Fragen zur Wahl

Gabriele Drechsler, Bündnis 90/Die Grünen

Gabriele Drechsler, Die Grünen | Foto: Grüne2018/10/Grune-Gabriele-Drechsler-Landtag-511-Wahl-2018.jpg

NÜRNBERGER LAND — Am Sonntag, 14. Oktober, wird ein neuer Landtag gewählt. Wir haben die Direktkandidaten des Stimmkreis Nürnberger Land von sieben Parteien nach ihren Positionen zu zentralen Wahlkampfthemen befragt. Im Folgenden antwortet Gabriele Drechsler (Bündnis 90/Die Grünen). Die Textilreinigermeisterin und Sachverständige für das Textilreinigungshandwerk hat einen eigenen Betrieb in Feucht, sie wurde 2014 in den Kreistag gewählt und ist dort seit vergangenem Jahr Fraktionssprecherin der Grünen.

1. Was wollen Sie als Abgeordnete in München für den Landkreis Nürnberger Land bewegen?
Landespolitik hat unmittelbare Auswirkungen auf die Menschen vor Ort. Bei uns im Nürnberger Land kommt alles zusammen: Stadt und Land, Erlebnis und Erholung, attraktiver Wirtschaftsstandort und Verkehrsdrehscheibe. All dies gilt es zu erhalten. Deshalb ist es mir ein Anliegen, den Flächenfraß in diesem Gebiet zu stoppen, um die Outdoor-Region Nürnberger Land zu erhalten. Ich werde mich dafür einsetzen, die kleinteilige Landwirtschaft im Sinne einer nachhaltigen biologischen Bewirtschaftung, zu stärken. Dabei sollen die Landwirte angemessen verdienen. Somit kann durch die Versorgung mit hochwertigen regionalen Produkten, die Lebensqualität verbessert. werden.

2. Was sind Ihre zwei wichtigsten Schwerpunkte in der Landespolitik?
a) Sauberes Wasser! Schutz von Trinkwasser! Wasser ist lebenswichtig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Deshalb muss es besonders geschützt werden. Mit der europäischen Wasserrahmenrichtlinie wurde die Basis für eine neue Wasserpolitik geschaffen, welche die Ressource Wasser zum Wohle künftiger Generationen langfristig schützt. Für die konsequente Umsetzung dieser Richtlinie werde ich mich im Landtag einsetzen. b) Berufsausbildung in Nischenberufen fördern! Das sind Berufe, die es nicht oft gibt, die aber eine interessante Alternative darstellen zu bekannten Berufen. Als Textilreinigermeisterin und Ausbilderin weiß ich, dass durch die Schließung von Berufsschulen die Ausbildung seltener Berufe erschwert und unattraktiv wird. Dagegen möchte ich etwas unternehmen.

3. Seit Jahren ist ein Rechtsruck in der Politik in Deutschland und Europa zu beobachten. Sehen Sie hier eine Gefahr für die Demokratie? Wenn ja, was sollte dagegen im Bayern oder vor Ort im Landkreis unternommen werden?
Wir Grüne verteidigen unser vielfältiges, demokratisches und weltoffenes Bayern. Der Kampf gegen Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit muss intensiviert werden. Bayern sollte mehr Geld für Demokratiebildung ausgeben, die Zivilgesellschaft unterstützen und den Ermittlungsdruck auf die rechte Szene verstärken. Rechte Strukturen gehören konsequent bekämpft. Dazu zählt ein Verbot neonazistischer Gruppen wie „Die Rechte“ „Der III. Weg“ und der Identitären Bewegung. Wir brauchen mehr Zivilcourage und den Einsatz aller für eine tolerante und friedliche Gesellschaft.

4. Auf der einen Seite suchen viele Betriebe im Nürnberger Land dringend Auszubildende und Mitarbeiter, auf der anderen Seite werden immer wieder gut integrierte Flüchtlinge abgeschoben. Sehen Sie einen Ausweg aus diesem Dilemma?
In Bayern wird Geflüchteten häufig die Ausbildungs- und Arbeitserlaubnis willkürlich verweigert. Die im Bundesintegrationsgesetz geschaffene sogenannte 3+2-Regelung, die den Abschluss einer Berufsausbildung und die anschließende Arbeitsaufnahme ermöglichen soll, wird damit ausgehebelt. Wir Grüne werden dafür sorgen, dass künftig alle Asylsuchenden und Geduldeten, die in Bayern eine schulische oder berufliche Ausbildung beginnen, eine Aufenthaltserlaubnis erhalten und Arbeitsverbote abgeschafft werden. Mit einem Grünen-Einwanderungsgesetz können durch einen Spurwechsel auch Asylbewerber bei entsprechender Qualifikation eine Arbeitserlaubnis erhalten.

5. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum greift von den Städten ins Umland über. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, damit Mieten und Grundstückspreise nicht ins Unermessliche steigen?
Wir Grüne wollen dem sozialen Wohnungsbau Vorfahrt einräumen. Unsere Zielmarke heißt: 50 000 neue Wohnungen mit 40-jähriger Sozialbindung in den nächsten fünf Jahren. Dafür werden wir in der kommenden Landtagsperiode insgesamt fünf Milliarden Euro an Investitions- und Fördervolumen bereitstellen. Bauland ist knapp und teuer. Bei der Mobilisierung von Bauland setzen wir Grüne auf behutsame Nachverdichtung. Spekulationen mit Grund und Boden wollen wir einen Riegel vorschieben. Brachliegende innerörtliche Grundstücke sollen über einen zusätzlichenGrundsteuer-Hebesatz höher besteuert werden. Flankieren wollen wir diese Maßnahmen mit einem gerechteren Mietrecht.

N-Land Pegnitz-Zeitung
Pegnitz-Zeitung