AfD, Linke und ÖDP drin, Republikaner draußen

27 neue Kreisräte

Die CSU bleibt stärkste Kraft im neuen Kreistag. An zweiter Stelle kommen die Freien Wähler, dann die Grünen. Die SPD hat sechs Sitze verloren. | Foto: Sichelstiel2020/03/kreistag-neu-2020.jpg

Wenn der neue Kreistag im Mai zusammentritt, wird vieles anders sein. Erstmals sind neun Listen vertreten, 27 der 70 Sitze im Gremium sind am vergangenen Sonntag neu vergeben worden. Mit AfD, ÖDP und Linke sind drei Parteien erstmals in den Kreistag eingezogen, eine ist dafür nach 30 Jahren Zugehörigkeit wieder draußen: Die Republikaner haben mit weniger als einem Prozent der Stimmen das Nachsehen.


Überraschend kommt das nicht, schließlich trat diesmal erstmals im Nürnberger Land die rechtspopulistische AfD an, die den anderen rechtsaußen verorteten Parteien bundesweit seit Jahren Stimmen abluchst. Die AfD erhielt auf Anhieb vier Sitze. Auch der Landtagsabgeordnete Ralph Müller aus Altdorf, der im Münchner Maximilianeum schon mehrfach unangenehm aufgefallen ist, sitzt künftig im Kreistag.

Die weiteren beiden Newcomer sind die Linke und die ÖDP, die es jeweils ganz knapp ins Gremium geschafft haben und je einen Kreisrat stellen. Die größten Verluste musste die SPD hinnehmen. Mit 16 Kreisräten war sie bisher zweitstärkste Kraft im Gremium, doch nach der Wahl fällt sie auf Rang Vier zurück. Künftig werden nur noch zehn Genossen die Fahne der Sozialdemokratie im Kreistag hochhalten. Großer Profiteur sind die Grünen, die fünf Sitze dazugewinnen und künftig 14 Kreisräte stellen.


CSU weiter stärkste Kraft

Wenig Bewegung gab es bei den bürgerlich-konservativen Parteien. Die CSU bleibt stärkste Kraft, verliert allerdings zwei Sitze und stellt künftig 22 Kreisräte. Die Freien Wähler stellen weiter 15 Volksvertreter. Sie sind durch die verlorenen Stimmen der SPD nun zweitstärkste Fraktion.

Die FDP und die Bunte Liste haben den Wiedereinzug in das Gremium geschafft. Die Liberalen bleiben bei zwei Sitzen. Landratskandidatin Kristine Lütke zieht ins Gremium ein. Die Bunte Liste verliert einen Sitz. Angelika Pflaum heißt die neue Kreisrätin.

Viele neue Gesichter

Bei der CSU haben es viele bekannte Gesichter wieder in das Gremium geschafft, von der Europaparlamentsabgeordneten Marlene Mortler über den Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel bis zu den Bürgermeistern Frank Pitterlein, Klaus Falk, Heinz Meyer und Michael Schmidt. Gerade noch hat es die Schnaittacherin Lisa Bezold von der Jungen Union geschafft. Sechs bisherige Kreisräte sind nicht mehr dabei: Kurt Eckstein, Andreas Kögel, Veronika Nette, Erich Odörfer, Konrad Rupprecht und Josef Springer.

Bei den Freien Wählern hat die Lauferin Julia Hacker Glück: Sie rückt für Armin Kroder nach, der die meisten Stimmen in seiner Liste hat, aber als Landrat wiedergewählt wurde und daher nicht zur Fraktion gehört. Ruth Thurner aus Schwaig und Joachim Lang aus Leinburg, die als Bürgermeister nicht mehr angetreten sind, sitzen weiterhin im Kreistag. Weitere bekannte Namen sind Hersbrucks Bürgermeister und Fraktionssprecher Robert Ilg, Laufs dritter Bürgermeister Thomas Lang sowie Röthenbachs Bürgermeister und Kreisvorsitzender Klaus Hacker. Klaus Hähnlein, Hartmut Herzog, Andreas Tiedtke und Adolf Pohl scheiden aus.

