Mitarbeiter wurden heute informiert

Bolta-Werke melden Insolvenz an

Am Dienstagmittag wurden die Mitarbeiter der Diepersdorfer Bolta-Werke über die Insolvenz informiert. | Foto: Freiberger2021/09/Bolta-diep-insolvenz-fahnen-scaled.jpg

DIEPERSDORF — Einer der größten Arbeitgeber im Nürnberger Land steckt in der Krise: Die Diepersdorfer Bolta-Werke haben Insolvenzantrag gestellt.

Über die Insolvenz wurden die über 1000 Mitarbeiter des Automobilzulieferers am Standort Diepersdorf heute Mittag informiert. Noch ist unklar, was die Nachricht für sie bedeutet, ob sie um ihre Stellen fürchten müssen. Der Geschäftsbetrieb läuft derzeit „ohne Unterbrechungen in vollem Umfang“ weiter, heißt es. Über das sogenannte Insolvenzgeld, das von der Bundesagentur für Arbeit bezahlt wird, sind die Gehälter für drei Monate gesichert.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter hat das zuständige Amtsgericht Volker Böhm bestellt, den Leiter der Nürnberger Niederlassung der Kanzlei Schultze & Braun. Er sieht „gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Neuaufstellung“.

Gewerkschaft hofft auf Investor

„Hoffentlich wird sich jemand finden, der das Unternehmen weiterführt, hoffentlich mit allen Beschäftigten“, sagt Roland Nosko von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Alles andere „wäre für die Region ein Hammerschlag“.

Nosko, der Bezirksleiter der IG BCE, weist auf die schwierige Situation der Automobilindustrie hin. „Gerade die Zulieferer sind nicht auf Rosen gebettet, sie haben schon in guten Zeiten keine zweistelligen Margen, da läuft viel über Kredite“, sagt er.

Tatsächlich ist im erst im März dieses Jahres veröffentlichten Geschäftsbericht 2019 der Bolta-Werke die Rede davon, dass 2020 mit einer „deutlichen Reduzierung der Umsatzerlöse“  und einem negativen Jahresergebnis zu rechnen sei. Die Auswirkungen der Coronakrise hätten branchenweit zu erheblichen Einbrüchen der Verkaufszahlen geführt, hinzu komme ein beispielloser Transformationsprozess hin zu Elektro- und Hybridfahrzeugen.

Halbleiterkrise als Ursache

Als Ursache für die aktuelle Schieflage des Unternehmens sieht die Geschäftsführung aber die Halbleiterkrise – es mangelt an Chips. Einige Kunden hätten daraufhin den Abruf von Aufträgen verschoben, was zu einem massiven Umsatzeinbruch geführt habe. Finanziell habe man diesen nicht mehr auffangen können.

Sich selbst bezeichnet Bolta als „Spezialist in der Veredelung von Kunststoffbauteilen“. Das Unternehmen liefert vor allem verchromte Außenelemente für die Fahrzeuge großer Hersteller wie Audi oder Mercedes Benz: Kühlergrills etwa, Typenschilder oder Zierleisten.

Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis

Bolta hat nach eigenen Angaben rund 1000 Mitarbeiter am Diepersdorfer Stammsitz. Gemessen an der Zahl der Beschäftigten handelt es sich damit um eines der größten Unternehmen im Nürnberger Land. Firmentöchter gibt es im Süden der USA und in Mexiko. Weltweit arbeiten 2400 Menschen für die Bolta-Gruppe, deren Umsatz im vergangenen Jahr bei rund 230 Millionen Euro lag. Die ausländischen Gesellschaften sind nicht von der Insolvenz betroffen.

Seit 1964 ist der Automobilzulieferer in Dieperdorf ansässig, er wurde bereits 1921 in Nürnberg gegründet, stellte damals noch Kämme aus Kunststoff und Aluminium her. 1985 kaufte die britisch-indische Familie Puri über ihre Unternehmensgruppe die Bolta-Werke. Die Purico-Gruppe hat ihren Sitz in Nottingham.

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