DGB hatte zum 1. Mai nach Röthenbach geladen

Zeit für mehr Solidarität

Für alle Besucher der DGB-Kundgebung in Röthenbach gab es rote Nelken. Im Vordergrund der Hauptredner, Roland Nosko von der IG BCE, dahinter Ortskartellvorsitzender Edi Schottenhammer. | Foto: Fischer2016/05/mai-kundgebung-dgb-roeth-alle.jpg

RÖTHENBACH — Nur in Röthenbach und in Henfenfeld finden im Landkreis noch Kundgebungen zum 1. Mai, zum Tag der Arbeit, statt. Umso wichtiger sei es deshalb, so der Hauptverantwortliche für die Veranstaltung auf dem Luitpoldplatz in Röthenbach, der DGB-Ortskartellvorsitzende Edi Schottenhammer, dass die Arbeitnehmer nicht nur zusammenstehen, sondern auch öffentlich und – nicht zuletzt angesichts der laufenden Tarifrunde im Metallbereich – „auch laut auftreten.“ Nur mit mehr Solidarität, so unterstrichen auch Bürgermeister Klaus Hacker und Hauptredner Roland Nosko von der IG Bergbau, Chemie, Energie, seien die Probleme der Zukunft zu lösen.  Angefangen vom Auftreten neuer rechter Partein, über die Asylproblematik, bis zu den drohenden Einbußen bei den Renten.

„Wir haben zwar schon viel erreicht, zuletzt erst den Mindestlohn, aber wir haben auch noch einen großen Weg vor uns“, sagte Edi Schottenhammer und nannte einige Schwerpunkte und Probleme: so die Abschaffung der Ausnahmen vom Minijob etwa für Flüchtlinge; dann die präkere Situation bei Leiharbeit und Werkverträgen. Und schließlich sei die zunehmende Altersarmut ein Grund, die Rentenpolitik zu verändern. „In eigener Sache“ rief Schottenhammer die Betriebsräte in den Unternehmen auf, sich um Nachwuchs bei den Gewerkschaftern zu kümmern und sich in den örtlichen DGB einzubringen, „um weiterhin das einzige Ortskartell im Nürnberger Land handlungsfähig zu halten.“

Kämpferisch gab sich dann der Röthenbacher FW-Bürgermeister Klaus Hacker, selbst schon fast 40 Jahre in der Gewerkschaft, wie er stolz sagte, in seiner Rede. Unerträglich nannte er es, dass beispielsweise ein Arbeitnehmer mit einem Lohn von 11,50 Euro, also über Mindestlohnniveau, nach 45 Arbeitsjahren eine Rente knapp über Hartz-IV-Niveau erreiche. Da habe dann einer nicht mehr, als ein anderer, der, verschuldet oder unverschuldet, nie einen Finger gerührt habe oder einer, der erst vor kurzem ins Land gekommen sei. Dabei gehe es ihm aber eben nicht um Ausgrenzung oder Konkurrenz, sondern um Solidarität mit den Anderen und schlicht um ein höheres Rentenniveau für Menschen, „die ihr Leben lang gearbeitet haben.“

Schade, so Hacker, dass für viele Arbeitnehmer der 1. Mai nur für Freizeit und Ausflug stehe, statt für den gemeinsamen Kampf um guten Lohn und statt in Röthenbach Solidarität zu zeigen.

Der Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker (Freie Wähler) ist selbst seit fast 40 Jahren Gewerkschafter, wie er bei seiner Rede zum 1. Mai stolz sagte.
Der Röthenbacher Bürgermeister Klaus Hacker (Freie Wähler) ist selbst seit fast 40 Jahren Gewerkschafter, wie er bei seiner Rede zum 1. Mai stolz sagte. | Foto: Fischer2016/05/hacker-mai-rede.jpg

Die AfD nannte Hacker Rattenfänger. Gerade deshalb, weil man keine Rechtspopulisten, Nazis oder Antidemokraten mehr wolle, sollte man Solidarität zeigen. Der Bürgermeister kündigte an, dass Röthenbach 130 neue Asylbewerber erhalte, was aber für eine Stadt in der Größe gar kein Problem darstelle. Auch, dass Röthenbach am Steinberg eine Seniorenwohnanlage baue und wieder in den sozialen Wohnungsbau einsteige, verriet Hacker. Er hoffe nur, dass die Kommunen vom Bund nicht im Stich gelassen werden. Und schließlich dankte Hacker nicht nur Edi Schottenhammer für seinen unermüdlichen Einsatz, sondern er erinnerte auch den erkrankten Erich Schreier, der in der Pegnitzstadt „immer die Ideale der Gewerkschaft hochgehalten hat“.

Hauptredner der DGB-Kundgebung in Röthenbach war in diesem Jahr der Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG-BCE), Roland Nosko. Auch er schlug einen Bogen vom Mindestlohn, der der „wichtigste Erfolg des DGB und für uns alle“ im letzten Jahr gewesen sei, über die Leiharbeit, die Flüchtlinge, die Lohngerechtigkeit und die Altersarmut, bis zu den aktuellen Tarifauseinandersetzungen.

Hier hätten die Arbeitgeber in vielen Branchen bislang „völlig unzureichende Angebote unterbreitet.“ „Das sind keine Angebote, das sind Provokationen“, so Nosko. Nicht nur das Gebot der Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftliche Vernunft gebiete eine ordentliche Steigerung der Entgelte. „Gute Löhne stärken nämlich die Konjunktur.“

Breiten Raum in der Rede nahm das Thema Flüchtlinge ein. Unterschiedliche Standpunkte dürften sein, aber immer gelte die demokratische Grundordnung und das Recht auf Asyl. Gar nicht gehe Gewalt gegen Menschen und das Schüren von Hysterie oder gezieltes Aufwiegeln. „Wir stehen für Integration, Weltoffenheit, gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

Bis zur Bundestagswahl wolle der DGB nun aber die Rente ins Zentrum seiner Aktivitäten rücken. „Wir brauchen einen Kurswechsel in der Rentenpolitik und dringend eine Stabilisierung des gesetzlichen Rentenniveaus.“

Auch in diesem Jahr sorgte die Röthenbacher Stadtkappele wieder für den musikalischen Rahmen der DGB-Veranstaltung. Bis zum gemeinsamen „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“. Und natürlich war mit Weißwürsten, Wienerle und Bier auch für das leibliche Wohl der Besucher gesorgt (unter ihnen unter anderem wieder eine Fahrradgruppe um die Neunkirchener Bürgermeisterin Martina Baumann).

Tradition in Röthenbach sind bei der Maikundgebung auch immer Berichte der Betriebsräte aus den großen Röthenbacher Betrieben Diehl-Metall und Diehl-Defense sowie dem Conradynachfolger Graphite Cova. Über diese lokal wichtigen Berichte von Manfred Bezold, Thomas Gumbrecht und Rolf Karius wird die PZ in einer ihrer nächsten Ausgaben noch ausführlicher berichten.

N-Land Clemens Fischer
Clemens Fischer