickeln, von heuer an über vier Jahre jährlich, dann alle drei Jahre. Außerdem zählen Zoologen die Zauneidechsen in ihrem neuen Habitat und beobachten, wie sich die Population entwickelt.

Spaziergänger können sich auf Hinweistafeln über die Umsiedelungsaktion im Wald am Alten Kanal informieren2019/03/Schwarzenbruck-Eidechsen-Schild.jpg

Die zuständige Naturschutzbehörde am Landratsamt in Lauf war bei der Erstellung des Kontrollkonzepts mit im Boot. Im Nürnberger Land gibt es viele Eidechsen-Habitate: auf Wiesen und Steinhaufen, an sandigen Bahndämmen, etwa bei Ezelsdorf, an Straßenböschungen oder auf dem Treidelweg am Alten Kanal sind die Reptilien immer wieder anzutreffen. Bleibt der Lebensraum der Eidechsen ungestört, zeigen die Tiere eine große Standorttreue.

Sonnenbaden ist überlebenswichtig

In den späten Morgenstunden kriechen sie auf einen Stein oder eine Mauer und tanken dann ausgiebig Sonnenstrahlen, um ihren Kreislauf anzukurbeln. Reptilien sind wechselwarme Tiere. „Richtig durchgewärmt, huschen sie auf der Mauer umher und fangen Fliegen, Heuschrecken und andere Insekten“, erklärt Wolfgang Dötsch, Biologe des Bundes Naturschutz. Regelmäßiges Sonnenbaden ist für die Eidechsen überlebenswichtig. Erst ab 30 Grad ist das nicht mehr nötig.

Zauneidechsen fressen vor allem Insekten und deren Larven, Wanzen, Ameisen sowie Spinnen und Regenwürmer. Sie trinken von Tau- und Regentropfen. Bei großer Hitze, schlechtem Wetter sowie nachts verkriechen sie sich in ihren Unterschlüpfen. Zu ihren natürlichen Feinden gehören Greifvögel, Rabenvögel, Stare, Fasane, Amseln, Marder, Füchse und Igel.

N-Land Alex Blinten
Alex Blinten