Auftritt im Behringersdorfer Bürgersaal

Ein echtes Heimspiel für Bernd Regenauer

Kabarettist Bernd Regenauer – selbst Behringersdorfer – durfte den Bürgersaal einweihen. Foto: Berg2012/10/DSC05862_1_.jpg

BEHRINGERSDORF — Mit seinem Programm „MixTour“ hatte der Kabarettist Bernd Regenauer – seit einem Jahr selbst Behringersdorfer – ein Heimspiel: Zur Einweihung der neuen Kindertagesstätte an der B 14 unterhielt er sein Publikum im voll besetzten neuen Bürgersaal aufs Beste.

„Grüß Gott!“ schnarrt Regenauer fränkisch-trocken in den Saal hinein und schlurft schelmisch grinsend auf die schmale Bühne. Hier begrüßt einer seine Nachbarn.

Behringersdorf feiert nicht nur den neuen schicken Glasbau mit Krippe, Kindergarten, Jugendzentrum und Bürgersaal, sondern blickt zudem auf 20 Jahre Kulturprogramm zurück, wie Bürgermeisterin Ruth Thurner stolz feststellt. Der Name „Blickwinkel“ der alten und jetzt neuen evangelischen Kindertagesstätte ist ebenfalls passend für den fränkischen Weltbürger Bernd Regenauer. Aus dem heimischen Blickwinkel arbeitet er zunächst einmal die typisch fränkischen Seelenlagen ab, um sich dann den bundespolitischen und später den weltpolitischen Absurditäten zu widmen.

„Sie wollten auch mal in so viel Geld sitzen?“, fragt er ins Publikum – ein Seitenhieb auf die holprige Baugeschichte des Objekts. Und weiter: „Wollte die Architektin nicht auch Schwertransporter auf dem Dach parken lassen?“

Es geht flott weiter zur Bundespolitik; etwas überflüssig ein paar Witzchen über die Optik von Angela Merkel. Ganz nett sind dann die Gags über Rentner – „manche Rentner halten sich nur deshalb gesund, um sich an der Jugend zu rächen“ –, über die Probleme mit der privatisierten Bahn oder die zukünftig zu erwartenden Widrigkeiten mit der Post.

„Sind wir froh, dass wir nicht in Europa, sondern in Franken sind“, kehrt Regenauer hintersinnig ins gemütlich-heimelige und dennoch mürrische Franken zurück und arbeitet sich ab am sattsam bekannten angeblichen fränkischen Minderwertigkeitsgefühl. Das Publikum amüsiert sich besonders über seine Spielszenen, in denen er lustvoll den fränkischer Kellner oder den Franken vom Dienst gibt.

Manche Gags, wie etwa jener über die Langsamkeit des Franken, taugen zum Aufwärmen oder zu Sprachspielereien. Hintergründiger wird der Kabarettist, wenn er über „Outsourcing“ die globalen Wirtschaftsverbindungen zwischen Franken und Fernost hereinholt. Wenn sein Kumpel Erwin die Kinderarbeit in Manila für sein Unternehmen immer noch besser findet als Prostitution, dann bleibt das Lachen im Hals stecken. Aber Regenauer outet sich: Auch er ließe sich seit geraumer Zeit Teile seiner Texte fremdfertigen. Dabei greife er auf asiatische Texter oder polnische Gelegenheitskabarettisten zurück.

Vom Globalen zum Nürnberger Land und wieder zurück fränkelt sich der Behringersdorfer durch die Stammtischthemen, um dann auf das überall vorhandene Ehedrama und das Desaster eines Familienfrühstücks zu kommen. Ein wenig beißen tut er dann in Richtung Ärzte und Krankenkassen: „Wer ist Privatpatient?“, fragt er in sein Publikum und erntet bei den Behringersdorfern natürlich keine Hände, aber Lacher. Vor lauter Mitleid mit den Ärzten greint er auf der Bühne, dass er seinen Hausarzt neulich mit der Blockflöte in der Fußgängerzone gesehen habe, der müsse sein spärliches Einkommen aufbessern.

Der Vorteil von Regenauers „MixTour“ ist, dass das Programm eine Art Best Of ist. Der Nachteil ist Beliebigkeit. Und so philosophiert er in Endlosschleife über Fränkisches, Globales und Banales. Dennoch folgt im Publikum Lacher auf Lacher. Nach zwei Stunden wollen die Zuhörer „ihren“ Regenauer noch nicht gehen lassen. Zwei Zugaben versüßen den Abschied.

N-Land Susanne Berg
Susanne Berg