Los Angeles Guitar Quartet bereitet einen grandiosen Abend

Zauberei auf 25 Nylonfäden: Grammy-Gewinner begeistern

Bereits zum dritten Mal war das Los Angeles Guitar Quartet mit Scott Tennant, John Dearman, William Kanengiser und Matthew Greif Gast des Internationalen Gitarrenfestivals Hersbruck. Die Erwartungen an die Grammy-Gewinner in der Dreifachturnhalle waren hoch und wurden nicht enttäuscht. Foto: Rudolf Pflaumer2014/08/5_2_3_2_20140816_GRAMMY.jpg

HERSBRUCK – Bereits zum dritten Mal war das Los Angeles Guitar Quartet mit Scott Tennant, John Dearman, William Kanengiser und Matthew Greif Gast des Internationalen Gitarrenfestivals Hersbruck. Die Erwartungen an die Grammy-Gewinner waren hoch und wurden nicht enttäuscht – es war einmal mehr ein grandioser Abend.

„..music unites“ – dieses offizielle Motto des Hersbrucker Festivals erwies sich an diesem Abend in der bestens gefüllten Dreifachturnhalle mehrfach als zutreffend. 1. Bürgermeister Robert Ilg würdigte in seiner Begrüßung die gemeinsamen Anstrengungen von Konzertbesuchern, Stadt und Sponsoren für den Erhalt des Festivals und seiner besonderen Qualität. Er hieß die Ehrengäste willkommen und gratulierte einer prominenten Hersbrucker Ehrenbürgerin zum Geburtstag an diesem 13. August (diesem denkwürdigen Jahrestag des innerdeutschen Mauerbaus, der die Einheit unseres Landes für Jahrzehnte in Frage stellte – Ironie des Schicksals!). Der künstlerische Leiter Johannes Tonio Kreusch verwies auf die internationale Musiker-Elite, die sich anlässlich dieses Festivals in Hersbruck zusammenfindet. Dass Musik nicht nur Menschen verschiedener Herkunft, Denkweise und Kultur vereinen kann, nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche Grenzen überwindet und somit Jahrhunderte im Hier und Jetzt vereint, bewiesen dann die Gäste aus Kalifornien mit einer subtil gestalteten Programmfolge.

„Terpsichore“, der griechischen Muse des Tanzes, widmete Michael Praetorius seine 1612 erschienene Sammlung populärer Tänze. Eine kleine bunte Auswahl von Bransles, Boureen, Couranten, Gavotten und Volten musizierte das Ensemble je nach Charakter streng, charmant, gemessen oder übermütig, barocke „Affekte“ genüsslich zelebrierend. Igor Strawinskys „Pulcinella“-Suite basiert auf Melodien des Barockkomponisten G. B. Pergolesi; mit der Transkription für vier Gitarren hat diese Musik also die dritte Metamorphose erlebt – beim LAGQ klingt sie, als wäre es die Originalfassung.

Auch die sinfonischen Herausforderungen der 2. „Ungarischen Rhapsodie“ von Franz Liszt sind für diese Musiker kein Hindernis. Verblüfft fragt man sich, wie sie das auf ihren 25 Nylonfäden (J. Dearman spielt ein 7-saitiges Instrument) fertigbringen. Eine Teilantwort ist sicher in den gekonnten „hausgemachten“ Transskriptionen zu finden.

Nach der Pause dann die erste Originalkomposition: „Music in four sharps“ des amerikanischen Komponisten Ian Krouse. Auch er bezieht sich auf eine alte europäische Weise, die „Frog Gaillard“ des englischen Meisters John Dowland. Raffiniert wird das ostinat wiederholte 8-taktige Thema wie eine Chaconne variationstechnisch weiterentwickelt bis in die Sphären der Minimal-Music. In den Händen des LAGQ wird dies zu einer ausgesprochen spannenden Angelegenheit.

Standen die bisherigen Programmpunkte unter dem gemeinsamen Aspekt eines historischen Bewusstseins, einer emanzipierten Liebe zur musikalischen Tradition, so vermittelte der „World Tour“ genannte Schlussblock eher ein Gefühl ungebundener Freiheit. Während die Musiker ihre Instrumente mit rätselhaften Kleinteilen präparierten, erläuterte W. Kanengiser die musikalischen Reiseziele. Seine Komposition „Gongan“ ist eine perfekte Imitation indonesischer Gamelanmusik, in Gerald Garcias „Spring Snow“ hört man eine chinesische Laute. „La Fiesta de la Tirana“ von Horacio Salinas wird in Chile gefeiert, Baden Powells „Samba Novo“ in Brasilien getanzt. Mit „Celtic Fare“ von Scott Tennant und Simon Jeffes ging die Fahrt zurück nach Europa, nach Schottland und Irland.

Die einhellige Begeisterung für das humorgeladene, locker-virtuose und intelligente Spiel erforderte natürlich Zugaben. Etwas hinterhältig: die Verbeugung vor einem berühmten Nürnberger Komponisten und seinem populärsten Werk. „Pachelbel´s Loose Canon“, von den vier „liederlichen Gesellen“ so frech wie formvollendet präsentiert, hätte wohl auch dem alten Johann ein Lächeln entlockt. Schließlich noch die dämonische „Danza Ritual“ aus Manuel de Fallas Ballett „El Amor Brujo“, umwerfend musiziert vom sicherlich einmaligsten Gitarrenquartett der Welt.

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