Gia Corley ist das junge Juwel des SC Feucht

Nationalspielerin mit Unterstützung der BOL-Jungs

Abstiegskampf hinter der Haupttribüne: Gia Corley hat am Samstag möglicherweise zum letz­ten Mal für die Jungs des 1. SC Feucht gespielt. | Foto: Zink2016/06/giacorley.jpg

Gia Corley ordnet dem Fußball alles unter. Siebenmal pro Woche hat sie Training, an den Wochenenden nicht selten zwei Spie­le. Ein gewaltiges Pensum für eine 14-Jährige – die möglicherweise bald Kapitän der deutschen U15-National­mannschaft sein darf.

FEUCHT — Auf dem Platz hinter der Haupttribüne soll eine Vorent­scheidung fallen, unbedingt. Es geht um den Verbleib in der U15-Bezirks­oberliga. Vorletzter Spieltag, der Fünftletzte erwartet den punktglei­chen Viertletzten, vier steigen ab, vor allem die Erwachsenen sind deshalb ziemlich aufgeregt.
Beim Schlusspfiff sitzt Gia Corley bereits auf der Ersatzbank. Mit ihrer Leistung kann die 14-Jährige eigent­lich zufrieden sein. Sie ist viel gelau­fen auf der linken Seite, vor und zurück und wieder vor, die ganze Zeit. Cornelia Corley berichtet, dass sich ihre Tochter trotz eines gereizten Ischiasnervs zur Verfügung gestellt hat. Für das Team. So ein wichtiges Spiel, sagt Cornelia Corley, „lässt sich Gia nicht nehmen“.

Der 1. SC Feucht gewinnt mit 2:0 gegen die JFG Franken Jura. Gia Cor­ley hat ein paar gute Szenen, die von ihr ausgeführten Eckstöße fliegen prä­zise und scharf in den Strafraum. Vor dem Tor fehlt ihr zweimal ungefähr ein halber Meter zum persönlichen Erfolgserlebnis. Gegen die überwie­gend größeren Jungs.

Erst in dieser Saison hat Gia Corley das erste Mal offiziell gegen Mädchen Fußball gespielt. Bayern München hat sich das Zweitspielrecht gesichert und die Nürnbergerin hin und wieder in der U17-Bayernliga eingesetzt. „Im ersten Spiel hat sie gleich ein Tor geschossen“, erzählt Mutter Cornelia stolz, selbst in der U15-Natio­nalmannschaft läuft es wie geschmiert für Gia: „Sechs Länderspiele, zwei Tore.“ Als Gia Corley gegen die JFG Franken Jura ausgewechselt wird, klat­schen die meisten der etwa 50 Zuschauer hin­ter der Haupttribüne, „gut gemacht, Mausi“ ruft ein weiblicher Fan quer über den Platz. Es könnte im vorletzten Sai­sonspiel bereits der letz­te Auftritt von Pia Cor­ley im Trikot des 1. SC Feucht gewesen sein.

 „Irgendwas ist“

„Irgendwas ist“, glaubt sich Trainer Ste­fan Hampl später zu erin­nern. Er meint nächsten Samstag, den letzten Spieltag. Wobei eigent­lich immer irgendwas ist im Leben von Gia Cor­ley. Irgendwas mit Fuß­ball. Künftig siebenmal Training pro Woche, allein dreimal vormit­tags in der Brecht-Schule. Außerdem am Stützpunkt. Beim SC Feucht. Auf Sichtungen und Lehrgängen der DFB- und Bayern-Auswahl. Plus regelmäßig zwei Spiele am Wochenen­de.

2016/2017 wird Gia Corley für die U17-Bundesligaelf des FC Bayern auf­laufen. Im Mai ist sie 14 geworden. Ihr Wechsel zu den Jungs der JFG Wendel­stein steht ebenfalls schon länger fest, Bayernliga Nord, „und wenn die absteigen, spielen wir halt noch ein Jahr Bezirksoberliga, das wäre auch okay“, sagt Cornelia Corley, so etwas wie die Karriereplanerin der begab­ten Filia. Leistungstests beim DFB hätten ergeben, dass Gia auf den ers­ten Metern die Schnellste ist in der deutschen Auswahl. Bei einem Sich­tungsturnier vor einem Jahr in Duis­burg haben sie Gia Corley zur besten Spielerin des Turniers gewählt, aus 22 Ländermannschaften. Hoffenheim und Jena wollten sie. Aber Gia möchte eigentlich gar nicht weg.

Wie gut sie tatsächlich ist und viel­leicht noch werden kann, lässt sich gerade schwer sagen. Körperlich stößt sie gegen gleichaltrige oder häufig sogar ältere Jungs allmählich an ihre Grenzen. Früher war das alles anders. Daheim in Regensburg, erzählt die Mutter, sei Gia „immer wieder auf eigene Faust“ rüber zu den Plätzen der Fortuna, wo die Buben bolzten. Mit ihren damals noch ganz kurzen Haaren hielt sie niemand für ein Mäd­chen. Erst recht nicht, wer sie spielen sah. Mittlerweile lebt sie für den Fuß­ball. Playstation? „Gia“, sagt ihre Mut­ter, „geht lieber mit dem Ball raus“.

Beim 1. FC Nürnberg, in der weibli­chen U13, fühlte sich Gia nicht beson­ders wohl. Bei einem Hallenturnier erzielte sie ein spektakuläres Tor, mit elf, seitdem ist sie die jüngste Gewin­nern in der Geschichte des „Bayern-Treffers“. Die Club-Trainer beschei­nigten ihr Talent, den Durchbruch schaffte sie aber erst in der nächsten Saison, beim SC Feucht. Unter Jungs.
Zur Welt gekommen ist Gia Corley in Tacoma, Bundesstaat Washington, sie könnte eines Tages die US-ameri­kanische Staatsbürgerschaft beantra­gen. Im Land ihres Vaters hat der Frauenfußball einen ganz anderen Stellenwert, auch Mutter Cornelia weiß das. Aber sie weiß selbstverständ­lich nicht, was die Zukunft bringt.

Das nächste Etappenziel auf dem Weg nach oben wird die kommenden Wochen dominieren. Vom 29. Juni bis 1. Juli sichtet der DFB für die nächste U15-Nationalmannschaft, Gia ist ein­geladen, natürlich. „Sie muss sich trotzdem immer aufs Neue beweisen“, sagt Mutter Cornelia. Egal wo und wann und gegen wen.

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