Kabarettist Bernd Regenauer hat neues Programm

Mit Marx im Gepäck unter lauter Porschefahrern

Es geht ums Geld, da passt der Schaumwein: Der fränkische Kabarettist Bernd Regenauer hat ein neues Programm. Foto: Krieger2013/09/70465_regenauerpremiere_New_1380470467.jpg

DEHNBERG — Als Marx und Engels mit ihrem „Manifest der kommunistischen Partei“ den Grundstein des Marxismus legten, konnten die beiden nicht ahnen, dass gute 160 Jahre später ein kabarettistisches „Moneyfest“ den Irrsinn, der sich seither unter der Prämisse der Wohlstandsmehrung entwickelt hat, in ihrem Sinne entlarven würde. Hatten die Urväter des Sozialismus ja auch nicht den Kanon des Börsenzeitalters inhaliert, wie Bernd Regenauer, der sich im 30. Jahr seiner Bühnenpräsenz statt aufs Altenteil mal wieder mitten in den Stress eines neuen Programms begibt. Premiere war am Wochenende in Dehnberg.

Warum sollte es Gott auch anders gehen als uns? In Zeiten der digitalen Diktatur, die uns scheinbar Freiheit verspricht, aber nur unsere Kohle will, muss auch der alte Herr feststellen, dass Wissen oder Nichtwissen, Sein oder Nichtsein am Ende eine Frage des richtigen Betriebssystems ist. Wobei Betriebssystem eigentlich zu kurz greift, auch wenn die lange Liste der Datenvorräte, die unser Hirn verstopfen, selbiges schon manchmal gewaltig ins Wackeln bringt. Haben oder Nichthaben ist vielmehr die allumfassende Frage, die sich heute mehr denn je stellt – und die zu analysieren der Wahl-Schwaiger Bernd Regenauer angetreten ist.

Wer nichts hat, der kann sich scheinbar zurücklehnen an diesem Abend, an dem die Fixkosten die Zinseinnahmen der Depots auffressen, die „Geldigen“ ihren Porsche für ein paar Enten herunterbremsen und der Opa dank Cholesterinschock am Ende kostengünstig in der Tschechei entsorgt werden kann. Oder doch nicht? Wer hat denn zu wenig? Wer hat mehr als genug? Wer verdient mehr? Auf den Blickwinkel kommt es an, ob Human Capital oder Human Depp. Das beginnt bei Regenauer schon in der Grundschule und hört im Krematorium erst auf. Da hilft es ihm auch nichts, sich ins eigene Immunsystem zurückzuziehen und die restliche Welt als Antikörper zu begreifen. Wer nicht mitspielt, verliert, erst der Erfolg macht sexy, so ist es nun mal. Und falsche Rücksichtnahme ist auch eine Form von Rassismus, das lehrt die Geschichte.

Rabenschwarz, aber nicht zynisch, augenzwinkernd, aber nicht seicht, pointiert, aber nicht verletzend: So jongliert Regenauer durch den Abend. Spielt mit dem Publikum, legt ihm Fährten und Lunten, die manchmal in einer Sackgasse enden, am Ende aber einen philosophischen Bogen spannen über das, was die Welt im Innersten zusammenhält – das Geld. Sein bewährtes Mittel als Kabarettist ist dabei wie immer die Zuspitzung, mit der er seine zum Teil aus früheren Programmen bekannten Lieblingsthemen neu auf Tableau bringt.

Der Datentransfer klappt

Am Ende, nach einer sehr starken zweiten Hälfte des Abends, klappt –auch dank musikalischer Einlagen am E-Piano und einem Rap – der Datentransfer ins Publikum mit vielen Bytes. Auch der letzte in der Reihe begreift: Protest gegen so viel Dominanz des Monetären muss sein, die Frage ist nur, wie. Regenauer zieht es vor, zu daddeln, bis die iCloud aus hohlen Phrasen und leeren Aktienfonds doch noch verpufft und der Lärm der Investoren im neuen Gewerbegebiet dem seichten Rauschen des Herbstwinds weicht. Dann endlich ist die Erkenntnis da – und unser Immunsystem springt an. 
Isabel Krieger

Bernd Regenauers neues Programm ist am Donnerstag, 10. Oktober, und am Mittwoch, 23. Oktober, um jeweils 20 Uhr erneut im Dehnberger Hof Theater zu sehen. Karten gibt es unter Telefon 09123/954491.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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