Fitzgerald Kusz und Klaus Brandl im Dehnberger Hoftheater

Wortakrobat trifft Saitenvirtuose

Zärtliche Hommage an die fränkische Mundart: Klaus Brandl und Fitzgerald Kusz im Dehnberger Hof Theater. | Foto: Vinzenz R. Dorn2020/02/Kusz-und-Brandl-DHT.jpg

DEHNBERG – Fitzgerald Kusz mit seinem Sprechgesang und Klaus Brandl an der Gitarre traten bei der Fränkischen Woche gemeinsam im Dehnberger Hoftheater auf. Bei der Gelegenheit bekam das Publikum auch Stücke ihrer neuen, gemeinsamen CD zu hören.

Im zarten Alter von 75 Jahren hat es ihn jetzt auch der erwischt, den Fitzgerald Kusz. Nein, nicht das Coronavirus, sondern die Punkteritis. Stadt. Land. Kusz. heißt die neue CD, frei nach dem Kinder-Quiz Stadt, Land, Fluss. Und sein kongenialer Partner Klaus Brandl ist ganz unter den Tisch gefallen, Gott sei Dank aber nur im Titel.

Quicklebendig und bestens aufgelegt

Auf der Bühne im Dehnberger Hoftheater steht er neben Kusz, beide quicklebendig und bestens aufgelegt, vor vollem Haus, und dann dennäs oofangä, midnandä. Der Fitzgerald im Sprechgesang, der Klaus auf der Gitarre, fleischgewordene Sinnbilder für die Veranstaltungsreihe Fränkische Woche.

Zwei alte Freunde, aufeinander eingespielt, sich fast ohne Worte verstehend, harmonieren sie, wie sie es seit Jahren tun, tragen die Mundart und den Blues wie Banner vor sich her, schwelgen darin, nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die kleine fränkische Weltsicht, die beschaulich ist und so brutal offen und kerzengerade sein kann.

Kusz taucht tief hinein in das fränkische Herz, holt die geheimsten Empfindungen, die Menschen dieser Volksgruppe so schwer zeigen können, an die Oberfläche, kleidet sie in einen monoton anmutenden Sprechgesang, umschwirrt von den klaren Akkorden Brandls.

Duell im Duett

Oder beide duellieren sich im Duett, widersprüchlich, umeinander kreisend, sich foppend und dann wieder, zwischen zwei Versen, fast synchron am Frankenwein nippend.

Der Poet Kusz zeigt, dass die oft als bäurisch, gewöhnlich, ja ordinär verschrieene fränkische Mundart weich, empfindsam, und liebevoll sein kann wie im „Sonett 18, frei nach Shakespeare“ oder niedergeschlagen den Nachrichten in „Gräich“ nachsinnt. Sie hat aber auch den „Bengerz-Blues“ oder schwelgt in heimeliger Nostalgie wie in „Mei Kindheid“.


Aus „Nämberch-Blues“ und „Zwedschgä“

Der Dialekt ist dynamisch im „Ärwä-wos-Rap“ und erinnert an Edgar Alan Poe, wenn den Zuhörern bei „Krouhä“ a gscheide Gänshaud aufsteht.
Die meisten Gedichte zitiert Kusz aus seinen Büchern „Nämberch-Blues“ und „Zwedschgä“, er hat aber darüber hinaus weitere Verse dabei, wie die „Ellada-Haiku“, nach denen man stante pede in Richtung Griechenland aufbrechen möchte.

Das Publikum geht mit, schnippt gar auf Verlangen mit den Fingern oder klatscht ein bisschen zögerlich auf den Zweier-Blues-Rhythmus, den Brandl vorgibt. Der spielt an diesem Abend variantenreich, wie man es gewohnt ist. Er lässt die Gitarre weinen, wenn es zu den Versen passt, er macht bei den Griechenland-Versen fast eine Bouzouki aus ihr oder eine Steel-Guitar bei einem Chillout-Solo.

Das Auditorium kommt auf seine Kosten, schwankt irgendwo zwischen „des is wos ganz Neis für mich“ und „su kenni döi zwaa“. Ungefähr eineinhalb Zugaben nach dem offiziellen Ende schickt Kusz die Leute mit dem Haiku „wemmä jedä Nachd vo annä andän draimd – su kummd mer aa undä die Leid“ mit einem Lächeln nach Hause.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren