Kabarettist Bernd Regenauer über sein Alter Ego Nützel

Erleuchtung inklusive

Harald Nützel ist ein wenig grauer geworden. Sein neuer Chef ist Finanzminister Markus Söder. Foto: Susanne Will2015/04/5_2_3_2_20150418_REGEN.jpg

DEHNBERG – Grau ist er geworden, der Nützel. Kein Wunder. Zehn Jahre ist es her, dass der frängische Dübb zum letzten Mal auf einer Bühne stand. Die Zeit verändert. Ihn – und auch seinen Erfinder Bernd Regenauer. Der hat, sagt er, trotz zehn Jahren Pause vom Leben mit dem Fremdenverkehrsexperten, den Nützel nie abgelegt. Jetzt hat er sich gefragt, was wohl aus dem Harald geworden ist. Der Nützel ist aufgestiegen, er ist „bäggindaun“, zurück in der Stadt. Er ist dem Ruf von Finanzminister Markus Söder in dessen Heimatministerium in Nürnberg gefolgt. Und über das sagt der neue Nützel: „Über das Heimatministerium gehen die Meinungen ja brutal auseinander. Die einen sagen: Des brauchds ned. Die anderen: Des bringd nix.“ Der Nützel ist zurück – und in den Jahren hat er an feiner Schärfe nichts verloren, gegen billige Gags ist er noch immer immun.

In wenigen Tagen, am 22. April, ist Premiere im kleinen, feinen Dehnberger Hoftheater, sie ist längst ausverkauft. Bernd Regenauer probt in voller Montur. Der Anzug changiert vom Grau ins Unscheinbare, Haarsträhnen sind silbergesprüht, der Klebeschnurrbart sitzt. Die Rolle auch. Die Rolle, vor der er irgendwann einmal „Schiss“ gekriegt hat. Vor dem Erfolg des Haralds, des kämpfenden Loosers, der sich in seinem Kosmos die Welt mit absurdesten Erklärungen normal geredet hat und der ihm zwar den Deutschen Kabarettpreis einbrachte, aber auch die Angst, dass er die Rolle nicht mehr loskriegen wird. Deshalb hat Bernd Regenauer damals, nach vier umjubelten Nützel-Programmen, den Regenauer rausgekehrt: Selten so gedacht; Unter Freunden; Alles eine Frage der Antwort; Moneyfest; MixTour, das war Regenauer pur.

Allesamt erfolgreiche Programme, und dennoch war der Harald nie wirklich weg. „Der Nützel ist mir wirklich in Fleisch und Blut übergegangen“, sagt Regenauer und fummelt am Bühnenbild für die Premiere. Sein neuer Chef, der Söder, blickt ihm aus dem Bilderrahmen milde lächelnd entgegen: Es ist Söder als Ghandi, aufgenommen auf dem Veitshöchheimer Frankenfasching. Mit Milde allerdings hat der im neuen Programm nicht zu rechnen. Seinen Kabarett-Kollegen Wolfgang Krebs hat er gewinnen können, um „bäggindaun“ so realistisch wie möglich zu machen: Krebs imitiert in den Telefonaten den Söder und seine fränkischen Maschinenpistolen-Monologe, während Nützel im Think Tank der Staatsregierung zwischen Provinzfürsten, Strom trassen, Schützenvereinen und Breitbandversorgung zur Höchstform aufläuft.

Jetzt ist der Nützel also zuständig fürs neue Image Frankens. Bis dieses Programm stand, ging der Perfektionist Regenauer monatelang in Klausur, feilte schon mal stundenlang an wenigen Sätzen. „Beim Nützel muss jede Silbe stimmen. Jedes fränkische ,sou‘ und ,dou‘. Wenn nicht, dann wird es schludrig“, dann ist der Nützel nicht mehr stimmig für ihn. Und mit Schludrigkeiten kann einer wie Regenauer, der bei der Ausgabe der HZ auf Fränkisch als penibler Übersetzer federführend war, nichts anfangen. Aber bei aller Fieselei: „Es hat mir einen tierischen Spaß bereitet.“

Der Spaß beginnt am 22. April im ausverkauften Dehnberger Hoftheater. Für die Premiere in Nürnberg – Finanzminister und Nützel-Chef Söder hat zugesagt – in der Tafelhalle am 25. April gibt es noch Karten. Wer den ersten Hype abwarten möchte, der ist am 6. und 7. Mai und 21. bis 23. Mai wieder im Dehnberger Hoftheater gut aufgehoben – Erleuchtung inklusive, verspricht Bernd Regenauer.

N-Land Susanne Will
Susanne Will