Funkiges Konzert im „…na und!“

„Birdi“ sagt Tschüss

Hose runter, raus mit der Herzrasur und einfach wild drauflos – das ist Bird Berlin, so wie ihn seine Fans lieben. | Foto: T. Raum2019/12/berlin3.jpg

HERSBRUCK – Mitreißend, puristisch, außergewöhnlich: Charismatisch, ohne große Ansage, nur mit einem kurzen Hallo startet im „…na und!“ ein Musikgenussabend der etwas anderen Art. Bird Berlin ist auf Abschiedstour.

„A blurred view“ mit den einheimischen Musikern Stefan Gleich (Gitarre/Gesang) und Jacob Seitz (Drums/Gesang) grungte sich in die Menge aus Interessierten und Fans mit abgefahrenen kreativen Songs, die postrockähnlich und melancholisch angehaucht die Zuhörerfangemeinde mitriss. Tolle Octaver-Sounds und präzise Beats stimmten auf Bird Berlin ein, der sich selbst bereits unter den Zuhörern mit eingroovte.

„A blurred view“ groovten das Publikum im Vorfeld ein. Foto: T. Raum2019/12/blurred-view.jpg

Inspirierendes Textgut mit musikalischer Energie geladen, breit und stimmungsvoll, eingängig für die Hörmuscheln, gut für Körper und Beine. Etwas mit Seele und ein klasse Fundament für Bird Berlin. Kurze Pause, Hose runter und raus mit der Herzrasur – eben einfach „Berlin“.

Schweiß überall

Ausgezogen ging es dann in die Nacht der Liebe und Sexualität, ab dreiviertel elf, denn jetzt sei die Zeit dafür gekommen, so Bird. „Küsst du mich jetzt, küss ich dich jetzt“ – und heiße Discobeats lassen das „…na und!“ erbeben. Alles raved mit dem Soundgroove ab und der Schweiß rinnt nicht nur vom Entertainer, sondern füllt die Luft und lässt die Tänzer mitschwimmen. Ein paar Boxen, Mikros und ein Laptop – mehr benötigt der Shouter und Bühnenakrobat nicht – nur seine Persönlichkeit und Songs.

„Boys will be girls, girls will be boys“, polarisiert er dadaistisch und lässt die Zuhörer schmusen und durcheinanderküssen, dass mancher irritiert ans andere „Ich“ glaubt. Allein seine Fülle lässt die tänzerische Dominanz bezweifeln, die er überzeugend leichtfüßig zelebriert.

Heimspiel für Calypso-Boy

Der Calypso Boy Bird Berlin hatte an diesem Abend wieder mal ein Heimspiel: Der gebürtige Hohenstädter tourt mit seinem extravaganten Bühnenprogramm durch die ganze Republik und hat sich mit seinem herrlichen Nonsens im Nürnberger Raum längst einen festen Platz in den Herzen des Publikums ersungen. Ein Irrwisch, der es versteht, alle in seinen Bann zu ziehen und mit seinen Texten zu begeistern, egal ob mit Klamotten oder ohne.

Seine Eskapaden gehen wild durch das Netz und erreichen seine Anhänger viral, finden neue, zeigen der Welt, dass es auch anders geht. „Der ist irre klasse“, hört man aus dem Publikum eine Zuhörerin zur Freundin sagen. Und tatsächlich hat das Gesamtwerk irgendetwas von einem Genius, das sicherlich nicht jedermanns Geschmack ist – heute allerdings ist es für alle, die da sind, ein Hochgenuss. Ein Hoch auf die Kunst und hoffentlich doch nicht das letzte Mal in Hersbruck. 


N-Land Thomas Raum
Thomas Raum