Balalaika-Konzert in der Opernakademie

Furiose Klangwelt auf drei Saiten

Zwei Virtuosen: Andrei Gorbatschow (vorne) wurde von Lothar Freund auf den Tasten begleitet. | Foto: G. Münzenberg2020/02/P2020005-scaled.jpg

HENFENFELD – Es ist schon etwas Besonderes, dass es Denette Whitter gelungen ist, den Star-Virtuosen auf der Balalaika aus Moskau, Professor Andrei Gorbatschow – nicht verwandt mit Michail Gorbatschow –, und seinen ständigen deutschen Klavierpartner aus Aschaffenburg, Lothar Freund, nach Henfenfeld zu holen.

Seit vielen Jahren spielen sie gemeinsam auf den großen Bühnen der Welt, unter anderem in der Carnegie Hall in New York oder beim Schleswig-Holstein-Festival. Auch vor Königin Elisabeth II. haben sie schon gespielt. Der in Woronesch/Russland geborene Gorbatschow hat wie kein anderer vor ihm das konzertante Spiel dieses vermutlich aus der Mongolei stammenden Saiteninstruments revolutioniert. In Russland diente es vorwiegend dazu, Volkslieder oder Tänze zu begleiten. So gibt es heute große Balalaikaorchester, die auch Transkriptionen von leichteren klassischen Werken spielen.

Der Rote Saal im Henfenfelder Schloss bebte geradezu von den rasanten Klängen, mit denen Gorbatschow und sein Begleiter auf dem Klavier den Raum erfüllten. Lothar Freund erläuterte zwischen den einzelnen Stücken die Herkunft und die Beschaffenheit dieses dreisaitigen Zupfinstruments, dem man keine langen Töne entlocken kann. Der virtuose Spieler weiß sie aber zu erzeugen, indem er die Saiten rasch hintereinander mehrmals wie eine Ukulele anschlägt.

Ungewöhnliche Hörwelt

Das Konzert begann mit einer Polonaise von Vasilly Andreyev, gefolgt von einer Sonate von Domenico Scarlatti und einer Calabrese von Antonio Bazzini, mit denen die beiden Künstler das Publikum sofort in eine furiose, ganz ungewöhnliche Hörwelt entführten. Auch eine russische Jazz-Fantasie und Variationen über ein russisches Volkslied zeigten, wie vielseitig dieses Instrument zum Klingen gebracht werden und welch variablen Töne man ihm durch gleichzeitiges Zupfen und Greifen entlocken kann.

Durch seine oft hintergründigen Bemerkungen zu einzelnen Stücken und einigen humorvollen Episoden aus ihren gemeinsamen Konzerten oder Begegnungen lockerte Lothar Freund die ohnehin schon sehr gelöste Stimmung des Publikums zusätzlich auf. Ein Scherzo von Efrem Podgaitz überzeugte durch die fetzige furiose Darbietung ebenso wie der nachfolgende Matrosentanz durch seinen rhythmisch tänzerischen Elan.

Klassiker neu interpretiert

Einen feierlicheren und stimmungsvolleren Charakter nahm die Veranstaltung nach der Pause mit einem Konzert für Balalaika und Orchester in g-Moll von Nikolai Budaschkin an. Die Musik gewann die Herzen der Anwesenden im Sturm mit einer Fantasie über „Laras Thema“ aus dem Film Dr. Schiwago. Die folgende Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate und die Introduktion und Tschardasch von Alexander Zigankow waren noch einmal wunderbare Beispiele, wie klassische Musik von Gorbatschow für die Balalaika arrangiert und dadurch ganz neu interpretiert wurde.

Mit drei Zugaben beliebter russischer Melodien, darunter das weltberühmte Kalinka, verabschiedeten sich diese beiden so gut aufeinander abgestimmten virtuosen Meister von einem hingerissenen Publikum.
GERDA MÜNZENBERG

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