Die meisten Stimmen bei den Grünen bekam Laufs Bürgermeister Benedikt Bisping. Seine Partei stellt sieben neue Kreisräte, unter anderem den Schnaittacher Ortssprecher Paul Raab. Der Röthenbacher Thiemo Graf scheidet hingegen mit 20 Stimmen weniger als Raab aus dem Gremium aus, auch Ulrike Eyrich ist nicht mehr dabei.

Schweikert rutscht noch rein

Die SPD verliert sechs Sitze. Satte neun Genossen sind nicht mehr im Kreistag vertreten, teils, weil sie nicht mehr kandidierten, wie der stellvertretende Landrat Norbert Reh, teils, weil sie nicht genug Stimmen bekamen wie der Schnaittacher Ulrich Weber. Auch Elfi Beck, Ernst Bergmann, Dr. Thomas Beyer, Bernd Ernstberger, Iris Reiß, Dr. René Tomingas und Erwin Unfried sind nicht mehr dabei. Neu dabei ist unter anderem der Altdorfer Juso Jan Plobner. Georg Schweikert aus Lauf hat es mit den zehntmeisten Stimmen gerade noch ins Gremium geschafft.

Die fünf kleinsten Listen (AfD, FDP, Bunte Liste, ÖDP, Linke) schicken neun Kandidaten und zwar allesamt neue Gesichter in den Kreistag. Nicht mehr dabei sind Karlheinz Herrmann und Manfred Dauphin (FDP), Hans-Joachim Dobbert und Thomas Winter (Bunte Liste) sowie Leo Meier und Heinz Pflaumer von den Republikanern, die gar nicht mehr im Kreistag vertreten sind.

Wer arbeitet mit wem zusammen?


Eine Zusammenarbeit der CSU und der SPD, wie sie 2014 beschlossen wurde, ist durch die Verluste der beiden Parteien vom Tisch. Die Volksparteien stellen bisher 40 der 70 Sitze, künftig sind es nur noch 32. Stattdessen wäre ein bürgerliches Bündnis aus CSU und Freien Wählern denkbar (37 von 70 Sitzen).

Stimmen zum Kreistag

Landrat Armion Kroder sagte, der Kreistag sei künftig „erwartungsgemäß vielseitiger aufgestellt“. Er hofft, dass auch weiterhin viele Beschlüsse mit einer breiten Mehrheit gefällt werden können. „Es geht um die Sache“, nicht zwingend immer nur darum, aus welcher Fraktion ein Vorschlag komme. In Richtung AfD sagte Kroder, er werde weiterhin auf einen respektvollen Umgangston achten. „Ich hoffe, dass wir uns darauf verständigen.“ Sollte die AfD mit dem Landtagsabgeordneten Ralph Müller mit provozierenden Äußerungen auffallen, würde das „dem Image des Landkreises nicht guttun“.

CSU-Fraktionssprecherin Cornelia Trinkl kündigte an, „für Gespräche mit allen demokratischen Parteien offen“ zu sein. Es brauche einen großen politischen Konsens, auch im Hinblick auf dem Umgang mit der aktuellen Corona-Pandemie.

Das Ergebnis spiegele einen „klaren Trend zur Zersplitterung“ wider. Unter diesen Vorzeichen seien die 22 Sitze für die CSU „ein gutes Ergebnis, wir sind klar stärkste Kraft“. Linke und AfD bezeichnete sie als „extreme Parteien“.

Ilg will nicht mit der AfD sprechen

FW-Fraktionssprecher Robert Ilg betonte, seine Partei sei „bereit, sich mit allen zu unterhalten, mit Ausnahme der AfD“. In den vergangenen Jahren hätten alle Fraktionen grundsätzlich gut zusammen gearbeitet. Die Freien Wähler hatten sich zwei Ziele gesetzt: Einen oder mehrere Sitze dazuzugewinnen und zweistärkste Kraft zu werden. Letztlich erfüllte sich nur der zweite Wunsch.

