Klaus Brandl singt vom Frühling im November

Der Blues ist sein Lebenselixier: Klaus Brandl (in der Bildmitte) bei seinem Auftritt in Dehnberg. Foto: Stegmeier2011/11/33718_brandldehnbergcdvorstell_New_1321893374.jpg

Passend zur Jahreszeit hat Gitarrist Klaus Brandl im Dehnberger Hof Theater (DHT) seine neue CD vorgestellt. Titel: „November is my spring“. Daneben gab es auch Stücke seiner letzten drei Produktionen und einen Vorgeschmack auf seine nächste Scheibe zu hören.

Brandls Mitstreiter – Jim Durham am Saxophon, Willi Förtsch an den Keyboards und Helmut Körber am E-Bass – sind seit langer Zeit seine Bühnenbegleiter. Denn nur mit einem eingespielten Team kann er so aufspielen, wie er möchte, und die Pfade eines festgelegten Programms gelegentlich verlassen. Da bleiben dann Telecaster, Stratocaster und Dobro – vielleicht zum Leidwesen so manchen Fans, ist Klaus Brandl doch auch als exzellenter Slide-Gitarrist bekannt – Staffage. Aber Brandl ist an diesem Abend mit seiner akustischen Gibson so verwachsen, dass er sie nicht gegen ein anderes Instrument austauscht.

Ganz sanft legt er los, der alte Haudegen des Blues, langsam schleicht sich das Saxofon dazu, bis schließlich alle Instrumente die Unterlage bilden für Brandls tiefe, mal glatte, dann wieder kantige Stimme. Von Dr. Jekyll und Mr. Hyde singt er, vielmehr raunzt er. Die beiden Seiten der menschlichen Existenz scheinen ihn zu faszinieren. Von Anfang an hat die Band das Publikum im voll besetzten DHT im Griff.


Der Tenor der Songs ist – wie könnte es anders sein, wenn einer behauptet, dass der November sein Frühling sei – eher melancholisch. Auch wenn Brandl selbst versichert, die neue CD sei ziemlich optimistisch: Mit „Life breaks everyone“ vermittelt er die Erkenntnis, dass das Leben schließlich jeden klein kriegt. Das klingt dann ein bisschen traurig und trotzdem nicht ganz hoffnungslos, denn die Melodie ist eingängig, der Rhythmus entspannt und das Stück ist einfach schön. Zwischendurch wird’s auch mal fetziger, so bei „God protect the monkey“. Es ist Brandls originelles und individuelles Glaubensbekenntnis, dass der liebe Gott schließlich auch „für die Deppen“ da sei. Eine Hommage an die guten wilden Zeiten ist „Closed down bar“. Ein altes Foto, das ihn in jungen Jahren zeigt und das noch immer an der Pinnwand einer geschlossenen Kneipe in einer mittlerweile verlassenen Gegend Griechenlands hängt, inspirierte den Sänger und Komponisten zu dem wehmütigen Lied. Doch dieses ist wieder so ansprechend verpackt und mitreißend gesungen, dass man es einfach genießen darf. Mit „The Crows“ grüßt Brandl seinen Freund Fitzgerald Kusz, dem beim Anblick von Krähen Abgründiges einfällt.

Nach drei kurzweiligen Stunden endet das Konzert, bei dem ordentlich mitgeklatscht, -gesungen und sogar getanzt wurde, nicht ohne geforderte Zugaben, die Brandl, sichtlich in Spiellaune, gerne gewährte.

Anne Stegmeier

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