Premiere im Dehnberger Hof Theater

Bernd Regenauer als Nützel „bägg in daun“

Er ist Söders Mann für Schönreden: Harald Nützel, „bägg in daun“, sprich in Nürnberg. Der Kabarettist Bernd Regenauer hat für sein neues Programm seine Paraderolle wieder aktiviert. Foto: Grzesiek2015/04/99700_regenauerberndnuetzeldht_New_1429800967.jpg

DEHNBERG — Nützel ist wieder da. Kabarettist Bernd Regen­auer schickt seinen fränkischen Fremdenverkehrsexperten „bägg in daun“ nach Nürnberg in Markus Söders neues Heimatministerium. Die Premiere im Dehnberger Hof Theater war ein voller Erfolg. Das dichte Programm skizziert die Eitelkeiten der großen und kleinen Politik pointiert und pointenreich.

Wie kann Söder ein Juwel wie Nützel nur in die Besenkammer des Ministeriums verbannen? Diesen Mann, der seinen Chef anhimmelt („Markus, lass mich der Karabinerhaken bei deinen Seilschaften sein!“) und als Image-Experte jeden Bittsteller darauf hin abklopft, ob er auch an ein Pressefoto mit dem Herrn Minister gedacht hat?

Harald Nützel zeigt auch in seiner neuen Position, dass ein starkes Rückgrat beim Fortkommen hinderlich ist. Ja, noch mehr. Der Arbeitsstil dieses altgedienten Schönsprechers entspricht exakt dem der jungen Garde von PR-Fuzzis, denen Inhalte und Prinzipien egal sind. Hauptsache, die Sache kommt gut rüber. Ob sich wirklich was tut oder irgendjemand Nutzen von all dem Aktionismus hat, ist Nebensache.

Schön exekutiert das Nützel am Beispiel der Mittelpunkte, die der echte Söder eine Zeit lang fürs Pressefoto aufgesucht hat. Blöd nur, so Nützel, dass der Mittelpunkt des Hersbrucker Lands dann in einem Klärwerk lag und der der bayerisch-tschechischen Grenzregion in einem Puff. Egal, Mittelpunkte gehören eingeweiht. Es ist ja nicht jeden Tag in irgendeinem Dorf das neue Breitbandkabel fertig, das der Bürgermeister dann stolz durchschneidet. Blöderweise.

Wo gar nichts mehr geht, hat der Söder einen Plan B. Dann werden Pegnitztal und Hersbrucker Schweiz halt zum Safari-Gebiet: Internet und Busverkehr kappen, alles einzäunen. Dann kommen die Städter und Touris zum Einheimischen gucken. Und schauen zu, wie die romantisch ihr Trinkwasser am Dorfweiher schöpfen. Dass dem Minister immer was einfällt, belegt der mit seinen endlosen Anrufen bei Nützel selbst. Und wie so oft ist der von Kabarettkollege Wolfgang Krebs eingesprochene Söder mindestens so gut wie der echte.

Dessen Aufstieg zum nächsten Ministerpräsidenten erscheint dem Nützel angesichts einer farblosen Bayern-SPD unaufhaltsam. Und auch für Nürnbergs Oberbürgermeister Maly hat er nur feinen Spott übrig. Der sei als fränkischer Obama gestartet: „Yes, we can!“ Doch Söder ist sein fränkisches Guantanamo, den kriegt er nicht weg. Drum schließt Maly mit der CSU Frieden, genießt die italienische Küche und Chardonnay und sagt sich: „Yes, weekend!“

Nützel jedenfalls hat resigniert, macht seinen sinnlosen PR-Job und achtet drauf, dass nicht wirklich was passiert im Land. Nebenbei blickt der unglückliche Single auch noch in die Abgründe der fränkischen Seele: „Wir Franken haben weniger Lebenserwartung als die Münchner, aber wir erwarten auch nix vom Leben.“

Regenauers neues Programm ist stimmig, hat Tempo, Witz und Schärfe. Neben all dem Gefrotzel und Gegreine blitzt auch ab und an der politische Analytiker durch.

Walter Grzesiek

Die heutige Aufführung in Dehnberg ist ausverkauft, noch Karten gibt es für den morgigen Samstag um 20 Uhr in der Nürnberger Tafelhalle, unter anderem im PZ-Service-Center.

N-Land Pegnitz-Zeitung
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