„Spürbarer Gewinn für das Zusammenleben“

Erfolgsgeschichte Sozialraumkonzept: Caritas Nürnberger Land blickt zurück

Auf das Projekt Nachhil-Fee ist die Caritas im Nürnberger Land besonders stolz.
Auf das Projekt Nachhil-Fee ist die Caritas im Nürnberger Land besonders stolz. | Foto: K. Sauvageot/Archiv2026/01/e194e79b485cd9a2c266a9dc49286ef61a3796d3_max1024x.jpg

NÜRNBERGER LAND – Was passiert, wenn soziale Arbeit und Projekte nicht mehr nur in Büros geplant, sondern mitten im Leben der Menschen gestaltet werden? Diese Frage haben sich vor mehr als zehn Jahren junge Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen der Caritas gestellt. „Was brauchen die Menschen wirklich? Das war damals die zentrale Frage, die wir uns gestellt haben“, blickt Michael Schubert, geschäftsführender Vorstand des Caritasverbandes Nürnberger Land zurück. Herausgekommen ist ein Konzept der sogenannten Sozialraumorientierung.

Dieses stelle eine elementare Haltungsänderung in der Sozialarbeit dar, weil es den Willen und die Bedürfnisse des Menschen in den Mittelpunkt stellt. „Anstatt Hilfen sozusagen ‚über die Köpfe hinweg‘ zu organisieren, betrachten wir die ganz spezifischen Bedarfe und Ressourcen der Menschen im Kontext ihres jeweiligen Sozialraums, etwa in den Quartieren, Stadtvierteln und Nachbarschaften. Das heißt, nicht wir, die Caritas, entwickeln Angebote, sondern die Menschen selbst kommen auf uns zu und tun dies gemeinsam mit der Caritas, die sie in ihrem Bestreben unterstützt, Räumlichkeiten und auch Mittel zur Verfügung stellt. Auf dieser Basis entstehen Angebote, die wirken und echte Teilhabe und Gemeinschaft schaffen“, erklärt Schubert.

60 Ehrenamtliche am MGH

Eine ganz wesentliche Charaktereigenschaft der Sozialraumorientierung sei die Niederschwelligkeit des Angebots, sagt Mechthild Scholz, Leiterin des Mehrgenerationshauses (MGH) Nürnberger Land in Röthenbach. „Offen für alle zu sein, spielt bei der Sozialraumorientierung eine entscheidende Rolle. Unser MGH ist nicht nur eine offene Anlaufstelle für ganz verschiedene Generationen, sondern auch ein spürbarer Gewinn für das Zusammenleben“, so die Sozialpädagogin. Projekte wie die Hausaufgabenbetreuung gehen auf die Eigeninitiative von Eltern zurück. Ihnen bietet das MGH einen Rahmen, in dem sich die Kinder nach der Schule täglich zum Hausaufgabenmachen treffen können. Davon profitieren insgesamt gut zehn Schülerinnen und Schüler, die von mehreren ehrenamtlichen Kräften angeleitet werden. Darüber hinaus gibt es unter anderem einen selbst organisierten Englischkurs für Senioren, eine Mediensprechstunde und einige kreative Angebote. „So entsteht spürbare Gemeinschaft, die sich sehr positiv auf das Zusammenleben hier bei uns auswirkt und die vor allem eines ganz deutlich macht: dass sich Engagement lohnt“, sagt Scholz. Alleine im MGH sind rund 60 Ehrenamtliche in verschiedenen Rollen und Funktionen aktiv.

Erfolg von Nachhil-Fee

Als Erfolgsgeschichte bezeichnet die Caritas das Projekt Nachhil-Fee. Ziel des Projekts ist, Kindern die Chance zu geben, nicht nur entstandene Wissensrückstände, sondern auch mögliche andere Benachteiligungen auszugleichen. Die Nachhil-Feen sollen gerade da, wo das soziale Umfeld Defizite aufweist, Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung schulischer und sozialer Herausforderungen stärken und stützen. Der Förderung sprachlicher Kompetenzen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu – vor allem für Kinder, die nicht muttersprachlich deutsch sind.

900 Schüler profitieren

„Wir unterstützen insgesamt fast 900 Schülerinnen und Schüler an 37 Grund- und Mittelschulen im Nürnberger Land, wo die Nachhil-Feen auf durchweg positive Resonanz stoßen“, sagt Schubert. Die Förderung findet in der Regel in einer Eins-zu-Eins-Betreuung oder in kleinen Gruppen statt. Rund 140 Nachhil-Feen arbeiten für das Projekt. Zwei Drittel davon sind Lehramtsstudierende. Sie sammeln praktische Erfahrungen und erhalten eine Aufwandsentschädigung. Dass dieses Projekt in dieser Form zu Stande kam, verdanke der Caritasverband Nürnberger Land dem Unternehmer Alexander Wexler. „Er kam mit dieser Idee auf uns zu“, berichtet Schubert. Angestoßen durch Wexlers Privatspende finanziert sich Nachhil-Fee jährlich außerdem über öffentliche Gelder, Stiftungen und auch weitere private Spenden.

„Gerade in Zeiten knapper Mittel, müssen wir Signale setzen, indem wir die Bedürfnisse der Menschen in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen“, sagt Schubert. Die Caritas müsse sichtbar machen, wie ihre Projekte beim Menschen wirken, zu was sie tatsächlich in der Lage sind und vor allem, was im Sozialraum, in den Quartieren und Stadtvierteln passieren würde, wenn sie plötzlich nicht mehr da wären. „Mit unserem Konzept können wir das sehr gut veranschaulichen und fahren damit bis dato sehr gut.“

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