Klaus Karl-Kraus in Röthenbach

Schöne Bescherung

Er schaut nicht immer so: Klaus Karl-Kraus in Adventsstimmung. Foto: Seuser2012/11/54271_kkkimgymnasiumroethenbach_New_1353602464.jpg

Wer behauptet, Franken hätten keinen Humor, wurde beim Kabarettabend des Fördervereins der Geschwister-Scholl Mittelschule eines Besseren belehrt. Kabarettist und Vorzeige-Franke Klaus Karl-Kraus erntete mit seinem Programm „Budderblädzli, Bunsch und Bäggli“ Lachtränen und tosenden Applaus vom Röthenbacher Publikum.

„In Franken vereinen sich Sarkasmus, Derbheit und Anarchie mit der Verniedlichung beinahe aller Alltäglichkeiten (‚Hammer a weng a Problem?‘) und dem Wegdrücken ungebetener Anfechtungen (‚Host du des in der Zeitung glesn?‘ – ‚Was für a Zeitung?‘).“ Behauptet zumindest Klaus Karl-Kraus, oder KKK, wie er sich selbst gerne nennt. Ausreichend Beweise hierfür liefern seine Bühnenprogramme, auch jenes, bei dem er die wohl besinnlichste Zeit des Jahres, den Advent und die Weihnachtsfeiertage, ein bisschen genauer unter die Lupe nimmt.

Mit Nikolausmütze auf dem Kopf steht er bedröppelt auf der Bühne und lamentiert über den Verfall der Sitten und Traditionen, welche er selbst noch in seiner von der fränkischen Lebensart geprägten Kindheit erfahren hat. Da durften Kinder noch „Hundskrüppl“ genannt werden und mussten beim Laternenzug marschieren wie einst die Nationalsozialisten. Heute dagegen spreche man nur noch von „Kids“, die immer und überall geschont werden müssen – weshalb beim Laternenzug jetzt auch die Mütter die Laternen halten! Aber nicht nur der übertriebene Beschützerinstinkt der Eltern von heute kriegt sein Fett weg, auch all die Anna-Maria-Sophies dieser Welt, die Querflöte spielen und zum Voltigieren gefahren werden müssen, bleiben nicht verschont.

Die Keule gegen die pädagogische Praxis von Eltern, Lehrern und anderen Erziehungsbeteiligten wird gleich mehrmals geschwungen, genau wie KKK immer wieder auf Phänomene des modernen Lebens zu sprechen kommt, für die seine Generation immer noch wenig Verständnis aufbringen kann (etwa Facebook oder Breitensportarten wie Nordic Walking).

Damit punktet er natürlich beim vorwiegend erwachsenen Publikum, und dieses lacht schallend über die Naivität und Unbeholfenheit des armen Gimpels – und irgendwie doch auch über sich selbst. Wen KKK jetzt noch nicht abgeholt hat, denn fängt er schließlich damit ein, dass er sich als leidenschaftlicher „Glubberer“ abfällig über den FC Bayern München äußert und so schöne fränkische Begriffe wie „Sternlersspeier“ oder „Wulchern“ erklärt – Letzteres anschaulich am Beispiel eines Nasenpopels!

Trotz derber Sprüche und versteckter Seitenhiebe würdigte das Röthenbacher Publikum den Auftritt des bekannten Erlanger Kabarettisten mit viel Applaus. KKK bedankte sich im Gegenzug mit einer Zugabe und attestierte den Zuhörern einen astreinen fränkischen Humor.

N-Land Julia Seuser
Julia Seuser