Gabriele Drechsler, die Grünen-Fraktionssprecherin, ist zufrieden mit dem Wahlausgang. Man habe auf 15 Sitze gehofft, die wurden fast erreicht. Wie erklärt sie sich den Erfolg der Grünen bei dieser und anderen Wahlen? „Wir verfolgen unsere Themen ganz konsequent weiter, wir sagen ganz klar, was Sache ist und wo wir hin wollen“. Das sei glaubwürdig. Neue Grünen-Ortsvereine im ländlichen Raum zeigten, dass die Partei längst nicht mehr nur in Städten populär sei. In Bezug auf die AfD sagte Drechsler, „unter Umständen wird der Ton ein bisschen rauer werden“. Die Republikaner seien nicht in Erscheinung getreten, das könne sich mit der AfD nun ändern. „Die demokratischen Parteien stehen beieinander.“

Anders ist die Gemütslage bei der SPD. Fraktionssprecher Alexander Horlamus bezeichnete den Wahlausgang als „unerfreulich“. Zu den Verlusten hätte sicher der bundesweite Negativtrend der SPD beigetragen, aber auch das Fehlen eines Landratskandidaten habe wohl eine Rolle gespielt. Zugpferde vergangener Wahlen wie der Awo-Landesvorsitzende Thomas Beyer und der stellvertretende Landrat Norbert Reh, die beide nicht mehr kandidierten, hätten gefehlt. Zudem fische der sehr populäre Landrat Armin Kroder Stimmen im SPD-Wählerpotential.

AfD hatte sich mehr erhofft

Die AfD schafft zwar mit vier Abgeordneten den Einzug in den Kreistag, jubelt aber nicht. „Das ist ein relativ schlechtes Ergebnis, wir hatten uns mehr errechnet“, gibt Klaus Norgall unumwunden zu. Der Feuchter war als Kreisvorsitzender der AfD auf Platz Eins der Kreistagsliste. Verschiedene Ereignisse aus den vergangenen Monaten – Norgall nennt Halle und Hanau – seien zu Unrecht mit der AfD in Verbindung gebracht worden. Beim Wähler habe zudem Wirkung gezeigt, dass der Verfassungsschutz den sogenannten „Flügel“ nun als rechtsextrem einschätzt.

Die FDP hatte sich einen oder zwei Sitze mehr erhofft. Insofern ist es „ein bisschen schade“, dass die Liberalen weiter nur zwei Kreisräte stellen, sagte Kristine Lütke. Sie zieht als Spitzenkandidatin in den Kreistag ein. Sie kündigte an, „alles dafür zu tun“, dass die FDP im Kreistag wahrgenommen wird und Themen setzen kann. Der Leiterin eines Laufer Pflegeheims ist das Thema Gesundheitsversorgung wichtig, „das wird uns weiter begleiten“.


Bunte Liste nicht zufrieden

Einen Sitz verloren hat die Bunte Liste. Kreisvorsitzender David Filgertshofer sieht eine „klare Wahlniederlage“, man habe sich vier Sitze erhofft, nun ist es nur einer, den Angelika Pflaum ergatterte. Die Bunte Liste müsse dringend daran arbeiten, in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, so Filgertshofer. Vor sechs Jahren waren noch Mitglieder der Linken und der ÖDP in der Bunten Liste, beide traten diesmal alleine an und bekamen je einen Sitz.

Bei der ÖDP hat es der stellvertretende Kreisvorsitzende Walter Stadelmann ins Gremium geschafft. „Wir haben uns einen zweiten Sitz erhofft“, so der Schwarzenbrucker. Diesmal als eigene Liste anzutreten habe sich aber als richtig herausgestellt. „Seit dem Volksbegehren für den Artenschutz spüren wir einen Aufwärtstrend.“

Linken-Kreissprecherin Evelyn Schötz ist sehr zufrieden, dass ihre Partei gleich beim ersten Versuch ins Gremium gewählt wurde. Die Schwaigerin sitzt künftig im Kreistag und will sich für sozial Benachteiligte einsetzen und die Themen Integration und Inklusion vertreten.

