Betriebsversammlung in Feucht

Stillstand im Frachtzentrum

Das Paketzentrum im Gewerbepark Nürnberg Feucht Wendelstein gestern vormittag. Am Nachmittag traf sich die Belegschaft zur Betriebsversammlung. Foto: Degenhardt2014/12/feuchtpaketzentrumwinter_New_1417789802.jpg

FEUCHT – Dass heute alle Nikolauspakete ihre Empfänger erreichen, ist unwahrscheinlich. Am Freitagabend fand im DHL-Frachtpostzentrum im Gewerbegebiet Nürnberg Feucht Wendelstein eine Betriebsversammlung statt. Der Grund: Ver.di beklagt die Zunahme befristeter Beschäftigungsverhältnisse.

Die DHL-LKW verlassen das Betriebsgelände am Freitagmorgen im Minutentakt. Gegen 10 Uhr läuft der Betrieb also noch normal. Die Pförtner gewähren der Presse keinen Eintritt, auch telefonisch ist das Paketzentrum nicht erreichbar. Erwin Nier von der Pressestelle Süd der Deutschen Post DHL dagegen schon. „Voraussichtlich in den späten Nachmittagsstunden findet eine Betriebsversammlung statt“, sagt er. Wann, das kann er nicht sagen. Dafür weiß das Jessica Quinten von Ver.di: „Um 17 Uhr ist die Versammlung angesetzt. Ich schätze, sie wird etwa drei Stunden dauern.“

Befristete Beschäftigung

Es soll unter anderem um die befristeten Beschäftigungsverhältnisse in den Paketzentren der Post gehen, die Ver.di beklagt. Bereits gestern gab es eine Betriebsversammlung im Nachtdienst. Die Gewerkschaft wirft dem Logistikkonzern vor, die Zahl der nur befristet beschäftigten Mitarbeiter systematisch zu erhöhen. Rund 24.000 von 131.000 Post-Mitarbeitern hätten laut Andrea Kocsis, stellvertretende Ver.di-Vorsitzende, einen befristeten Arbeitsvertrag. Ein Sprecher des Unternehmens widersprach dieser Darstellung. Nur rund 14.700 Mitarbeiter seien befristet angestellt und damit weniger als zehn Prozent der gesamten Belegschaft. Zudem würden diese denselben Lohn erhalten wie ihre unbefristet angestellten Kollegen.

Im Paketzentrum im Gewerbepark zählen derzeit 380 Mitarbeiter zur Stammbelegschaft in der Produktion, 60 Prozent davon sind Leiharbeiter und eigene befristete Kräfte, weiß der stellvertretende Betriebsratvorsitzende Norbert Emmerling.

In 31 der 33 Paketzentren des Konzerns fanden gestern Abend um 17 Uhr Betriebsversammlungen statt. Diese haben aller Wahrscheinlichkeit nach dazu geführt, dass sich die Paketzustellungen am heutigen Nikolaustag verzögern. Denn Pakete wurden von anderen Zentren nicht nach Feucht geliefert und umgekehrt. Am Standort in Feucht gehen täglich etwa 200.000 Sendungen raus, sagt Emmerling. „Die Versammlung ist ein Signal für die Zukunft. Die Zahl der Beschäftigten in der Auslieferung ist drastisch gesunken“, sagt er. Man wolle darauf hinweisen, dass es diesen 6. Dezember öfter geben werde, wenn die Post ihre Personalpolitik so weiterführe. Denn die Zusteller kommen nicht mehr hinterher. „Im Postjargon sagen wir, die saufen ab“, sagt Emmerling. Es könne generell nicht mehr sichergestellt werden, dass die Leute jeden Tag ihre Post kriegen.

Im Starkverkehr um Weihnachten werden sogenannte „Entlastungsbezirke“ eingerichtet. Das heißt, dass ein Bezirk von zwei Zustellern statt einem bedient wird. „Die Entlastungsbezirke können wir mangels Personal nicht besetzen“, meint der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende. Und weiter: „Immer mehr Mitarbeiter hören von sich aus auf, weil die Arbeitsbelastung in der Verbundzustellung (Anm. d. Red.: Gleichzeitiges Zustellen von Briefen und Paketen) in Feucht sehr hoch ist.“

Der Vorstand der Deutschen Post fordert eine Lohnabsenkung und will erst dann über mehr unbefristete Einstellungen reden. Für den Betriebsrat ist das keine Option. „Das wäre eine, wenn die Post ein Sanierungsfall wäre“, sagt Emmerling. Einerseits sei die Post stolz auf ihren Service, andererseits koste Qualität Geld. „Wir kriegen mit den jetzigen Löhnen keine Beschäftigten mehr.“

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