5. Misty Mountain Festival in Lillinghof

Konzertmarathon mit 17 Bands

„Mother Engine“ zeigten vollen Einsatz bei den „Two days of love and peace and loud music“.2014/08/87298_mistymountainpublikum_New_1408292764.jpg

LILLINGHOF — Angesichts der kühlen Temperaturen war vor allem heiße Musik beim 5. Misty Mountain Festival am Segelflugplatz in Lillinghof gefragt. International bekannte Bands aus den Niederlanden, Österreich, Dänemark, England, Frankreich und Italien spielten neben den deutschen sowie den heimischen fränkischen Bands auf der Hochebene auf. Und lockten Gäste von Berlin bis München zum bisher weitgehend unbekannten Festival.

Vor allem das regnerische Wetter aber auch andere Festivals in der Umgebung waren ursächlich für den sehr zurückhaltenden Besuch in diesem Jahr. Die Veranstalter zeigten sich dennoch zufrieden.

„Two days of love & peace & loud music“, lautete das Motto des Misty Mountain Open Air, das abseits der großen Straßen und überfüllten Mega-Event-Gelände als Open Air Festival hier seinen Platz behaupten kann. Freunde des familiären Festivalcharakters mit außergewöhnlicher Musik fühlten sich pudelwohl auch wenn die Temperaturen in der Nacht in den einstelligen Bereich absanken.

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Eröffnet hatte am Freitag die fränkische Band „Green Boots Cave“, gefolgt von dem Zwei-Mann-Noise-Monster „Neume“ aus Berlin. „Mother Engine“ heizte den Gästen noch bis Sonnenuntergang ein. Die Band gilt als die deutsche Stonerrock-Hoffnung. Dann folgten die Italiener. „MoRkObOt“, das sind Lin, Lan und Lon vom Planeten L’odi. Klingt strange? Ist auch so. Spaceiger Math-Noise-Rock lässt den Zuhörer in einem Delirium zurück.

Währenddessen bauten weitere Gäste ihre Zeltunterkünfte auf, darunter auch eine lustige Truppe von Freunden aus Sachsen und Thüringen. Immer zu Späßchen aufgelegt war der Dietmar der zum 2. Mal beim Misty Mountain dabei war. „Im letzten Jahr hatten wir erst mal unser Begrüßungsgeld in Schnaittach abgeholt“, sagt der Sachse und grinst.

Aus Holland reiste auch am Freitag, wie alle anderen Bands, das instrumentale Kosmonauten-Space-Stoner-Noise-Trio „Radar Men From The Moon“ an. Die Eindhovener werden von Liebhabern psychedelischer Musik derzeit regelmäßig abgefeiert. Nach unermüdlichem Touren war ihr Debütalbum „Echo Forever“ innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Auch der Nachfolger „Strange Wave Galore“ wird in der einschlägigen Szene momentan hochgelobt. Es folgten weitere Hochkaräter der Stonerrock-, Doom-, 70ies-, Psychedelic- und Noise- und Avantgardeszene.

Immer wieder schlugen weitere Gäste ihr Zelt auf oder brachten ihr Fahrzeug in Parkstellung, so auch die Fürther Dana und Frank die mit ihren Hanomag Baujahr 1969 bereits zum 2. Mal dabei sind. Über Bekannte hatten sie von dem Termin erfahren. „Die Leute, die Musik, die Stimmung – alles gut organisiert“, sagt der 38-jährige Frank.

Die spinnerten Eigenbrötler von „bulbul“ aus Wien sind bereits seit den späten 90er Jahren keine Unbekannten in der experimentierfreudigen Rock-, Noise- und Avantgardeszene. Sie bewegen sich immer irgendwo zwischen Experiment und Trashrock, zwischen minimaler Elektronik und maximaler Dröhnung. Kein Album ist wie das andere. Den Abschluß am Freitag übernahm nach Mitternacht die ebenfalls aus Österreich stammende Band „Elektro Guzzi“.Sie gilt inzwischen als einer der angesagtesten musikalischen Exportschlager Österreichs. Die Band kam nach Auftritten in Barcelona, Montreal, Tokyo oder New York auf den heimischen Segelflugplatz in Lillinghof.

Nur sehr sporadisch traf man Gäste aus dem Nürnberger Land. Aus Altdorf war Werner Renner mit Frau Manuela gekommen. Die beiden nächtigten im Zelt. „Wir hatten gut geschlafen, die Temperatur war kein Problem“, sagen sie und schwärmen von der Landschaft. „Lange Wege zwischen Zelt und Bühne, wie bei manch anderen Festivals, existieren hier nicht“, merkte Manuela noch an.

Über eine befreundete Band hat Robert Paul aus Röthenbach von dem Event erfahren. Er bedauerte das hierzu nicht mehr Werbung gemacht wurde. Nächstes Jahr will beide Tage am Segelflugplatz mit dabei sein.

Zum musikalischen Frühschoppen am Samstag begrüßte die Gäste dieses besonderen Festivals „Asteryskkh“ und „Fairy Duster“, letzterer als lokales Heavy Stoner-Highlight aus Fürth. Aus Berlin gaben zum Nachmittagskaffee die „Operators“ ihr Bestes und man merkte den Jungs sichtlich an, dass sie Spaß dabei hatten. Im Außenbereich bei kurzem Sonnenschein traf man Kristian Harting. Er ist einer der momentan wohl besten und kreativsten Sänger-/Songwriter. Anders als andere Solokünstler steht er nicht nur mit seiner Akkusik-Gitarre auf der Bühne und trällert von Liebe, Schmerz und Sehnsucht. Mit Loops und einer Batterie an Effekten baute er seine spannungsgeladene Atmosphäre auf. Es folgten „Treedeon“ mit Sludgenoise und „Brace/Choir“, ein amerikanisch-berlinerisches Projekt voller hypnotischem Trancerock.

„The Earls Of Mars“ reisen aus England an. Das neue Projekt um Harry Armstrong zelebriert zugleich Progrog, Doom und Jazz.

Aus Frankreich kam „Sebkha-Chott“ zum Zug. Sie sollten schon eigentlich im vergangenen Jahr auf dem Misty Mountain spielen. Sämtliche Schubladen werden hier verworfen, Genregrenzen überschritten.

„Toner Low“ aus den Niederlanden waren auch hier keine Unbekannten mehr. Hypnotischer Psychedelic Doom, der den Zuhörer auf zahlreichen Konzerten bereits in seinen Bann gezogen hat.

Den Abschluss zelebrierte das französische Trio „Poil“. Selten hat man hier eine solch kreative, musikalisch geniale und vor Spielwitz nur so sprühende Band bewundern dürfen. Poil lassen sich wohl am besten als eine Mischung aus Emerson Lake and Palmer, Mr.Bungle und der Augsburger Puppenkiste beschreiben.

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