Die letzte Sitzung des aktuellen Kreistags ist für den 27. April geplant, der neue Kreistag soll am 4. Mai zusammentreten.

Der neue Kreistag (Stimmen in Klammern)


CSU: Marlene Mortler, Lauf (51848), Norbert Dünkel, Hersbruck (51355), Cornelia Trinkl, Röthenbach (48120), Bernd Eckstein, Altdorf (34917), Norbert Thiel, Hersbruck (32743), Frank Pitterlein, Schnaittach (31730), Betty Schmidt, Offenhausen (30747), Klaus Falk, Ottensoos (29556), Michael Schmidt, Winkelhaid (29154), Karin Müller, Schnaittach (28995), Günther Felßner, Lauf (28598), Heinz Meyer, Burgthann (28436), Dr. Otto Wolze, Hersbruck (27594), Marion Fischer, Winkelhaid (neu, 27259), Thomas Ritter, Burgthann (27228), Peter Uschalt, Hersbruck (27089), Norbert Maschler, Lauf (26344), Beate Schmidt, Leinburg (neu, 25428), Helmut Brückner, Happurg (25249), Bernd Müller, Vorra (24950), Thomas Kramer, Altdorf (neu, 24932), Lisa Bezold, Schnaittach (neu, 24392).


Freie Wähler: Robert Ilg, Hersbruck (35520), Thomas Lang, Lauf (27569), Klaus Hacker, Röthenbach (24909), Angelika Feisthammel, Burgthann (23030), Ingrid Kroder, Neunkirchen (22886), Klaus Albrecht, Kirchensittenbach (neu, 22413), Dr. Martin Seitz, Lauf (22341), Bernd Bogner, Happurg (neu, 21666), Werner Wolter, Hartenstein (21515), Ruth Thurner, Schwaig (21272), Perry Gumann, Simmelsdorf (20415), Adalbert Loschge, Altdorf (20199), Joachim Lang, Leinburg (20091), Thomas Dietz, Altdorf (neu, 19494), Julia Hacker, Lauf (neu, 18633).


Grüne: Benedikt Bisping, Lauf (34212), Gabriele Drechsler, Schwarzenbruck (25991), Horst Topp, Altdorf (21327), Marcus Seitz, Hersbruck (neu, 21296), Lydia Hufmann-Bisping, Lauf (19960), Christa Heckel, Hersbruck (19623), Christiane Lischka-Seitz, Burgthann (neu, 19231), Eva Kneißl, Lauf (neu, 19164), Margit Kiessling, Altdorf (18409), Eckart Paetzold, Altdorf (17794), Elisabeth Altmann, Pommelsbrunn (neu, 17072), Gabriele Beer, Simmelsdorf (neu, 16723), Christian Puppa, Hersbruck (neu, 16189), Paul Raab, Schnaittach (neu, 15788).


SPD:
Andrea Lipka, Simmelsdorf (27023), Martina Baumann, Neunkirchen (20015), Alexander Horlamus, Lauf (19677), Jörg Fritsch, Pommelsbrunn (16284), Bruno Schmidt, Reichenschwand (15644), Martin Tabor, Altdorf (neu, 15572), Karin Völkl, Altdorf (14696), Jan Polbner, Altdorf (neu, 13249), Lea Wölfel, Hersbruck (neu, 13239), Georg Schweikert, Lauf (13224).


AfD: Klaus Norgall, Feucht (neu, 13763), Dr. Ralph Müller, Altdorf (neu, 13309), Johann Hauenstein, Pommelsbrunn (neu, 12770), Norbert Ebnet Leinburg (neu, 12746)
FDP: Kristine Lütke, Lauf (neu, 5851), Alexander von Hoffmann, Altdorf (neu, 3331)
Linke: Evelyn Schötz, Schwaig (neu, 6836)
Bunte Liste: Angelika Pflaum, Hersbruck (neu, 4812)
ÖDP: Walter Stadelmann, Schwarzenbruck (neu, 6309)

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