Leichtes Umsatzplus

Fackelmann setzt auf viele Kanäle

Alexander Fackelmann (links) zieht sich langsam zurück und übergibt den Posten des Geschäftsführers an Martin Strack (rechts). | Foto: A. Pitsch2020/02/redweb20200204-122525-scaled.jpg

HERSBRUCK – Der Stolz ist Alexander Fackelmann anzumerken, als er eine Horde an Journalisten durch die Fackelmann-Welt lotst. Für ihn ist der Flagship-Store zugleich das beste Beispiel für das nun seit Jahren funktionierende Omni-Channel-Konzept. Das belegen die Zahlen des Badmöbel- und Haushaltswarenherstellers.

Zwar hat das Hersbrucker Unternehmen mit einer Umsatzsteigerung von „nur“ 1,5 Prozent das Ziel von vier Prozent verfehlt. Dennoch sei der Umsatz von 395 Millionen Euro positiv zu bewerten, erklärte der neue Geschäftsführer Martin Strack.

„Ich werde 64 und möchte Vorsorge tragen, dass es weitergeht“, erläuterte Fackelmann den Wechsel an der Spitze. Er werde aber als Aufsichtsratsvorsitzender und Sprecher der Gesellschafter weiterhin beim „Global Player“ mitmischen – und er ergänzte die Präsentation der Jahresbilanz mit seinen Einschätzungen.

Konstante Mitarbeiterzahl

So betonte er, dass die Dachregion Deutschland, Österreich und Schweiz um zehn Prozent gewachsen sei – und das obwohl ein internationales Wachstum einfacher sei, weil man dort noch unbekannter sei. Dennoch steuerte Deutschland mit seinen 7000 Märkten ein Drittel zum Gesamtumsatz bei.
Diese betreuen Außendienstler und Service-Mitarbeiter, die noch zu den rund 3000 weltweit Angestellten des Unternehmens dazukämen, rechnete Fackelmann vor. 750 Personen arbeiteten in Deutschland, 420 in Hersbruck. Damit bleibt die Mitarbeiterzahl weiter recht konstant – trotz einer Reduzierung in China und gleichzeitiger Umsatzsteigerung.

Automatisierung und Rationalisierung aufgrund des Fachkräftemangels sowie Indien heißen laut Strack die Zauberwörter. Damit verfolgt Fackelmann weiter den Rückzug aus China. Bei den rund 1000 Arbeitern dort seien übrigens noch keine Fälle von Corona-Virus bekannt, so Strack. Er und Fackelmann sahen 2019 als „Tiefpunkt des schwächelnden Asiengeschäfts“ aufgrund der generellen Wegorientierung von der Volksrepublik.

Investition in Indien

Indien werde als Produktionsstandort (die Löhne betrügen nur ein Drittel derer in China) und Verbrauchermarkt immer wichtiger. Daher investiert das Unternehmen sechs Millionen Euro („ein großer Invest“) in den Neubau von Verwaltung, Lager und Pfannenproduktion in Indien.

Ebenfalls Positives hatte Strack aus Australien und Neuseeland zu berichten: Letztere Insel sei mit einer Einwohnerzahl von 4,5 Millionen und einem Umsatz von zwölf Millionen Euro das „stärkste Land“ unter den 42 Vertriebs- und Produktionsstandorten weltweit gewesen.
Der Grund: Wettbewerber lassen Fackelmann dort ihre Produkte vertreiben – das sei günstiger als eine eigene Logistik einzurichten. Für Fackelmann ist der Erfolg dort „ein Schlüssel für Anglo-Sachsen“. Dass in Sachen Brexit nun eine Entscheidung gefallen ist, begrüßten beide: „Die klare Lage kann wieder für mehr Stabilität bei unseren Kunden sorgen.“

Stationärer Handel bleibt Nummer eins

Die Vertriebsstärke war laut Fackelmann ein Anreiz für den deutschen Marktführer bei Töpfen und Pfannen, Elo, eine Vertriebskooperation außerhalb der Dachregion mit den Hersbruckern einzugehen. Im Gegenzug könne Fackelmann vom Know-how für die eigene Produktion profitieren.
Ein gegenseitiges Profitieren zum Wohl des Kunden sei Fackelmann auch bei seinen Omni-Channel-Konzepten wichtig: „Der stationäre Handel wird immer die Nummer eins bleiben“, unterstrich er – aber er müsse optimal mit Online verknüpft werden.

Die Firma investiere daher nicht nur in Online-Shops, Communities und Social Media (worum sich 15 Personen kümmern), sondern in die Fackelmann-Welt („Über die Nähe zum Kunden bekommen wir Feedback für die Produktentwicklung“) und in Partnerschaften mit dem Handel.

So sei in einem Edeka ein Shop mit Premium-Waren entstanden. Die können sich die Kunden vor Ort ansehen und per Terminal in den Laden oder nach Hause bestellen. Das sei nur ein Beispiel von möglichen Verknüpfungen. Und mit diesen will Fackelmann 2020 „stolze vier Prozent“ mehr Umsatz erwirtschaften – „ein sehr ambitioniertes Ziel“, ist sich Strack bewusst.

N-Land Andrea Pitsch
Andrea Pitsch